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Autor gibt spannende Einblicke in seine Arbeit

Krimischreiber Klaus Wanninger liest in der Großbottwarer Stadtbücherei auch aus seinem neuesten Titel „Schwabenfest“

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Ludwigsburg. Hauptberuflich war Klaus Wanninger unter seinem bürgerlichen Namen Ernst Wenninger bis zu seiner Pensionierung Gymnasiallehrer für Religion und Erdkunde in Backnang, aber schon als Jugendlicher schrieb er leidenschaftlich gern. Inzwischen gilt er als erfolgreichster Krimischreiber im Schwabenländle, hat bereits mehr als 600 000 Bücher seiner Schwaben-Krimis verkauft. Neu erschienen ist sein 19. Fall mit dem Titel „Schwabenfest“, in dem wieder das bewährte Kommissaren-Duo Steffen Braig und Katrin Neundorf ermittelt.

„Ende September befand sich die halbe Stadt im Ausnahmezustand“, so beginnt der neue Krimi, in dem der Bürgermeister eines kleinen Ortes unbedingt seine Blase entleeren muss und dabei über einen Toten auf dem Cannstatter Wasen stolpert. Und es bleibt nicht bei der einen Leiche. Ein Chefarzt wird ebenfalls unsanft aus dem Leben befördert. Der Kommentar „Menschenschinder“, der auf einem Zettel bei den Leichen gefunden wird, sorgt zunächst für Kopfzerbrechen bei Kommissar Steffen Braig und seiner Kollegin Katrin Neundorf. Aber das fiktive Ermittlerduo von Klaus Wanninger ist erprobt und mit 100-prozentiger Erfolgsrate gesegnet.

Klaus Wanninger gab während der Lesung in der Stadtbücherei Großbottwar viele interessante Einblicke in seine Arbeit. So erzählte er, dass der tote Chefarzt ein Thema sei, über das er schon länger schreiben wollte, nämlich seitdem seine Nichte ihr Medizinstudium im 8. Semester abgebrochen habe. Es geht um Schikane von oben, zum Beispiel um Beschimpfungen während schwieriger Operationen – zwar im Krimi nur fiktiv, aber solche Machenschaften kamen Klaus Wanninger eben im wirklichen Leben zu Gehör. Was heutzutage so alles schief läuft, prangert der Krimischreiber in seinen Büchern an, und er hofft auf ein Umdenken.

Wanninger las aber in Großbottwar nicht nur, sondern berichtete auch aus seinem Leben, wie er als junger Lehrer ein Jahr lang auf einem Bauernhof wohnte und dort lernte, wie viele Eier ein Huhn eigentlich legen kann. Das gab ein fröhliches Raten im Publikum. Von 365 Tagen ausgehend, vermuteten viele circa 300 Eier. Viel zu hoch gegriffen, wie Klaus Wanninger aufklärte. Unter normalen Bedingungen legen Hühner lediglich von Mai bis September Eier, und zwar so fünf Stück pro Woche. Aber schon damals merkte er, wie manipuliert wird und mit künstlichem Licht die Hühner zu höherer Produktion angeregt wurden.

Gedacht war die Eier-Erinnerung neben der Kritik am Umgang mit Tieren, aber auch als Überleitung zum zweiten Krimi des Abends, aus dem Klaus Wanninger mit Unterstützung von Verena Gänsler, der Büchereileiterin, vorlas. Mit Kopftuch und Besen ausgestattet, verkörperte sie gekonnt und witzig die Bäuerin Sofie Steimle, die von Kommissar Braig verhört wird. Der Text stammte aus dem dritten Schwaben-Krimi „Schwabenmesse“ von 2001. Hier liegt die Leiche auf den Fildern und es geht um wehrhafte Bauern sowie schwarze Messen.

Äußerst lebendig und kurzweilig lasen Klaus Wanninger und Verena Gänsler, was das Publikum mit viel Applaus belohnte und anschließend Fragen stellte. Da kamen einige, zum Beispiel wie lange er an einem Buch schreibe. Ein Jahr, antwortete Klaus Wanninger – meist von Oktober bis September, damit es pünktlich zur Frankfurter Buchmesse fertig ist. Er schreibe auch gern im Zug, denn ein Blick aus dem Fenster sei sehr inspirierend und seine Frau lese sein neues Werk erst, wenn es fertig sei. Um Gewalt geht es Klaus Wanninger nicht, konnte das Publikum weiter erfahren, und sehr wichtig sei es immer, das Fiktive zu betonen, denn keiner soll sich wiedererkennen in seinen Krimis. Allerdings hat sein Ermittler-Duo durchaus reale Vorbilder aus seinem engsten Freundeskreis.