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Ideen mit Wein und Storch

Ein Standortmanager soll neues Entwicklungskonzept umsetzen und Wohlfühlatmosphäre schaffen

Auch in der Kirchstraße sieht das Entwicklungsprogramm noch Potenzial.Foto: Ramona Theiss
Auch in der Kirchstraße sieht das Entwicklungsprogramm noch Potenzial. Foto: Ramona Theiss

Großbottwar. Eine gemeinsame Aufgabe aller Großbottwarer Bürger soll die Belebung der Innenstadt werden, weshalb der Gemeinderat das sperrige Wort „Innenstadtkonzeption“ durch das griffigere „Zukunftswerkstatt“ ersetzt hat. Richten soll es ein „Standortmanager“ – die Stelle muss allerdings neu geschaffen werden.

Diese neu zu schaffende 100-Prozent-Stelle war der einzige Knackpunkt in der Debatte; die SPD hätte die Entscheidung darüber aus finanziellen Gründen gerne um ein Jahr verschoben, stand mit dieser Meinung aber allein auf weiter Flur. Die Stelle kann also ausgeschrieben und besetzt werden.

Mit der Erarbeitung eines Innenstadtentwicklungskonzepts hatte der Gemeinderat im September vergangenen Jahres das Büro Imakomm beauftragt, dessen Mitarbeiter Matthias Prüller das Ergebnis jetzt im Gemeinderat vorgestellt hat. Bei der Erarbeitung des Konzepts waren Einzelhändler, Selbstständige und ihre Vertreter, sowie der Verein Miteinander attraktives Großbottwar (MAG) eingebunden. Das Konzept enthält Schwerpunkte und einen Roten Faden.

Die Innenstadt hat Vorrang

Vor allem geht es darum zu definieren, wo künftig Einzelhandel stattfinden soll; nämlich vorrangig in der Innenstadt. Als nachrangig zu entwickelnde Gebiete – sofern sie der Innenstadt nicht schaden – gelten das Gmelich-Areal und das Gebiet östlich der Großbottwarer Straße, wo sich flächenintensive Vorhaben ansiedeln könnten.

Im Detail kritisiert das Konzept, dass die einzelnen Bereiche nicht ausreichend verknüpft sind und es keine Wege- und Sichtbeziehengen gibt. Die Kirchstraße zum Beispiel sei in ihrer jetzigen Form keine Verbindung zwischen Bachstraße und Marktplatz, die Bücherei sei abgehängt, in der Oberstenfelder Straße sei eine Innenstadt „kaum erkennbar“ und der Weg vom Platz an der Alten Schmiede in Richtung Marktplatz „noch optimierbar“. Insgesamt müsse eine „Wohlfühlatmosphäre“ geschaffen werden, entlang dem Roten Faden „Storch und Wein“, die beiden Pfunde, die typisch für die Stadt sind und mit denen es zu wuchern gelte.

Allerdings werde das nicht von allein laufen, sagte Matthias Prüller vom Büro Imakomm, es brauche eine Art Treiber, der die Fäden in der Hand hält und sich kümmert – eben einen Standortmanager. Denn: „Das kann man alles nicht nebenher machen und Sie stehen in Konkurrenz mit anderen Kommunen“, sagte Prüller.

Das sah auch die deutliche Mehrheit der Stadträte so. „Wir brauchen jemand, der Maßnahmen aus einem Guss entwickelt und umsetzt“, sagte Robert Wien von der Freien bürgerlichen Wählervereinigung (FBWV), die das Konzept überhaupt angestoßen hatte. Das Projekt sei auch keine Veranstaltung allein des Gemeinderats, sondern müsse zu einer „Herzensangelegenheit“ aller Großbottwarer werden. Deshalb schlug er auch den Begriff „Zukunftswerkstatt“ vor, der von allen für gut befunden wurde.

„Stelle zeitnah besetzen“

Auf nicht ganz so viel Zustimmung stieß der Vorschlag, die zusätzliche Stelle bereits im Haushalt 2021 zu berücksichtigen. „Ich finde das wirklich gut und bin nicht prinzipiell gegen einen Standortmanager“, sagte Angelika Maier (SPD), im Moment könne sie dem aber nicht zustimmen, sondern erst im Haushalt 2022. Paul Wien (FDP) steuerte die Idee bei, lieber das Hauptamt mit einer 75-Prozent-Stelle aufzustocken, blieb mit dem Vorschlag aber allein. Matthias Wien (CDU) plädierte im Gegensatz dazu, die neue Stelle „zeitnah“ zu besetzen und sie losgelöst von der Rathausstruktur anzusiedeln. Die Lebensqualität in der Altstadt müsse dringend erhöht werden, auch wenn die finanzielle Situation der Stadt prekär sei. „Wir sollten einsteigen und Schwerpunkte setzen“, sagte Wien, und setzte auf Gastronomie, denn: „Mit Einzelhandel werden wir uns schwertun.“ Während das Innenstadtentwicklungskonzept auf einhellige Zustimmung stieß, gab es für den Standortmanager eine Gegenstimme und eine Enthaltung. „Wir haben jetzt ein Tool in der Hand, mit dem wir voranschreiten können“, kommentierte Bürgermeister Ralf Zimmermann.

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