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Impfteams auch für behinderte Menschen

Zuerst mussten Menschen mit Behinderung, die zur Priogruppe 2 gehören, in die Impfzentren gehen. Doch inzwischen können auch in Wohnheime und Werkstätten mobile Impfteams kommen. In manchen Einrichtungen waren sie schon, bei anderen steht der Termin noch nicht fest.

Aufziehen einer Spritze mit Impfstoff gegen den Coronavirus. Foto: Friso Gentsch/dpa
Aufziehen einer Spritze mit Impfstoff gegen den Coronavirus. Foto: Friso Gentsch/dpa

Kreis Ludwigsburg. „Das geht ja gar nicht“, schreibt uns eine Leserin vor ein paar Wochen. Was sie damit meint: Dass Menschen mit Behinderung, die in Wohnheimen leben, ins Kreisimpfzentrum kommen müssen. Auch „ein fassungsloser Angehöriger“ wendet sich an die Redaktion. „Die Bewohner scheinen vergessen oder nicht werbewirksam einsetzbar“, so das Fazit des Mannes. Inzwischen hat sich etwas getan in der Sache: Mobile Impfteams, die bisher hauptsächlich in Pflegeheimen Bewohner und Mitarbeiter geimpft haben und für Pop-up-Impfzentren Kommunen ansteuern, kommen nun auch in Wohnheime und Werkstätten für Menschen mit Behinderung.

Gut so, finden die Träger, die sich teilweise schon wochenlang dafür eingesetzt hatten. Nachdem die Impfungen in den Alten- und Pflegeheimen nahezu abgeschlossen waren, wurden Kapazitäten frei, um auch Wohnheime, Förderstätten und Werkstätten für Menschen mit Behinderung aufzusuchen, so ein Sprecher des Sozialministeriums.

In den Wohnheimen in Aldingen und Bietigheim der Lebenshilfe Ludwigsburg waren bereits vergangene Woche mobile Impfteams (MIT). „Vor Ort hat es wirklich hervorragend funktioniert“, sagt Stephan Kurzenberger, der Geschäftsführer der Lebenshilfe. Schon vor dem Besuch der MIT wurden für manche Bewohner Termine im Kreisimpfzentrum (KIZ) ausgemacht. Es sei jedoch sehr viel Aufwand, für alle Bewohner Termine zu vereinbaren.

Bei einigen Klienten, die einen Termin bekommen haben, sei es zudem schwierig gewesen im KIZ. „Manche sind sehr, sehr nervös gewesen“, so Kurzenberger. Vor Ort gebe es den Vorteil, dass das Betreuungspersonal auch dabei sei. Anders als im KIZ, wo nur eine Begleitperson mitkann. Außerdem konnten von den Impfteams auch gleich ambulant Betreute und Mitarbeiter in den Wohnheimen geimpft werden. „Die Impfquote bei uns ist enorm hoch“, sagt Stephan Kurzenberger. Von den Bewohnern hätten sich fast alle impfen lassen, bei den Mitarbeitern seien es auch mehr als 90Prozent gewesen.

Vom Ablauf der Aktionen mit den MIT ist Stephan Kurzenberger sehr zufrieden. Jedoch: „Die Querelen gab es davor“, sagt er. Schon viel früher hätten Impfteams auch zu Einrichtungen, in denen Menschen mit Behinderung leben, kommen müssen. In anderen Stadt- oder Landkreisen seien die Einrichtungen der Eingliederungshilfe viel früher von den MIT angefahren worden, sagt er.

Denn auch in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung sei es bereits zu Corona-Ausbrüchen gekommen, einige Fälle seien schwer gewesen. „Das hat uns bewusst gemacht, wie wichtig die Impfung für den betreuten Personenkreis ist“, so Kurzenberger. Am 4.März wandte er sich deshalb an das Landratsamt mit der Bitte, MIT früher in die Einrichtung zu schicken. Einen Monat hat es dann gedauert, bis tatsächlich MIT in den Einrichtungen der Lebenshilfe war. „Das war an der Grenze zur Nachlässigkeit“, so Kurzenberger. Laut Landratsamt konnten die MIT erst im Laufe des Aprils die Einrichtungen der Eingliederungshilfe anfahren. Denn die Teams, die vom KIZ aus losfahren, impfen auch in den Pop-up-Impfzentren in den Kommunen.

Auch die Theo-Lorch-Werkstätten haben sich lange dafür eingesetzt, dass ein MIT zu ihnen kommt, um Beschäftigte und Betreute zu impfen. „Die Impfteams vereinfachen das Impfen für uns alle“, sagt Isabell Brando, die Sprecherin der Werkstätten. Ohne Unterstützung sei es für die meisten Menschen mit Behinderung schwer, einen Termin im KIZ zu vereinbaren. Außerdem seien die Impfberechtigten sowieso vor Ort, das Impfen in den Einrichtungen entlaste auch die Impfzentren. „Dann können dort diejenigen hin, zu denen keine Impfteams kommen“, so Brando. Einen genauen Termin, wann ein MIT kommt, gibt es bei den Theo-Lorch-Werkstätten noch nicht. Es werde wohl Ende April.

Bei den Theo-Lorch-Werkstätten wurden alle Impfberechtigten angeschrieben, die privat oder bei Angehörigen wohnen. „Alle anderen werden in den Wohnheimen geimpft“, so Brando. Rund 750Personen von allen Standorten (in Ludwigsburg, Großbottwar und Bietigheim) wurden informiert, insgesamt sind es 1100Personen in den Theo-Lorch-Werkstätten. Über einen Serienbrief wurden die Impfberechtigten informiert und über das weitere Vorgehen aufgeklärt. Manche Impfberechtigten hätten auch schon einen Termin im KIZ gehabt, so Brando. Auch die Mitarbeiter können von den MIT geimpft werden. Man sei froh, dass es geklappt hat, Impfteams in die Werkstätten zu bringen, so Brando. „Je mehr Menschen geimpft sind, desto mehr Normalität ist möglich“, sagt sie. Normalität heißt für die Theo-Lorch-Werkstätten vor allem, den Schichtbetrieb, der mittlerweile seit mehr als einem Jahr gilt, aufzulösen.

Auf der Karlshöhe wartet man noch auf eine schriftliche Bestätigung der Termine, so Pressesprecher Michael Handrick. Zugesagt seien drei Termine „von Mitte April bis Anfang Juni für unsere Menschen mit Unterstützungsbedarf und für die impfberechtigten Mitarbeitenden“. Die Karlshöhe, so Handrick, habe sich intensiv um diese Zusage bemüht.

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