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Infopfad an der Büffelweide

Initiatoren des Projekts ziehen nach einem Jahr positive Bilanz – Landschaft miteinbeziehen – Spende

Die Wasserbüffel in der Bottwartal-Aue sind die Stars bei Spaziergängern und Radfahrern. Bald soll es noch mehr Infos zu dem Projekt geben.Archivfoto
Die Wasserbüffel in der Bottwartal-Aue sind die Stars bei Spaziergängern und Radfahrern. Bald soll es noch mehr Infos zu dem Projekt geben.Archivfoto Foto: privat

Großbottwar. Eine „vorsichtige Zwischenbilanz“ des Projekts Wasserbüffel in der Bottwar-Aue hat Klaus-Peter Hutter von Naturelife vor Großbottwarer Gemeinderäten gezogen und eine Neuerung angekündigt: ein mit QR-Codes ausgestatteter Wein-, Natur-, Kultur-Erlebnispfad, denn das Interesse der Menschen an den urigen Tieren ist groß. Auf den Schildern sollen Interessierte nun auch etwas über die umgebende Kulturlandschaft erfahren.

Mit sechs Büffelkühen ist das Projekt im Mai vergangenen Jahres gestartet, inzwischen ist die Herde auf zehn Tiere angewachsen, weil fünf der Kühe trächtig waren, ein Kalb ist allerdings gestorben. Auf sieben, durch Elektrozäune eingegrenzten Weideflächen machen sich die Büffel über das Schilf her und sorgen damit für eine strukturreiche Landschaft. „Das ist ganz anders, als würde man das Schilf nur abmähen!“, sagt Hutter. Ein wissenschaftliches Team aus Biologen, Landschaftspflegern und IT-Fachleuten dokumentiert die Entwicklung, und auch wenn man noch ganz am Anfang stehe, zeichne sich bereits ab, dass die biologische Vielfalt und besonders gefährdete Arten von der Büffelbeweidung profitieren werden.

Zwei- bis dreimal seien sogar Störche gesichtet worden. Die Chance, dass sich der Großbottwarer Wappenvogel im Bottwartal auch ansiedelt, sei gegeben, so Hutter, „aber garantieren kann’s keiner“. Denn Störche brauchen eine Nahrungsbasis, und anders als im Kinderlied fressen sie nicht am liebsten Frösche, sondern Mäuse, Maulwürfe und proteinreiche Heuschrecken.

Andere Vogelarten haben sich bereits angesiedelt. Die größten Rohrammerbestände im Mittleren Neckarraum sind hier zu finden, auch Schilfrohrsänger wurden identifiziert. Ihr Speisezettel erweitert sich durch die Insekten, die sich im Dung der Büffel ansiedeln. Auf den Holzpfosten und den Drähten der Weidezäune wurden Neuntöter und Goldammern gesehen.

Über 2000 Stunden ehrenamtliche Arbeit

Aber was machen bereits vorhandene, größere Tiere? Verhindern die Weidezäune nicht den Wildwechsel – das war in der Planungshase des Projekts einer der Kritikpunkte gewesen. Landwirt Andreas Weigele, der die Büffelherde betreut und von seinen „Mädle“ spricht, zerstreut diese Bedenken: Der Wildwechsel funktioniere, Rehe springen über die Zäune weg, kleinere Tiere kriechen unten durch, das könne man an den Spuren ablesen. Außerdem, so Weigele, stehe er in ständigem Kontakt mit Jägern.

Ein anderer Kritikpunkt der Großbottwarer Stadträte ergab sich eher aus der Popularität des Projekts: Landwirte bemängeln, dass sie auf dem beliebten und belebten Radweg entlang der Weide mit ihren Traktoren oft kaum noch durchkommen.

Dieses große Interesse an dem Projekt soll in Bahnen gelenkt werden. Gedacht ist an einen Pfad, für den allerdings keine Wege angelegt werden müssen und der auch nicht mit großen Infotafeln zugepflastert werden soll. Stattdessen soll man in den geplanten Wein-, Natur-, Kultur-Erlebnispfad an jedem beliebigen Punkt einsteigen können. Die Informationen – Texte, Bilder, Fotos und andere Medien – kann man über einen QR-Code mit dem Smartphone abrufen. 83000 Euro kostet das voraussichtlich, 41500 Euro steuert der Verband Region Stuttgart bei, den Rest will Naturelife und der Verein für Landschaftspflege und Naturschutz durch Beweidung im Bottwartal selbst aufbringen.

Da ist es gut, dass es nicht nur einen harten Kern von zwei Dutzend ehrenamtlichen Helfern gibt, die über 2000 Arbeitsstunden investiert haben, sondern auch Spender – so wie die Firma Edeka Südwest, die im Rahmen des Naturschutzwettbewerbs „Unsere Heimat und Natur“ dieses Engagement am heutigen Samstag mit einer Spende über 5000 Euro auszeichnen will. Edeka-Kunden haben den Wettbewerb mit dem Kauf regionaler Bio-Kräutertöpfe unterstützt.

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