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Jetzt sucht der Chef für Reza eine Wohnung

Stuckateurbetrieb setzt sich für Mitarbeiter ein – Flüchtling in schwieriger Lage – „Möchten ihn nicht missen“

Reza nennen die Kollegen den Stuckateur Abdul Razaq Hossaini, der hier auf einer Baustelle arbeitet.Foto: Holm Wolschendorf
Reza nennen die Kollegen den Stuckateur Abdul Razaq Hossaini, der hier auf einer Baustelle arbeitet. Foto: Holm Wolschendorf

Großbottwar. Das war für beide Seiten eine echte Win-win-Situation: Ein Stuckateurbetrieb hat einen exzellenten Handwerker gefunden und der Handwerker einen Chef, der sich mehr kümmert, als er müsste. Jetzt sucht der Chef eine Wohnung für seinen Mitarbeiter. Denn Reza ist Flüchtling und in einer verzwickten Lage.

Reza heißt eigentlich Abdul Razaq Hossaini, ist 33 Jahre alt und stammt aus Afghanistan. Vor fünf Jahren war er mit seiner Frau und seinem damals drei Jahre alten Sohn nach Deutschland gekommen, zuerst nach München, dann nach Ludwigsburg. Dort absolvierte er verschiedene Deutsch- und Integrationskurse, bezog als anerkannter Flüchtling Sozialhilfe und war ständig auf Jobsuche. Inzwischen war auch noch eine Tochter geboren worden, die inzwischen fünf Jahre alt ist. Das war die Situation, als sich Anfang des Jahres die Wege von Abdul Razaq Hossaini und der Großbottwarer Firma Weber kreuzten.

„Wir haben gerade Leute gesucht!“, berichtet Sandra Weber. Beim Jobcenter bekam sie den Tipp mit der Flüchtlingsintegration: Es gebe da jemanden, der gut zu der Firma passen würde. Ein paar Tage später kam der junge Familienvater in den Großbottwarer Meisterbetrieb, um zwei Wochen Probe zu arbeiten. „Er hat von Anfang an geschafft wie ein Brunnenputzer!“, erinnert sich Sandra Weber, und das ist so ziemlich das höchste Lob, das man sich in Schwaben verdienen kann. Es stellte sich heraus, dass Reza, wie ihn die Kollegen schnell nannten, bei seiner Flucht aus Afghanistan im Iran als Stuckateur gearbeitet und dort die Handwerkskunst des Stuckformens erlernt hatte. „Er konnte wahnsinnig toll spachteln!“, ist Sandra Weber noch immer begeistert. Auf einer Baustelle überraschte der Neue Chef und Kollegen damit, dass er Ornamente frei Hand formte, ohne eine Schablone zu benutzen. „Das ist absolute Handwerkskunst“, sagt die Chefin beeindruckt. Alles andere, was die Großbottwarer Firma sonst noch anbietet – Fassadendämmung, Trockenbau, Putz- und Tapezierarbeiten –, lernte Reza schnell.

Nach dem halben Jahr, in dem der Arbeitgeber einen Integrationszuschuss für den Mitarbeiter bekommen hatte, wollte niemand mehr auf Reza verzichten. „Wir haben ihn selbstverständlich übernommen, wir möchten ihn nicht mehr missen“, sagt Sandra Weber. Auch die Kollegen mögen den jungen Mann, der anfangs sehr still und zurückhaltend war und erst nach und nach aus sich herausging. Dabei kamen dann auch verschiedene Schwierigkeiten zur Sprache. Unter anderem der schwierige Wechsel der Steuerklasse, wofür erst die Heiratsurkunde aufgetrieben werden musste, und fehlende Kindergeldzahlungen. Als größtes Problem erweist sich allerdings die Wohnung.

Derzeit lebt die vierköpfige Familie Hossaini in einer Zweizimmerwohnung in Ludwigsburg, die 1200 Euro Miete im Monat kostet. Wie üblich orientiert sich die Miete bei Flüchtlingen nicht an der Wohnungsgröße, sondern wird vom Staat pro Person bezahlt – ein durchaus lukratives Geschäft für Vermieter. Seitdem Reza nun aber Facharbeiterlohn bezieht, muss er die Miete natürlich selbst zahlen. „Er bekommt rund 1900 Euro raus“, sagt Sandra Weber, „da sind 1200 Euro Miete für einen Alleinverdiener mit Familie nicht drin.“

Deshalb haben sich Rezas Arbeitgeber an ihre Kollegen vom Bund der Selbstständigen (BDS) gewandt, in der Hoffnung, eine Wohnung für die Familie zu finden, denn: „Reza ist ein sehr fleißiger, zuverlässiger und ehrlicher Mitarbeiter und wir möchten ihn nicht mehr missen.“ Seither kursiert die E-Mail unter den BDS-Mitgliedern und kam so auch an unsere Zeitung.

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