Logo

Kampf um einen Trendsport: Bäume sperren illegale Trails

Im Oberen Bottwartal kämpfen Ämter und Interessenverbände um neue legale Wegstrecken durch den Wald – Viele Routen führen durch Naturschutzgebiete

Mit Corona ist Mountainbiken durch den Wald noch mehr zur Trendsportart geworden.Archivfoto: dpa
Mit Corona ist Mountainbiken durch den Wald noch mehr zur Trendsportart geworden. Foto: dpa
350_0900_31804_Nill_118.jpg

Oberstenfeld. Es soll ein Zeichen sein. Ein Zeichen für mehr Rücksicht auf die Natur. Denn obwohl es in Oberstenfeld eine legale Mountainbike-Runde mit drei legalen Trails bei der Krugeiche gibt, erfreuen sich die illegalen Trails großer Beliebtheit. Einer dieser illegalen Trails soll bei einer Pflanzaktion am kommenden Samstag geschlossen werden.

Die Waldgebiete bei Beilstein, Oberstenfeld und Großbottwar gelten als Mekka der Mountainbiker. Das war schon vor Corona so, hat sich aber durch die Pandemie noch verstärkt. „Der Druck hat noch mehr zugenommen. Vor allem am Wochenende sind die Parkplätze voll mit Autos von Fahrradfahrern“, hat Bertram Hartmann, einer der Vorsitzenden des Nabu Oberstenfeld, beobachtet. Sie suchen sich im Vorfeld auf entsprechenden Plattformen im Internet ihre Strecken und schwärmen dann aus. Viele Anbieter unterscheiden aber nicht zwischen legalen und illegalen Trails. Mountainbiken sei ein toller Sport, findet zwar auch Hartmann, aber es gehe um die, die sich nicht an die Regeln halten. „Wir wollen keine Käseglocke übers Bottwartal stülpen, aber auf den Naturschutz hinweisen.“

In Fortführung der großen runden Tische mit Gemeindevertretern, Naturschützern, Jagdpächtern, Fachbehörden und Mountainbikergruppen haben sich Vertreter des Nabu und der Trailsurfer, einem 2016 gegründeten Verein, der angetreten ist, die Interessen der Mountainbiker zu vertreten und „interessierten Gemeinden als kompetenter Partner zur Verfügung zu stehen“, direkt im Wald getroffen und sind die Brennpunkte abgelaufen. „Wir haben die Thematik angesprochen und haben nach Lösungen gesucht“, so Hartmann.

Am Eingang eines illegalen Trails an der Scheiterburg werden nun klimastabile Bäume gepflanzt. An einer zweiten Stelle müssen noch Rahmenbedingungen geklärt werden. „Wir sehen das als symbolische Aktion, als Zeichen, dass wir nicht alles hinnehmen. Viel retten werden wir nicht können, dafür ist der Druck zu groß“, sagt Hartmann.

Auch die Trailsurfer sind interessiert daran, die Probleme zu lösen. „Es ist immer unser Anliegen, Strecken zu legalisieren und Problemstellen zu entschärfen“, sagt der Vorsitzende des inzwischen 400 Mitgliedern fassenden Vereins, Stefan Pyttlick. Er wirbt aber auch um gegenseitiges Verständnis, egal ob Fußgänger oder Mountainbiker.

Die illegalen geschaffenen Trails führen unter anderem durch Lebensräume von geschützten Vögeln und Salamandern, außerdem sind Biotope hiervon betroffen. Die Waldbereiche im Oberen Bottwartal gelten als Schutzgebiet – von Natura 2000 bis zu FFH-Gebieten (Flora-Fauna-Habitat). An den Stellen, wo viel gefahren wird, werden Landschaft und Natur beeinträchtigt, bemängelt der Nabu. So habe zum Beispiel ein Rotmilanpaar nach jahrelanger Nutzung eines Horsts diesen im vergangenen Jahr während der Brut verlassen. Auch die von Nabu aufgehängten Nisthilfen wurden während der Brut aufgegeben. „Die Landschaft wird in Grund und Boden gefahren, wenn es regnet, wird der Boden wie Beton. Da wächst nichts mehr. Das ist am Wunnenstein gut zu sehen“, so Hartmann.

Wenig Hoffnungen macht derweil das Landratsamt Ludwigsburg auf die Realisierung der von den Trailsurfern gewünschten Verbindung zwischen den Rundrouten Oberstenfeld mit drei Trails und Beilstein mit sechs Trails. „Wir wollen eine vernünftige Strecke, die runter bis Gronau und nach Oberstenfeld führt“, erklärt Pyttlick. Mehrere Routen wurden schon besprochen. Auch in Großbottwar habe man schon Vorschläge gemacht, sei aber bisher nicht weitergekommen.

„Wir sind im Gespräch, aber haben noch nicht das Ei des Columbus“, so Dr. Michael Nill, Leiter des Fachbereichs Forsten im Landratsamt Ludwigsburg. Die von den Mountainbikern vorgeschlagene Route führe durchs FFH-Gebiet, dafür brauche es aber eine Verträglichkeitsvorprüfung. Diese muss ein Fachbüro erstellen, das kostet Geld, das der Verein nicht aufbringen kann oder will.

Die auch vom Heilbronner Landratsamt vorgeschlagene Route gefällt den Mountainbikern nicht. Die Route auf Maschinenwegen durch den Wald sei zu wenig anspruchsvoll, „aber sie ist immer noch besser als ein geschotterter Waldweg“, findet Nill. Und man würde noch einen weiteren Trail anbieten. Eine Lösung zeichne sich noch nicht ab, ein Kompromiss sei aufgrund der Vielzahl an Beteiligten nicht so einfach zu finden.

Die Gemeinde Oberstenfeld jedenfalls ist immer gesprächsbereit. „Es ist uns ein Anliegen, dass alle an einem Strang ziehen“, sagt Bürgermeister Markus Kleemann, weshalb man 2017 bereits zum runden Tisch geladen habe. Mit der Aktion verbindet er eine Appellfunktion: „Wir wollen darauf hinweisen, was legal ist und was nicht“, so Kleemann, der auch weiß, dass viel abseits der legalen Trails gefahren werde.

Autor: