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Kampfrichter mit wachsamen Augen

Seit 20 Jahren begleiten Zeitnehmer Dieter Klein und Sekretär Michael Knorpp das professionelle Handballgeschehen

Teilen ihre Begeisterung für den Handballsport: Dieter Klein (links) und Michael Knorpp. Foto: privat
Teilen ihre Begeisterung für den Handballsport: Dieter Klein (links) und Michael Knorpp. Foto: privat

Ludwigsburg. Beim schwäbischen Duell in der Handball-Bundesliga zwischen dem TVB Stuttgart und Frisch Auf Göppingen mischen am kommenden Samstag zwei Akteure aus dem Kreis Ludwigsburg an entscheidender Stelle mit: Dieter Klein aus Oberstenfeld und Michael Knorpp aus Steinheim haben als Zeitnehmer und Sekretär ein wachsames Auge auf das Geschehen in der Scharrena.

„In der Coronazeit ist es ein Privileg, Bundesligahandball live erleben zu können“, freut sich Klein auf den Einsatz. Seit 2001 sitzt der 57-jährige Bankkaufmann zusammen mit dem 55-jährigen Anlagenelektroniker Knorpp am Kampfrichtertisch. Zuvor gingen beide als Spieler bei ihren Heimatvereinen TSV Asperg und TSG Steinheim selbst auf Torjagd, waren als Schiedsrichter in höheren Ligen unterwegs. Vor 20 Jahren nutzten sie die Chance, als Zeitnehmer und Sekretär in die Bundesliga „aufzusteigen“.

Bereut haben sie es keine Sekunde. „Wir lernen die weltbesten Handballer kennen und haben mehr erlebt, als wir uns erträumen durften“, blickt Knorpp auf viele Höhepunkte zurück. Zweimal wurde das Bottwartal-Duo für Weltmeisterschaften nominiert. Nach der Frauen-WM 2017 in Bietigheim folgte die Einladung zur Männer-WM 2019 in München. „Das Duell zwischen Kroatien und Mazedonien war von den Emotionen her nicht zu toppen“, beschreibt Knorpp die Spannung, „umso wichtiger war, dass wir keine Fehler machten und das Geschehen im Griff hatten.“

In den europäischen Cupwettbewerben sind die beiden ehemaligen Rückraumspieler regelmäßig am Ball. Zu den eindrucksvollsten Momenten zählt das Finale im EHF-Cup mit dem Sieg von Frisch Auf Göppingen 2017. Da blieben Begegnungen mit Velimir Petkovic nicht aus. „Das ist ein richtiger Fuchs, der provoziert bis zum Ende“, sagt Klein schmunzelnd über den damaligen FrischAuf-Coach, der zuvor die TSG Oßweil betreute und jetzt russischer Nationaltrainer ist. „Damit ist er in guter Gesellschaft“, fügt Knorpp hinzu, „in der Bundesliga geht es zwar erfreulich fair, aber auch höchst professionell zu. Jeder ist, auch gegenüber uns, auf seinen Vorteil bedacht.“ Für Klein kommen hier die wichtigsten Tugenden seines Amtes ins Spiel: „Man benötigt absolute Regelkenntnis, muss sicher in seiner Entscheidung und vor allem stressresistent sein.“

Neben Petkovic sind auch die Begegnungen mit Bundestrainer Alfred Gislason zu dessen Zeit beim THW Kiel besonders im Gedächtnis geblieben. „Alfred ist unglaublich“, staunt Klein, „er ist in jeder Phase des Spiels körperlich voll dabei, macht praktisch jede Bewegung, jeden Wurf seiner Spieler mit.“

In der Männer-Bundesliga und bei internationalen Spielen sitzt der „Technische Delegierte“ mit am Tisch, der als Supervisor Herr über das Spiel ist. „Das hat sich absolut bewährt“, betont Knorpp. „Der Handball ist extrem schnell geworden und das Geschehen auf dem Spielfeld erfordert unsere volle Konzentration. Der Technische Delegierte hat vor allem die Bänke im Blick und hält dort die Emotionen unter Kontrolle.“

Schiedsrichter werden hin und wieder kritisiert, Zeitnehmer und Sekretäre kaum. Es gibt Ausnahmen. „Nach dem Zweitligaspiel Bietigheim gegen Willstätt wollten uns die Fans der Gäste an den Kragen“, berichtet Dieter Klein. „Zweimal mussten wir eingreifen, weil Auszeiten falsch beantragt wurden, zweimal einen Gegenstoß wegen Wechselfehlern abpfeifen. Beim Verlassen der Halle benötigten wir den Schutz der Ordner.“ Dabei war jede Entscheidung richtig. „Später wurden diese Situationen in einen Lehrfilm aufgenommen, der bei der Ausbildung der Zeitnehmer und Sekretäre Verwendung findet.“

Auf einen Wirbel wie damals können die beiden am Samstag beim schwäbischen Derby verzichten. „Wir wollen einen guten Job machen“, erklärt Michael Knorpp. Sein Teampartner Dieter Klein ergänzt: „Wenn sich nach der Partie Trainer und Spieler per Handschlag bei uns bedanken, wissen wir, dass das gelungen ist.“

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