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Mit Baldrian auf der Jagd nach Wildkatzenhaaren

BUND beginnt im oberen Bottwartal mit einem Monitoring – Marbacher Biologin erwartet, dass die scheuen Tiere bald einwandern

Wildkatze in Lauerstellung. Foto: BUND (p)
Wildkatze in Lauerstellung. Foto: BUND (p)

Marbach/Bottwartal. Früher war sie weit verbreitet, doch dann wurde sie fast bis zur Ausrottung gejagt. Ihr Lebensraum Wald wurde durch Straßen, Gewerbegebiete und Siedlungen zerschnitten und zerstört. In den vergangenen 15 Jahren ist die Wildkatze aber offenbar langsam wieder nach Baden-Württemberg zurückgekehrt. Im Juni 2020 hat eine Wildkamera bei Oberstenfeld wahrscheinlich ein Exemplar aufgenommen. Daher hat der BUND als Umweltschutzorganisation ein Wildkatzen-Monitoring mit Lockstöcken gestartet.

Kontrolle an den Lockstöcken

Um den Wildkatzen auf die Spur zu kommen, haben Aktive Mitte Januar Holzpflöcke an zwölf Orten im Bottwartal aufgestellt und mit Baldrian eingesprüht. Während der Paarungszeit von Januar bis Anfang April verlockt der Baldrian die Tiere, sich am Holz zu reiben. So hinterlassen sie ihre Haare. Zehn Naturschützer im Alter von 15 bis 65 suchen nun einmal pro Woche die Lockstöcke nach Haarproben ab und sammeln sie ein, teilt der BUND mit.

Nach Abschluss dieses sogenannten Monitorings sendet die Organisation die Proben an das Labor für Wildtiergenetik der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung. Anhand von Genanalysen stellt das Institut fest, ob es sich bei den Funden um Wildkatzenhaare handelt.

„Die Lockstöcke und die genetischen Untersuchungen helfen uns, Wildkatzen zu identifizieren. Eindeutige Nachweise wären ein enormer Erfolg für unsere Arbeit“, sagt die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender. „Denn genau an dem Ort, an dem vermutlich die Wildkatze vor die Kamera gelaufen ist, beginnt der vom Schwäbisch-Fränkischen Wald zum Stromberg verlaufende Wildkatzenkorridor, den der BUND-Kreisverband Ludwigsburg mit seinen Ehrenamtlichen seit 2017 plant und errichtet.“

Etwa zwei Monate nachdem die Proben eingegangen sind, erhält der BUND die Ergebnisse der Senckenberg-Gesellschaft, heißt es. Die Funde werden in einer bundesweiten Wildkatzenkarte eingetragen. Die Karte mit den Verbreitungsnachweisen hilft dem Umwelt- und Naturschutzverband bei der Planung und Umsetzung weiterer Wildkatzen-Schutzprojekte, wie beispielsweise bei der Pflanzung weiterer Sträucher entlang der bestehenden Wildkatzen-Korridore oder bei der Errichtung neuer Korridore.

Die scheue Wilde bekommt man nur selten zu Gesicht. Nur nachts verlässt die Wildkatze ihre Verstecke und begibt sich auf Beute- und Partnersuche. „Jetzt heißt es Daumen drücken“, so die Marbacherin Andrea Lehning, Wildkatzen-Expertin beim BUND und promovierte Biologin. „Bislang konnten im Bottwartal noch keine Wildkatzen nachgewiesen werden. Wir erwarten aber, dass sie bald einwandern, wenn das nicht bereits geschehen ist.“

Dieses Frühjahr stehen für die Aktiven erste Pflanzaktionen gemeinsam mit zwei Korridorgemeinden im Landkreis Ludwigsburg sowie mit Schulklassen an.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Wildkatze noch als wildes Raubtier und Nahrungskonkurrentin des Menschen angesehen und daher auch in Baden-Württemberg bis zur Ausrottung gejagt. Der BUND dokumentiert seit einigen Jahren, dass sich die Wildkatze langsam wieder ausbreitet.

Bundesweit werden ihre Bestände aktuell auf 6000 bis 8000 Tiere geschätzt. In Baden-Württemberg ist die Population in den vergangenen zehn Jahren von Null auf eine niedrige dreistellige Zahl angewachsen.

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