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Mobile Impfteams auf Kreis-Tournee

Knapp drei Wochen lang sind mobile Impfteams in 20 Kommunen des Landkreises Ludwigsburg unterwegs, um über 80-Jährige und weitere Berechtigte gegen das Coronavirus zu impfen. Gestern war der Auftakt für 168 Remsecker Bürger in der neuen Stadthalle.

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Während Mediziner Lothar Burkhardt impft, führt Dr. Marlene Westner ein Aufklärungsgespräch durch. Fotos: Andreas Becker
Während Mediziner Lothar Burkhardt impft, führt Dr. Marlene Westner ein Aufklärungsgespräch durch. Foto: Andreas Becker

Remseck. Konzerte, Theateraufführungen, Kabarett: Als die Remsecker Stadtverwaltung vor Jahren die neue Stadthalle im Stadtteil Neckarrems plante, verschwendete Oberbürgermeister Dirk Schönberger zu keiner Sekunde einen Gedanken daran, dass die ersten großen Veranstaltungen darin einmal der Bekämpfung einer Pandemie dienen würden. Damals war von Corona und Covid-19 auch noch keine Rede. Inzwischen werden in der Halle, die erst vor einem knappen halben Jahr eingeweiht wurde, Bürger an drei Tagen in der Woche getestet; gestern fanden sich gar die mobilen Impfteams ein. OB Schönberger freute sich, dass dort Spritzen statt Taktstöcke geschwungen wurden. Schließlich schaffte es seine Verwaltung als erste im Kreis, die Infrastruktur für ein sogenanntes Pop-up-Impfzentrum bereitzustellen.

Aktionen in 19 weiteren Kommunen

In Remseck wurden gestern Vakzine von mobilen Impfteams verabreicht, die zuvor in Alten- und Pflegeeinrichtungen unterwegs waren. 19 Städte und Gemeinden werden in den nächsten Wochen folgen. Dabei geht es Schlag auf Schlag, wie Landrat Dietmar Allgaier betonte. Am heutigen Freitag geht es nach Pleidelsheim, am Samstag nach Großbottwar und am Sonntag nach Bietigheim-Bissingen. „Das ist für die Kommunen ein großer Aufwand“, sagte Allgaier. Doch damit kann den mobilitätseingeschränkten Senioren der weite Weg ins Kreisimpfzentrum erspart werden.

Ende Januar hat die Remsecker Stadtverwaltung alle Bürger über 80 Jahre angeschrieben und ihre Unterstützung bei der Vergabe eines Impftermins angeboten. „660 Menschen haben sich gemeldet“, sagt der OB. Der Großteil davon wurde entweder im Kreisimpfzentrum oder im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart geimpft. Wo ein Transport notwendig war, half das örtliche DRK aus. Auch der Mobibus wurde für die Fahrten zu den Impfzentren eingesetzt – so auch gestern innerhalb der Stadt, wo Senioren, die nicht gehfähig waren, abgeholt und wieder nach Hause gebracht wurden.

Die gestern 168 verabreichten Impfdosen des Herstellers Biontech wurden von der Landesreserve in Stuttgart zur Verfügung gestellt. Im Einsatz waren Impfteams des Kreisimpfzentrums und des Robert-Bosch-Krankenhauses mit insgesamt drei Ärzten und weiterem medizinisch geschultem Personal. Auch rund 25 Mitarbeiter der Stadtverwaltung halfen mit bei der Organisation.

Zweiter Impftermin am 29. April

Geimpft wurde von 9.30 bis 16 Uhr im Fünf-Minuten-Takt. Gleich am Eingang wurden das Fieber gemessen und der Name samt Uhrzeit abgeglichen. Es folgte die Registrierung, bei der Fragen zum Gesundheitszustand beantwortet werden mussten. Nachdem sie einen Kurzfilm über Corona angesehen hatten, folgte für die Impflinge ein Aufklärungsgespräch beim Arzt, und schon bekamen sie das Vakzin verabreicht. Nach einer 15-minütigen Ruhezeit ging es zum Check-out. Hier bekamen die Senioren gleich den zweiten Impftermin am 29. April zur gleichen Uhrzeit genannt.

Auch Jürgen Eichinger aus dem Stadtteil Hochdorf hat sich gestern 0,3 Milliliter Impfstoff in den Oberarm spritzen lassen. Der Mann, der viele Jahre für die CDU im Gemeinderat saß, hat sich von seiner Frau Irmgard zum Termin begleiten lassen. Mit seinen 77 Jahren hat er zwar die Altersgrenze noch nicht erreicht. Doch aufgrund seiner chronischen Erkrankungen – insbesondere die Lunge bereitet ihm Schwierigkeiten – gehört er zur Hochrisikogruppe. Deshalb hat sich Irmgard Eichinger bei der Verwaltung gemeldet und um Unterstützung bei der Anmeldung ihres Gatten für einen Termin gebeten. „Das ist schon etwas befreiend“, sagte Jürgen Eichinger, als er die Impfdosis im Arm hatte. Er lobte die Aktion und freute sich darüber, dass er sich seine Dosis vor Ort verabreichen lassen konnte, ohne einen weiten Fahrtweg in Kauf nehmen zu müssen. „Damit zeigt die Verwaltung, dass sie Bürgernähe praktiziert“, lobte er. Freude am Ende auch bei OB Dirk Schönberger: „Nachdem die Impfteams in den Senioren- und Pflegeheimen fertig sind, sind somit alle über 80-jährigen Remsecker mit Bedarf durchgeimpft.“

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