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Nur Tropfen auf den heißen Boden

Kaum ist die eine Hitzewelle vorüber, steht schon die nächste bevor. Das sorgt die Bauern und Kommunen, aber auch Naturschützer – zumindest Letztere aber haben eine Idee, um der Natur zu helfen.

Vielerorts sind die Böden knochentrocken. Doch die Landwirtschaft hat kaum Möglichkeiten, da nachzuhelfen.Foto: Holm Wolschendorf
Vielerorts sind die Böden knochentrocken. Doch die Landwirtschaft hat kaum Möglichkeiten, da nachzuhelfen. Foto: Holm Wolschendorf
Das Plakat der Marbacher BUND-Kampagne, entworfen von Kai Steinsträßer.Foto: privat
Das Plakat der Marbacher BUND-Kampagne, entworfen von Kai Steinsträßer. Foto: privat

Kreis Ludwigsburg. Am Sonntagvormittag gerät ein zirka 100 Quadratmeter großes Stück Wiese in Münchingen in Brand, die Feuerwehr muss löschen und das umliegende, ausgetrocknete Gras prophylaktisch wässern. Etwa zur gleichen Zeit sind in Marbach Ehrenamtliche des BUND unterwegs, um an einigen Bäumen Schilder aufzuhängen mit der Bitte „Gieß mich!“. Auf Wasser von noch weiter oben hoffen zu diesem Zeitpunkt auch Bauern im Kreis – die anderntags vielerorts enttäuscht sein dürften. Denn so sehr sich mancher Daheim-Urlauber über die Temperaturen freut, so sehr belasten sie andererseits die Natur.

Und da ist auch der Regen, der am Montagmittag gefallen ist, nicht viel mehr als die sprichwörtlichen Tropfen auf den heißen Boden. Zumindest für Eberhard Zucker, Chef des Kreisbauernverbands und Landwirt aus Vaihingen, wo es auch am Montagmittag mal wieder nicht geregnet hat. Er sieht deshalb schwarz für die kommenden Ernten. „Wenn es heute nicht regnet, dann kommt wohl auch in den nächsten 14 Tagen nichts. Dann wird es schwierig.“ Das betreffe vor allem die eher schwereren Ton- und Keuperböden und diejenigen, die Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und weitere Obstsorten angebaut haben oder Weinbau betreiben. Und schon im Frühjahr hätte die Landwirtschaft unter der Trockenheit relativ stark gelitten, allerdings gebe es regionale Unterschiede, im Bottwartal habe es häufiger geregnet als rund um Vaihingen. Immerhin: Dort wo es gute Böden, etwa Löss, gebe, hätten diese zumindest von den Regenfällen im Juni profitiert, weshalb er zum jetzigen Zeitpunkt nur eine insgesamt „leicht unterdurchschnittliche“ Erntesaison erwartet.

Bauhöfe im Gießeinsatz...

Überdurchschnittlich ist dagegen der Einsatz der kommunalen Bauhöfe, die in manchen Regionen verstärkt ausrücken, um ihre Grünanlagen zu bewässern. Etwa in Hemmingen. Mit stolzen 500000 Litern seien bislang die Mammutbäume im Schlosspark und am Rohrsperg gegossen worden, in dem Wäldchen an der Grenze zu Heimerdingen sei der Bauhof einmal einen ganzen Tag beschäftigt gewesen, so Bürgermeister Thomas Schäfer – der auch sagt, dass man nicht alles schaffen könne.

In Ludwigsburg gilt der Einsatz vor allem den Jungbäumen, die zwischen März und Oktober alle drei bis vier Wochen gegossen werden, auf dem Goetheplatz bereits einmal zusätzlich. Im vergangenen Jahr benötigte die Stadt dafür rund 4000 Kubikmeter, 2020 könnte der Wert ähnlich sein – denn oft sei bereits liegendes Laub von Altbäumen, wie etwa an der Bärenwiese, nicht durch fehlendes Wasser bedingt, sondern durch die Hitzeabstrahlungen der befestigten Flächen und Gebäude, heißt es aus dem Rathaus.

...auch Ehrenamtliche sollen wässern

Doch nicht nur die Kommunen, auch Bürger sind derzeit im Einsatz, um dem städtischen Grün zu helfen. Der BUND Marbach-Bottwartal etwa hat zum Monatsbeginn die „Gieß mich!“-Kampagne gestartet. Denn nach zwei trockenheißen Sommern seien viele Bäume, die für den Menschen und die Tierwelt so viel Gutes tun, gefährdet, sowohl durch die Witterung als auch durch Schädlinge wie Pilze, die leichtes Spiel hätten, heißt es. Anwohner in Marbach und Erdmannhausen, die vor ihrem Haus einen der etwa zehn Bäume mit dem entsprechenden Schild stehen haben, sind deshalb aufgerufen, „ihrem“ Baum ein paar Gießkannen Wasser zu spenden. Die Idee hatte der Bundesverband aufgebracht, so die Ortsvorsitzende Andrea Lehning. Sie soll nicht nur die Bürger aktiv werden lassen, sondern auch „sensibilisieren und das Bewusstsein schärfen, dass unsere Bäume in Not sind“. Der Bauhof allein schaffe das nicht – sagt auch Bürgermeister Jan Trost, der sich freute, als die Naturschützer auf ihn zugekommen seien. Trotz des Hilfeangebots sei man aber nicht aus der Verantwortung, seine Mitarbeiter werden auf die beschilderten Bäume ein Auge haben, ob die Aktion auch funktioniere, verspricht er.

Und für die empfiehlt der BUND wöchentlich etwa zehn Liter, das sei besser als eine tägliche kleinere Wassermenge, die nicht einmal bis an die Wurzeln vordringt. Alternativ könne man einen Wasserschlauch in den Wurzelbereich legen, oder das kühle Nass sofern vorhanden über ein Drainagerohr einfließen lassen. Denn, so der BUND: „Ein Zuviel an Wasser für unsere Bäume gibt es nicht.“

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