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Probealarm läuft nicht sauber

Der Ernstfall wurde gestern mit Sirenen, Lautsprecherdurchsagen, und Meldungen per App über das Handy geprobt. Doch die Benachrichtigungen kamen teils verspätet oder gar nicht.

Kreis Ludwigsburg. „Die Sirene ist zu leise“, schreibt ein Hemminger in einer örtlichen Facebook-Gruppe. Auf der Facebookseite unserer Zeitung mutmaßt eine Nutzerin aus Kornwestheim, dass die Sirenen wohl auf Vibrationsalarm gestellt seien. Eine Nutzerin aus Ludwigsburg berichtet, dass ihre Kinder und sie schon auf den Alarm gewartet hätten, aber nichts kam.

Beim ersten bundesweiten Sirenenwarntag sollten für den Ernstfall alle Katastrophenwarnsysteme getestet werden. So wurde der Alarm unter anderem über Warn-Apps wie die Notfallinformations- und Nachrichten-App, kurz Nina genannt, aber auch mit Sirenengeheul geprobt. Doch gab es gerade mit der App Probleme. Das bestätigt auch das Landratsamt Ludwigsburg (LRA). Die Meldungen seien teils gar nicht oder nur verspätet gekommen. Der Grund: Entgegen der Vorgabe des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hatten auch zahlreiche Gemeinden zeitgleich Warnmeldungen geschaltet. Das habe das System überlastet. Nach eigenen Angaben hat sich die Ludwigsburger Behörde an die Vorgabe gehalten. Das LRA zieht trotz aller Pannen eine positive Bilanz. Gerade dass Warnung und Information der Bevölkerung in den öffentlichen Fokus gerückt sei, werde helfen, die Systeme zu verbessern.

Im öffentlichen Fokus war das Thema allemal, wie die Reaktionen in den sozialen Medien zeigen. Der Bürgermeister von Hemmingen, Thomas Schäfer, hat nach eigenen Angaben selbst den Probealarm kontrolliert. Seiner Meinung nach sind die Leute das Sirenenheulen nicht mehr gewohnt. Einige hätten sich wohl auch mehr erwartet – etwa, dass der Ton 20 Minuten anhalte.

In Großbottwar hat laut der Stadtverwaltung alles reibungslos funktioniert. Sowohl die Sirene als auch Nina hätten pünktlich Warnung und Entwarnung gegeben. Wie auch in anderen Kommunen sollen im Ernstfall die Bürger zusätzlich noch via Lautsprecherdurchsagen gewarnt werden. In Zukunft wolle man zudem über den Messengerdienst Ginlo Warnungen herausgeben. Es existiere bereits ein Kanal für Großbottwar, auf dem aktuell unter anderem Meldungen zur Coronapandemie verbreitet werden.

Auch in Asperg haben die Sirenen anstandslos geheult. Einzig die Warnung und Entwarnung via Nina seien mit Verzögerung gekommen. Im Ernstfall will die Stadtverwaltung die Bürger zusätzlich über ihre Internet- und die Facebook-Seite informieren.

Doch gibt es im Landkreis auch einige Kommunen, die keine Sirenen mehr besitzen, darunter beispielsweise Ludwigsburg. Ersatzweise wurden hier in der unteren Stadt Lautsprecherdurchsagen gemacht, berichtet Feuerwehrkommandant Ben Bockemühl. „Wir haben heute durchgesagt, dass dies ein Test ist und keine Gefahr besteht.“ Bereits zu Beginn der Coronapandemie waren die Lautsprecherwagen zum Einsatz gekommen, um die Bürger auf die Hygienevorschriften aufmerksam zu machen. „Dabei konnten wir schon Erfahrungen sammeln, wie groß die einzelnen Sektoren in der Stadt sein müssen, die von einem Fahrzeug abgedeckt werden können“, so Bockemühl.

Trotz der örtlichen Probleme mit Nina empfiehlt er der Bevölkerung, sich die App herunterzuladen: „Wir geben über unsere Leitstelle die Meldungen an das Warnsystem des Bundes. Dieses verschickt dann die Warnung an die Warn-Apps wie Nina und die Medien.“ Auch in Ludwigsburg hatten die Benachrichtigungen über Nina nicht funktioniert. So schrieb die Ludwigsburger Polizei über den Kurznachrichtendienst Twitter, dass in der Stadt die App keine Warnmeldung, aber eine Entwarnung abgegeben habe. Twitter habe aber zum Glück noch funktioniert.

Auch in Remseck blieb das Heulen aus. Im Ernstfall informiert die Stadtverwaltung auch hier über Lautsprecherdurchsagen, ihre eigene Homepage und soziale Medien sowie Nina. Zusätzlich gebe man Informationen über die stadteigene Remseck-App heraus.

Info: Video vom Probealarm auf https://www.youtube.com/watch?v=nCtT6BjrZcE

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