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Stadt macht Vereinen Sonderangebot

Am Anfang war es Eigeninteresse, inzwischen haben die Großbottwarer Sozialdemokraten aus der Corona-Not eine Tugend gemacht, von der nun auch andere Parteien und Vereine profitieren.

Großbottwar. In Großbottwar können örtliche Vereine und Parteien in diesem Jahr zwischen August und Ende Dezember für ihre Jahreshauptversammlungen städtische Räume mieten und bekommen dafür einen Preisnachlass von 75 Prozent. Dieser Beschluss geht auf einen Antrag der SPD-Fraktion im Gemeinderat zurück, den die Stadt aufgegriffen hat.

Am Anfang stand die Suche der Großbottwarer SPD nach einem Raum für die eigene Jahreshauptversammlung, die im März wegen der Coronapandemie abgesagt worden war. „Aber wir müssen Delegierte wählen“, sagt Stadträtin Angelika Maier im Gespräch mit unserer Zeitung, „und wir haben verzweifelt nach einem Raum für 15 bis 20 Leute gesucht.“

Die Lokale, in denen sie anfragte, winkten ab, häufig waren die Nebenzimmer einfach nicht groß genug, um den erforderlichen Abstand einhalten zu können.

Die Großbottwarer Sozialdemokraten wichen schließlich in die ehemalige Schule von Hof und Lembach aus, brachten Getränke und Desinfektionsmittel selbst mit und legten die Anwesenheitsliste schließlich beim Rathaus vor, um im Fall einer Infektion, Kontakte nachverfolgen zu können.

„Aber es gibt ja auch große Vereine in der Stadt“, überlegte Angelika Maier, „was machen die? Und eine Jahreshauptversammlung muss man schließlich abhalten.“ So kam die Idee zustande, die Stadt möge die örtlichen Vereine unterstützen, indem sie für die Jahreshauptversammlung große städtische Räume kostenlos zur Verfügung stellt und die Vereine darüber per Rundschreiben informiert.

Die Verwaltung griff den Antrag der SPD-Fraktion im Gemeinderat auf und macht ihn sich zu eigen – bis auf die Frage der Kosten. „Eine kostenfreie zur Verfügungstellung, wie es von der SPD-Fraktion beantragt wurde, würde zu nachteiligen Auswirkungen der Vorsteuerquote führen“, hieß es bei der Stadt. Statt dessen schlug die Stadt vor, örtlichen Vereinen eine Ermäßigung von 75 Prozent der Kosten zu gewähren – eine „faire und zielführende Zwischenlösung“, findet die Stadtverwaltung und der Gemeinderat sah das genauso.

Das Angebot bezieht sich auf die Burgermühle, die Schulmensa, die Keltern in Winzerhausen und in Hof und Lembach sowie auf die Aula im Schulzentrum.

Für die neue Harzberghalle hatte der Gemeinderat ohnehin schon eine Ausnahmeregelung beschlossen: Örtliche Vereine erhalten einmal im Jahr am ersten Nutzungstag einen 75-Prozent-Nachlass. In diesem Jahr hat das allerdings noch kein Verein genutzt; sogar die offizielle Einweihung der neuen Stadthalle war Corona zum Opfer gefallen.

Wie sich diese Regelung finanziell für die Stadt auswirkt, ist noch nicht abzusehen, da sich erst zeigen wird, wie viele Vereine das Angebot in Anspruch nehmen werden.

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