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Verstärkung für die Hospizarbeit

Während Menschen früher häufig zu Hause im Kreis der Familie starben, verbringen nun viele ihre letzten Lebenstage in Krankenhäusern, Alten- oder Pflegeheimen. Doch die Coronapandemie hat den Tod wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. In dieser schwierigen Zeit nimmt die Ökumenische Hospizgruppe Oberes Bottwartal demnächst ihre Arbeit auf.

Eine sogenannte gestaltete Mitte – eine Form der Auseinandersetzung mit den Einheiten im Kurs. Foto: privat
Eine sogenannte gestaltete Mitte – eine Form der Auseinandersetzung mit den Einheiten im Kurs. Foto: privat

Großbottwar. Die Morgensonne scheint ins Bottwartal und sorgt für Frühlingsstimmung, doch Holger Hessenauer, Diakon der Evangelischen Kirchengemeinde Großbottwar, wird sich an diesem Tag mit einem ernsten Thema beschäftigen – dem Sterben. Genauer gesagt der Begleitung sterbender Menschen mit Demenz. Das ist Teil seiner Weiterbildung in Palliative Care, zu Deutsch Palliativversorgung. Damit qualifiziert er sich dafür, im April die Leitung der neuen Ökumenischen Hospizgruppe Oberes Bottwartal zu übernehmen.

Der englische Titel der Weiterbildung erinnert daran, dass die Hospizbewegung einst von Großbritannien ausging. Als sie in den 1990er Jahren nach Deutschland kam, entstand laut Holger Hessenauer auch in Großbottwar eine Hospizgruppe. „Die Mitglieder werden aber nach und nach alt und hören auf“, beschreibt er im Telefongespräch die Situation vieler solcher Initiativen. Um das zu ändern, habe man 2019 zusammen mit der Ökumenischen Hospizinitiative im Landkreis Ludwigsburg, die bislang Unterstützung leistete, erste Überlegungen angestellt.

„Zum Glück haben wir relativ viele Mitstreiter gefunden“, freut sich der Diakon. Im Sommer vergangenen Jahres erfolgte die Gründung der Ökumenischen Hospizgruppe Oberes Bottwartal durch die Evangelischen Kirchengemeinden Beilstein-Billensbach, Gronau, Großbottwar, Höpfigheim, Kleinbottwar und Oberstenfeld, die Katholische Kirchengemeinde St. Pius X. in Großbottwar, die Evangelisch-Methodistische Kirchengemeinde Beilstein, die Kommunen Beilstein, Großbottwar und Oberstenfeld sowie den Krankenpflegeförderverein Oberstenfeld. Die Trägerschaft hat die Evangelische Kirchengemeinde Großbottwar übernommen.

Als Nächstes galt es, ehrenamtliche Sterbebegleiter zu gewinnen. Dass zu einem ersten Informationsabend im Herbst 40 Interessierte kamen, hat Holger Hessenauer überrascht. Für den Qualifizierungskurs haben die Leiter Sabine Horn von der kreisweiten Ökumenischen Hospizinitiative und Pfarrer Friedhelm Nachtigal von der Evangelischen Kirchengemeinde Höpfigheim 13 Teilnehmer ausgewählt – zwölf Frauen und einen Mann. Sie kommen aus Beilstein, Gronau, Großbottwar, Mundelsheim, Oberstenfeld, Prevorst und Winzerhausen. Es sollen kontinuierlich weitere Ehrenamtliche dazukommen.

„Man geht mit sehr verwundbaren Menschen um“, erklärt Holger Hessenauer, warum sie die Sterbebegleitung in 100 Unterrichtseinheiten erlernen mussten. Auch für die Ehrenamtlichen selbst könne die Tätigkeit eine Belastung sein. Neben den Grundsätzen der Hospizbewegung waren daher auch die eigene Biografie und mögliche Kraftquellen ein Thema. Eigentlich sei auch ein Pflegepraktikum verpflichtender Bestandteil der Qualifizierung, das diesmal jedoch erlassen wurde, da es in der Coronazeit einfach nicht umsetzbar gewesen sei.

Die Hospizbewegung betrachtet das Leben laut dem Diakon vom Beginn bis zum Tod als etwas Ganzes. Es gehe darum, gegen Ende die größtmögliche Autonomie zu wahren und Schmerzen zu lindern. Wegen ihrer lebensbejahenden Grundidee sei die Hospizarbeit etwa mit der Tötung auf Verlangen oder der Beihilfe zur Selbsttötung, die in der Gesellschaft derzeit diskutiert werden, nicht vereinbar. Mit den neuen Kenntnissen können die Ehrenamtlichen nun grundsätzlich sowohl in ambulanten Hospizgruppen als auch in stationären Hospizen Sterbende und auch deren Angehörige begleiten, wobei die Arbeit der Ökumenischen Hospizgruppe auf den ersten Bereich abzielt.

Das Unterstützungsangebot ist für die Begleiteten kostenfrei und finanziert sich über Spenden, unter anderem von der LKZ-Aktion Helferherz. Es steht allen Menschen mit lebensbeendender Erkrankung im oberen Bottwartal offen, das sich von Prevorst und Beilstein bis nach Höpfigheim und Kleinbottwar erstreckt. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie einer Religion angehören, und welcher. „Die Begleitung erfolgt prinzipiell weltanschaulich neutral. Die Begleiterinnen und Begleiter können spirituelle beziehungsweise religiöse Angebote machen, wenn dies gewünscht wird, aber dies liegt in der freien Entscheidung der Begleiteten“, betont der Diakon.

Er wird die Einsätze koordinieren und bei Interessierten einen Erstbesuch machen. Dabei wird er auch erklären, um was sich die Hospizgruppe nicht kümmert. So übernehmen die Ehrenamtlichen keine pflegerischen und hauswirtschaftlichen Aufgaben, da es dafür bereits andere Anbieter gibt. Vielmehr wollen sie jede Woche ein paar Stunden mit den Menschen verbringen, Gespräche führen, sofern möglich mit ihnen spazieren gehen oder auch mal etwas vorlesen. Holger Hessenauer betont auch, dass sie kein Notfalldienst sind, sondern eine regelmäßige Begleitung anstreben. „Derjenige, der begleitet wird, muss das natürlich auch wollen.“ Auch das gelte es zu klären.

Am Sonntag werden die Ehrenamtlichen bei einem Gottesdienst mit Gebet und Segen offiziell eingesetzt. Wegen der Coronalage werde man das Ganze jedoch kurz halten, so Holger Hessenauer. Ihre Arbeit nimmt die Gruppe Ende April auf. Zwar könne man sich im Prinzip schon jetzt um erste Fälle kümmern, es gebe aber noch einiges zu organisieren. Kooperationen mit Alten- und Pflegeheimen sollen vereinbart, Fragen rund um Corona müssen geklärt werden – etwa wo die Ehrenamtlichen vor den Einsätzen getestet werden und ab wann sie sich priorisiert impfen lassen können.

Info: Der Beauftragungsgottesdienst findet an diesem Sonntag, 28. März, um 11.15 Uhr in der Martinskirche in Großbottwar statt. Weitere Informationen und Kontakt zur Hospizgruppe unter www.hospiz-oberes-bottwartal.de. Näheres zur Hospizinitiative im Landkreis gibt es unter www.hospizinitiative-lb.hospiz-bw.de.

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