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Kult-Event

66 Flaschen Rum heizen so richtig ein

Zum 20. Jubiläum der Steinheimer Feuerzangenbowle gibt es eigens kreierte Tassen und Hefezopf für alle – Organisationstrio hört auf

120 Zuckerhüte werden mit 66 Flaschen Rum von Zeremonienmeister Hans-Christoph Lenk angezündet.Fotos: Holm Wolschendorf
120 Zuckerhüte werden mit 66 Flaschen Rum von Zeremonienmeister Hans-Christoph Lenk angezündet. Foto: Holm Wolschendorf
Fürs 20-Jährige gibt es eigens kreierte Tassen.
Fürs 20-Jährige gibt es eigens kreierte Tassen.
Und außerdem wird Hefezopf für alle serviert.
Und außerdem wird Hefezopf für alle serviert.

Steinheim. In rotes Scheinwerferlicht getaucht steht auf einem Podest hinter einer Theke ein riesiger Metallbottich, einem Hexenkessel gleich, bereit. Rund herum springt Hans-Christoph Lenk, der Zeremonienmeister der Steinheimer Feuerzangenbowle, wobei Zaubermeister angesichts des Ambientes wohl die treffendere Bezeichnung wäre. Flaschenweise schüttet er Rum in einen großen Eimer. Auf eine genaue Menge will er sich nicht festlegen. Nur so viel verrät er zur Rezeptur: „Ich habe 66 Flaschen. Aber je nachdem, wie es brennt, kommt mehr oder weniger davon hinein“, sagt er mit geheimnisvollem Grinsen. Schließlich diene der Rum vor allem dazu, die 120 Zuckerhüte, die über dem mit einem Gemisch aus 300 Litern Rotwein und 90 Litern Orangensaft gefüllten Kessel entzündet werden, zu karamellisieren, so dass sie als süßer Saft hineintropfen.

Während Musiker der Stadtkapelle Steinheim Weihnachtslieder spielen und Lenk die letzten Vorbereitungen für den großen Moment trifft, wenn die Bowle von Gasflammen angeheizt zu köcheln beginnt und eine bläuliche Flamme um die mit Rum getränkten Zuckerhüte lodert, scharen sich immer mehr Besucher um seinen Kessel. Alle Jahre wieder wiederholt sich dieses Zeremoniell am letzten Samstag vor Heiligabend. Jetzt zum 20. Mal – was durch die Leuchtschrift am Rathaus und den mehr als deutlichen Hinweis auf der Kinoleinwand, die für die spätere traditionelle Vorführung des Filmklassikers „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann aufgebaut ist, wohl auch keinem der Besucher entgehen dürfte. Doch hat sich das Organisationstrio – Sabine Meichelbeck, Norbert Gundelsweiler und Martin Daunquart – noch viel mehr für den runden Geburtstag der Veranstaltung einfallen lassen –allerdings kein Feuerwerk wie zum Zehnjährigen. Man sei schließlich modern mit Blick auf das Thema Klimaschutz, erklärt dazu Gundelsweiler: „Deswegen haben wir darauf verzichtet.“ Stattdessen wird die Bowle später in eigens zum 20-Jährigen gestalteten Tassen ausgeschenkt und als Überraschung für die Besucher servieren die Steinheimer Gemeinderäte, die nachher auch beim Ausschank helfen, kostenlos Hefezopf für alle.

Neben den Gemeinderäten gehörten zum Feuerzangenbowlen-Team indes noch viele mehr, zählt Gundelsweiler auf: Der städtische Bauhof für den Auf- und Abbau, die örtliche Feuerwehr für den Brandschutz, die Steinheimer Einzelhändler, die sich an der Tombola beteiligten, und nicht zuletzt die Anwohner, die die Belastungen durch die Veranstaltung aushalten müssten. Sie alle würden zum Gelingen beitragen.

Und wie hat sich die Steinheimer Feuerzangenbowle in den vergangenen zwei Jahrzehnten entwickelt? Klein habe sie begonnen, erinnert sich Gundelsweiler. Die Idee habe der damalige Steinheimer Pfarrer Eckard Schlatter aus seiner Zeit in Tübingen mitgebracht. Dort hatte Lenk, der einen Betrieb für Veranstaltungstechnik in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) hat, erstmals 1992 Feuerzangenbowle zum gleichnamigen Filmklassiker zubereitet. In Steinheim ist sein Einfall zur Tradition geworden, „dem Kultevent im Bottwartal“, wie es Gundelsweiler bezeichnet. „Wir hatten schon bis zu 15 Grad minus, wir hatten Dauerregen. Doch egal wie das Wetter war, die Leute strömten.“ Und so solle es weitergehen – allerdings mit einem neuen Organisationsteam. Denn das bisherige Trio tritt nach 20 Jahren ab. Dass sich neue Köpfe für die Aufgabe finden, ist sich Gundelsweiler sicher: „So eine Veranstaltung tritt man nicht in die Tonne.“

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