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Corona

Ab Montag kann geimpft werden

Pflegeheime im Kreis bereiten sich auf die erste Runde vor – Angehörige und Betreuer werden derzeit informiert

Pflegeheimbewohner und Pflegepersonal können sich als erste impfen lassen. Dafür kommen Mobile Impfteams ins Haus.Foto: Ted S. Warren/dpa
Pflegeheimbewohner und Pflegepersonal können sich als erste impfen lassen. Dafür kommen Mobile Impfteams ins Haus. Foto: Ted S. Warren/dpa

Kreis Ludwigsburg. In den Pflegeheimen des Landkreises dürfte derzeit von besinnlicher Weihnachtsruhe kaum etwas zu spüren sein, im Gegenteil: Personal und Betreiber bereiten sich auf eine organisatorische und logistische Mammutaufgabe vor: Gleich nach Weihnachten, am Montag, 27. Dezember, sollen die Impfungen gegen Sars-Cov-2 beginnen.

Zur Gruppe mit höchster Priorität, die zuerst geimpft werden sollen, gehören laut Impfverordnung Menschen über 80 Jahren, Pflegebedürftige sowie diejenigen, die sie stationär und ambulant pflegen und betreuen.

Nein, in den 26 Kleeblatt-Pflegeheimen im Landkreis gehe es gerade nicht beschaulich zu, sagt Geschäftsführer Stefan Ebert, „es ist einfach der Wahnsinn, das logistisch hinzubekommen“. Denn vor dem Pieks in den Oberarm steht die Aufklärung und das Einverständnis der Pflegeheimbewohner. Vom Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart, das auch für den Kreis Ludwigsburg die Mobilen Impfteams (MIT) organisiert, habe er am vergangenen Freitagnachmittag erste detaillierte Informationen bekommen, am Montag dann weiteres überarbeitetes Material. Dann mussten die Betreuer und Bevollmächtigten der Bewohner angeschrieben und informiert werden.

„Die deutliche Mehrheit unserer Bewohner stehen unter Betreuung oder haben einen Bevollmächtigten“, sagt Ebert im Gespräch mit unserer Zeitung, „die müssen schriftlich informiert werden und der Impfung zustimmen.“ Ohne diese Zustimmung kann nicht geimpft werden, wer nicht selbst in der Lage ist, seine Einwilligung zu geben.

Praktisch sieht das weitere Vorgehen so aus, dass ab kommenden Montag Mobile Impfteams in die einzelnen Kleeblatt-Heime kommen. Vor dem Impfen findet ein Aufklärungsgespräch statt, es wird gefragt, ob die Impfwilligen unter Allergien leiden oder auf eine vorherige Impfung – gegen Grippe zum Beispiel – ungewöhnlich reagiert haben. Diese Vorgespräche finden in einem eigenen, geschlossenen Raum statt; geimpft wird dann in einem zweiten Raum. „Wir holen die Bewohner in ihren Zimmern ab, bringen sie hin und bleiben nach der Impfung noch eine halbe Stunde bei ihnen“, schildert Stefan Ebert das geplante Vorgehen. Welches Pflegeheim als erstes drankommt, stand am Dienstagabend noch nicht fest, aber die Mobilen Impfteams arbeiten sieben Tage die Woche, auch an Silvester und Neujahr.

Auch andere Träger von Pflegeheimen bereiten sich auf die Impfkampagne vor. Die Evangelische Heimstiftung, die im Landkreis elf Pflegeheime an neun Standorten unterhält, hat laut ihrer Pressesprecherin Alexandra Heizereder bereits vor Wochen angefangen, sich vorzubereiten, habe sogar eine eigene Infokampagne gestartet, um die Impfbereitschaft zu erhöhen. Was das Personal angeht, so gehe sie davon aus, „dass sich die Mitarbeiter ihrer Verantwortung bewusst sind und die meisten sich impfen lassen“. Auch in den Pflegeheimen der Evangelischen Heimstiftung sollen die Mobilen Impfteams der Robert-Bosch-Klinik ab der kommenden Woche vorfahren.

Auch im Hans-Klenk-Haus in Ludwigsburg, dessen Träger die Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist, geht man davon aus, dass Bewohner und Personal ab nächster Woche geimpft werden können. Die Angehörigen, Betreuer und Bevollmächtigten der Bewohner seien schriftlich informiert worden. „Jetzt kommen ganz fleißig die Antworten zurück“, sagt Heimleiter Knut Happe. Es zeichne sich die Tendenz ab, dass sich ein großer Teil der 90 Bewohner – Durchschnittsalter zwischen 83 und 86 Jahre – impfen lassen wolle, so Happe.

„Wir sind voll in der Vorbereitung und erwartungsfroh!“, sagt Hartmut Braun, der Vorsitzende der Karl-Schaude-Stiftung, die in Winzerhausen ein Pflegeheim für psychisch kranke alte Menschen betreibt, das Haus am Wunnenstein. „Wir haben noch keinen Termin, aber wir haben signalisiert, dass wir so schnell wie möglich drankommen wollen“, sagt Braun. Da viele Bewohner unter Betreuung stehen, könne man noch nicht sagen, wie groß die Bereitschaft sei, sich impfen zu lassen.

Als „heißes Eisen“ gilt bei den Kleeblatt-Heimen die Tatsache, dass die Bewohner des Betreuten Wohnens nicht für die erste Impfrunde vorgesehen sind. „Dabei handelt es sich auch um eine vulnerable Personengruppe“, sagt Geschäftsführer Stefan Ebert, „die sind auch über 80 und haben Angst. Man hätte sie gleich mit impfen können.“ Er habe sich deshalb ans Sozialministerium gewandt – vergeblich.

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