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Nachwuchsmangel

Bäcker finden oft keinen Nachfolger

Laut Innung hören drei bis vier Prozent der Betriebe pro Jahr auf – Bäckerei Weigle sucht nach einer Lösung

Zum 31. März wollen die Inhaber der Bäckerei Weigle in Ruhestand gehen. Das sei aber „nicht das Ende“ heißt es. Foto: Holm Wolschendorf
Zum 31. März wollen die Inhaber der Bäckerei Weigle in Ruhestand gehen. Das sei aber „nicht das Ende“ heißt es. Foto: Holm Wolschendorf

Großbottwar. Wenn – wieder einmal – in einer Innenstadt ein Laden zumacht, ist das Erschrecken der Kundschaft groß. Rezepte, wie das Ladensterben und damit das Veröden der Innenstädte beendet werden könnten, werden allerorten gesucht. Aber manchmal hilft auch kein Innenstadtbelebungskonzept. Dann nämlich nicht, wenn ein Handwerksbetrieb einfach keinen direkten Nachfolger findet – so wie derzeit die Bäckerei Weigle in Großbottwar.

Kurt Weigle, Bäckermeister in zehnter Generation, und seine Frau – beide über 60 Jahre alt – wollen aufhören; die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich als schwierig. Eine Tatsache, die Frank Sauter, Geschäftsführer der Bäckerinnung Region Stuttgart Nord, nicht sonderlich überrascht. „Jedes Jahr hören drei bis vier Prozent der Bäckereien auf“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung, „und das ist ein Trend, der seit vielen Jahren anhält.“

Was auf den ersten Blick verblüfft: Die Zahl der Beschäftigten und der Umsatz bleiben dennoch auf dem gleichen Niveau, auch an der Zahl der Verkaufsstellen ändert sich nichts. Sauter führt das auf eine Strukturveränderung zurück. Bei jeden Discounter, in jeder Tankstelle kann man Brötchen kaufen. Gerade kleinere Betriebe kommen dadurch unter Druck. „Aber mit jeder Bäckerei, die schließt, geht ein Stück Kultur verloren“, sagt Frank Sauter.

Ein Nachfolgeproblem sieht er vor allem bei kleineren Betrieben und nennt dafür Gründe: Zum einen sind die Ausbildungszahlen in den vergangenen Jahren deutlich gesunken – es wollen weniger junge Leute Bäcker werden, die Arbeitszeiten sind unattraktiv. Zum anderen geht ein junger Mensch, der einen Betrieb übernimmt, ein finanzielles Risiko ein: Man zahlt Pacht, muss investieren, neue Geräte anschaffen – „das sind relativ hohe Kosten, die da auf einen zukommen“, sagt Frank Sauter von der Bäckerinnung.

Das Problem der Investitionen sieht auch Innungsobermeister Volker Kleinle: „Sie müssen erstmal eine Bank finden, die Ihnen 100.000 Euro gibt!“ Aber ohne Investitionen – auch in einem attraktiven, modernen Laden mit einem guten Konzept – gehe es nicht, das erwarten die Kunden.

Zudem fresse eine ausufernde Bürokratie immer mehr Zeit und hinterlasse Frust. Auch Innungsobermeister Kleinle spricht von einer „verknappten Personalsituation“ im Bäckerhandwerk, will das Argument mit den unattraktiven Arbeitszeiten aber nicht unbedingt gelten lassen: „Jeder dritte schichtet heutzutage!“ Allerdings müsse am Bäckerimage gearbeitet werden und wer Bäcker lerne, müsse mit dem Herzen dabei sein: „Das Wichtigste ist, dass man es gern macht!“, sagt Kleinle und rät selbstständigen Bäckermeistern, sich frühzeitig zu überlegen, wie eine Betriebsübergabe vonstatten gehen soll. Und er appelliert, offen zu sein für Zukunftsmodelle, zum Beispiel, indem nicht nur einer allein einen Betrieb übernimmt und sich das Risiko damit auf mehrere Schultern verteilt.

Was kann eine Stadt gegen das Ladensterben tun? Konkret nicht viel. Allerdings hat die Freie Bürgerliche Wählervereinigung im Großbottwarer Gemeinderat kürzlich den Antrag gestellt, im Haushalt 20.000 Euro bereitzustellen für ein Konzept zur Innenstadtbelebung. Den Antrag haben alle Fraktionen unterstützt. „Diese Probleme, dass ein Betrieb schließt, weil er keinen Nachfolger hat, lösen wir damit natürlich nicht“, sagt Thomas Stigler, selbst Handwerksmeister mit eigenem Betrieb und Fraktionsvorsitzender der Freien Bürgerlichen. Mit dem Geld soll ein Konzept für die Innenstadt entwickelt werden, damit nach einer Eisdiele, einem weiteren Bäcker und einem Gemüseladen nicht noch mehr Läden aus der Innenstadt verschwinden. Ein Zaubermittel, mutmaßt Stigler, werden wohl auch die nicht haben, die einen unbefangenen Blick von Außen haben und die Situation in der Innenstadt unter die Lupe nehmen. Aber, so Stigler, „einfach laufen lassen, ist auch falsch.“

Bei der Bäckerei Weigle ärgert man sich derweil über Gerüchte, die in der Stadt die Runde machen, denn, so ist zu hören, der 31. März werde „nicht das Ende sein“.

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