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Radweg

Besser, aber noch nicht perfekt

Pünktlich zum Start der Sommer- ferien ist der ausgebaute Radweg an der Kreisstraße zwischen Besigheim und Gemmrigheim freigegeben worden. So groß die Freude darüber war, so wäre sie noch größer, wenn sich auch die Situation für Radler an der Besigheimer Neckarbrücke bessern würde.

Platz für Radler und Bewirtschafter: Der ausgebaute Radweg an der Kreisstraße. Fotos: Alfred Drossel
Platz für Radler und Bewirtschafter: Der ausgebaute Radweg an der Kreisstraße. Foto: Alfred Drossel
Schnipp, schnapp: Der Radweg ist freigegeben. An den Scheren sind (von links) Bürgermeister Jörg Frauhammer, Landrat Dietmar Allgaier, Bürgermeister-Stellvertreter Helmut Fischer und Christoph Kübler, Geschäftsführer Straßenbau Lukas Gläser.
Schnipp, schnapp: Der Radweg ist freigegeben. An den Scheren sind (von links) Bürgermeister Jörg Frauhammer, Landrat Dietmar Allgaier, Bürgermeister-Stellvertreter Helmut Fischer und Christoph Kübler, Geschäftsführer Straßenbau Lukas Gläser. Foto: Alfred Drossel

Gemmrigheim/Besigheim. Das lange Warten hat ein Ende: Seit gestern Mittag ist die Vollsperrung der Kreisstraße zwischen Besigheim und Gemmrigheim aufgehoben. Das dürfte zum einen die Autofahrer freuen, die sechs Wochen Umwege in Kauf nehmen mussten. Vielmehr aber ist die Freigabe für die Radfahrer wichtig. Denn wo bislang lediglich ein Wirtschaftsweg zwischen Straße und Weinbergen zur Verfügung stand, gibt es nun eine vier bis stellenweise 6,50 Meter breite „Multifunktionsfläche“. Sie bietet genügend Platz für Radler, selbst wenn die Bewirtschafter der Weinberge dort ihre Fahrzeuge parken. Denn die Enge des Weges hat immer wieder zu Problemen geführt – vor allem, wenn während der Lese viel Betrieb herrschte. Und: „Das Konfliktpotenzial verschärfte sich in den Jahren“, sagte Gemmrigheims Bürgermeister Dr. Jörg Frauhammer, als er die Straße freigab.

Der Schultes kam vor einem coronabedingt kleinen Kreis auf die lange Zeit zu sprechen, in der sich Besigheim und Gemmrigheim für eine bessere Radverbindung entlang der Kreisstraße starkmachten – fast drei Jahrzehnte. Ihnen ging es vor allem um die Sicherheit der Gemmrigheimer Schüler, die in Besigheim weiterführende Schulen besuchen. Dass Frauhammer die Nöte der jungen Radler kennt, veranschaulichte seine folgende Aussage: „Ich selbst bin in den 70ern mit dem Fahrrad nach Besigheim zur Schule gefahren. Nachmittags ging’s auf der gleichen Strecke ins Freibad.“

Im Lauf der Jahre hat es einige Varianten gegeben, unter anderem favorisierte der Landkreis Ludwigsburg einen Radweg auf der Neckarseite. In Gemmrigheim hingegen gingen die Vorschläge etwas weiter – genau genommen auf die andere Flussseite. So liebäugelte das örtliche Gremium mit einer kleinen Brücke oder brachte eine Fähre ins Spiel. „Selten gab es im politischen Diskurs größere Einigkeit“, fasste Jörg Frauhammer die Diskussionen im Gemmrigheimer Gemeinderat über die Notwendigkeit einer sicheren Verbindung zusammen.

Und Einigkeit besteht auch heute noch, nämlich dass der neue Radweg zwar wunderbar ist, aber sein weiterer Verlauf in Besigheim noch immer viele Gefahren birgt. Denn dort angekommen, müssen die Radler die Kreisstraße überqueren und über die Neckarbrücke – und dort geht es sehr eng zu, einen separaten Radweg gibt es nicht. Auf diesen Missstand machten diese Woche Gemmrigheimer Gemeinderäte bei einer Fahrradtour aufmerksam (wir berichteten). „Das Konzept hat durchaus noch Schwächen“, sagte nun auch Frauhammer. Da brauche es Lösungen.

Von der Gemmrigheimer Aktion hatte auch Landrat Dietmar Allgaier gelesen. „Der Anschluss über die Neckarbrücke ist natürlich noch nicht zufriedenstellend.“ Aber: „Wir als Landkreis haben unseren Teil erfüllen können mit dem heutigen Tag.“ Denn für die Neckarbrücke ist nicht der Landkreis, sondern das Regierungspräsidium zuständig, da es sich hier um die Landesstraße 1115 handelt. Auch wenn die Behörde meinte, die Verbesserung der Radler-Situation solle nach dem Neubau der B27-Enzbrücke angegangen werden, also frühestens 2023, so machte der Landrat dem Gemmrigheimer Bürgermeister ein Angebot: „Vielleicht können wir doch noch mal auf das Regierungspräsidium zugehen, um vielleicht zu erreichen, dass man die Maßnahme beschleunigen, zeitlich etwas nach vorne ziehen kann.“ Aber natürlich sei das auch eine Frage der Finanzierung.

Das dürfte auch Helmut Fischer mit Interesse vernommen haben. Der Besigheimer Stadtrat war gestern als Bürgermeister-Stellvertreter vor Ort und brachte die Freude zum Ausdruck, dass der Ausbau des Weges nun fertig sei. „Bleibt zu hoffen, dass in nicht allzu ferner Zukunft im Zuge der Neckarbrückensanierung ein guter Radweganschluss an die Landesstraße L1115 geschaffen werden kann, und ich begrüße ausdrücklich, dass die Gemmrigheimer Gemeinderatskollegen dieser Tage dieses Anliegen in beeindruckender Weise wieder aufgegriffen haben.“ Lob gab es auch für den Landkreis, der jetzt eine gute und verkehrssichere Verbindung geschaffen habe, die nicht nur den Schülern, die die Besigheimer Schulen besuchen, zugute komme, sondern auch der zunehmenden Zahl an Berufspendlern und Freizeitradlern. Dass so viele aufs Rad umsteigen – auch schon vor der Coronakrise –, wertete Fischer als gutes Zeichen für die Umwelt und den Klimaschutz, auch wenn es noch Luft nach oben gebe.

Der Ausbau des 2,1 Kilometer langen Radwegs hat 680000 Euro gekostet, 50 Prozent übernahm das Land.

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