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Besuch mit einer Sternlänge Abstand

Sternsingeraktion darf mit Einschränkungen stattfinden, doch einige Kirchengemeinden wählen für 2021 andere Formen

Massenbilder wie diese bei der Aussendung der Freiberger Sternsinger im Januar dieses Jahres wird es bei der Aktion Anfang 2021 mit Sicherheit nicht geben.Archivfoto: Andreas Becker
Massenbilder wie diese bei der Aussendung der Freiberger Sternsinger im Januar dieses Jahres wird es bei der Aktion Anfang 2021 mit Sicherheit nicht geben. Foto: Andreas Becker

kreis ludwigsburg. „Die Sternsingeraktion 2021 findet statt.“ Das verkündet das Katholische Dekanat Ludwigsburg als Dachorganisation der Kirchengemeinden im Landkreis „mit Erleichterung“. Doch obwohl auch die beiden Diözesen Rottenburg-Stuttgart und Freiburg der Aktion ihren Segen gegeben haben, heißt das noch lange nicht, dass Anfang Januar in jedem Ort im Kreis die Sternsinger tatsächlich unterwegs sein werden.

Dafür gibt es mehrere Gründe, wie eine stichprobenartige Umfrage zeigt. „Wir werden keine Hausbesuche machen“, sagt zum Beispiel Jürgen Ling von St.Bonifatius in Asperg. Denn in der Vergangenheit hätten den Besuch der Sternsinger eher ältere Menschen gewünscht und die zählten nun zur Risikogruppe. Umgekehrt seien es überwiegend Kinder, die als die Heiligen Drei Könige den Segensspruch „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus) überbringen – „und in den Schulen steigen gerade die Infektionszahlen“, so Ling. Abgesehen davon sei auch völlig unklar, ob genügend Gruppen zusammenkämen. Deshalb erhalte die „Kundschaft“ in Asperg einen Brief mit dem Segensspruch und einem Überweisungsformular. Denn traditionell bringen die Sternsinger nicht nur gute Wünsche, sondern sammeln auch Geld für ein Missionsprojekt (siehe Kasten rechts).

Ähnlich entschieden ist die Haltung der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Besigheim, wo ein Brief statt der leibhaftigen Sternsinger geschickt wird. „Wir könnten das in der aktuellen Situation nicht gut verantworten“, so die pastorale Mitarbeiterin Magdalena Mäteling. Ihrer Erfahrung nach reagieren auch viele Eltern bereits zurückhaltend und die Hygieneauflagen seien nur mit einem großen organisatorischen Aufwand umzusetzen; nicht einmal die bislang obligatorische gemeinsame Mahlzeit zum Abschluss jedes Tages sei möglich.

Tatsächlich ist das, was das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ an Hygieneregeln kommuniziert, nicht ohne. So sollen Erwachsene die Gruppen begleiten und unter anderem darauf achten, dass sich die Sternsinger immer wieder die Hände desinfizieren. Wohnungen oder Häuser dürfen sie nicht betreten, sie müssen eine Alltagsmaske tragen und wenn ihnen eine Tür geöffnet wird, müssen sie zu den Bewohnern „eine Sternlänge“ Abstand halten. Der Stab, an dem der Stern befestigt ist, muss deshalb mindestens 1,50 Meter lang sein. Wenn überhaupt, dann sollte nur aus großer Entfernung gesungen, besser aber nur gesummt werden, so eine weitere Handlungsempfehlung. Eine Option ist zudem, den Segensspruch nicht wie üblich mit Kreide auf den Türrahmen zu schreiben, sondern den Bewohnern einen vorgefertigten „Segensaufkleber“ zu überreichen.

„Das ist ganz schön aufwendig“, findet Edith Klünder von der Kirchengemeinde Heilige Dreieinigkeit, und deshalb stehe auch noch nicht fest, wie genau das Sternsingen in Ludwigsburg ablaufen wird. „Wir wollen in den Ludwigsburger Kirchengemeinden Ende November, Anfang Dezember entscheiden, was wir tun und natürlich auch noch die aktuellen Entwicklungen abwarten.“ Vermutlich werde es nicht in jedem Stadtteil Sternsingergruppen geben, „auch wenn das furchtbar bitter ist.“

Während in der Kirchengemeinde Zur Heiligen Familie in Marbach laut Gemeindereferentin Raphaela Vogel gerade neue Diskussionen über die Ausgestaltung der Sternsingeraktion aufflammen, sind die Kirchengemeinden Heilig Geist in Steinheim/Murr sowie St.PiusX. in Großbottwar/Oberstenfeld noch entschlossen, mit Gruppen gemäß den aktuellen Vorsichtsmaßnahmen durch die Orte zu gehen. „Gerade jetzt ist es besonders wichtig, dass die Sternsinger ihren Segen zu den Menschen bringen, als Zeichen der Hoffnung und des Zusammenhalts“, so werben die in der Seelsorgeeinheit 8 zusammengeschlossenen Kirchengemeinden um Mitstreiter. Bis zum 30. November sollen sie sich in den jeweiligen Pfarrbüros melden.

Alten- und Pflegeheime sowie Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, deren Bewohner den Besuch der Heiligen Drei Könige erfahrungsgemäß ganz besonders schätzen, dürfen die Sternsinger definitiv nicht betreten, sondern maximal vor den Gebäuden ihren Segen sprechen.

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