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Hilfsaktion

Blutspende unter besonderen Bedingungen

Das DRK widmet bis kommenden Freitag eine Sporthalle in Markgröningen in ein regionales Blutspendezentrum um. Der Wille der Menschen, gerade jetzt Gutes zu tun, scheint groß zu sein.

Temperatur messen am Eingang: Tim Weiss vom DRK Eglosheim untersucht einen Blutspender in Markgröningen. Foto: Holm Wolschendorf
Temperatur messen am Eingang: Tim Weiss vom DRK Eglosheim untersucht einen Blutspender in Markgröningen. Foto: Holm Wolschendorf

Markgröningen. Auf der Anzeigentafel in der Sporthalle II am Markgröninger Benzberg steht am Montagmittag noch der Spielstand: 20:17. Doch Mannschaftssport ist hier seit Wochen nicht mehr getrieben worden. Dafür hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) zwölf Liegen in der Halle aufgebaut. Bis zum kommenden Freitag sollen rund 600 Menschen in Markgröningen Blut spenden, um auch in unruhiger Zeit die Versorgung der Kliniken in der Umgebung mit Konserven sicherzustellen.

Menschen wie Franziska und Tobias Schmitz. Das Markgröninger Ehepaar trägt Mundschutz und ist erstmals zum Spenden gekommen. „Wir wollen helfen“, sagt Tobias Schmitz – und genug Zeit ist während des Shutdowns gerade da. Am Eingang müssen die beiden die Hände desinfizieren und an Tim Weiss vom DRK Eglosheim vorbei. Er misst den beiden die Temperatur. Das Thermometer zeigt 36,9 Grad. Alles was sich unter 37,5 Grad bewegt, ist im Rahmen. Nach der Anmeldung geht es für die Schmitz‘ auf die Liegen, die weit auseinander positioniert sind. Rund zehn Minuten dauert es, bis ihr Beutel mit 500 Millilitern gefüllt ist. Zum Dank gibt es Schoko für den Heimweg. „Wir haben uns wohlgefühlt“, sagt Franziska Schmitz.

Das grassierende Coronavirus sorgt dafür, dass der DRK-Blutspendedienst seit einigen Wochen neue Wege gehen muss. An sorgfältig ausgewählten und gut erreichbaren regionalen Standorten richtet er mobile Blutspendezentren über mehrere Tage hinweg ein. Vor Corona ließ er sich gerne in Gemeindezentren, Schulen oder Hotels nieder. „Da ist es aber schwieriger, Abstand zu halten“, sagt Rudolf Feix vom Blutspendedienst.

Das neue Angebot wird nach seinen Angaben positiv aufgenommen. „Die Bereitschaft, gerade jetzt etwas Gutes tun zu wollen, ist hoch. In Markgröningen sind wir bis Mittwoch ausgebucht“, sagt Feix. Für Donnerstag und Freitag gebe es nur noch Resttermine. 120 Blutspender lässt das DRK pro Tag an die Nadeln, alle 15 Minuten sechs – macht am Abend rund 60 Liter des wertvollen Saftes. Spontan kommen darf niemand. Für die Terminvergabe hat das DRK im Internet ein neues Reservierungssystem aufgebaut.

Der Bedarf an Blutkonserven ist laut Feix weiter groß. „Das Virus nimmt auf chronisch kranke Menschen oder Unfallopfer keine Rücksicht.“ Rund 2600 Spenden brauchen die Krankenhäuser im Südwesten am Tag. In den vergangenen Wochen waren es eher 1700, weil Kliniken Operationen aufgeschoben haben. „Jetzt zieht es aber wieder an“, sagt Feix.

Einige Meter weiter steht Martina Jentsch vom Markgröninger DRK-Ortsverein und schaut in die Runde. „So eine Aktion hatten wir hier noch nie“. Zweimal jährlich bietet ihre Organisation Blutspendetermine in der Stadt an. In der Regel kommen so rund 240 Konserven zusammen. Neben Jentsch hängt ihr Mann gerade an der Nadel. Er ballt seine linke Hand zur Faust und öffnet sie wieder, während das Blut in einen Beutel läuft. Jentsch ist das Prozedere gewöhnt. Es ist seine 36. Spende. „Diese ist etwas Besonderes“, sagt er.

Um 19 Uhr ist Tag eins geschafft. „Wir gehen davon aus, dass wir bis Ende Mai auf regionale Blutspendezentren angewiesen sind“, sagt Feix. Nächste Woche kommt das DRK nach Flein im Kreis Heilbronn. Auch im Bottwartal soll noch Halt gemacht werden. In der Markgröninger Sporthalle II steht es immer noch 20:17.

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