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Politik

Eisenmann wirbt für Lernort Natur

Kultusministerin besucht die Wasserbüffel im Bottwartal - „Laptops sind noch keine Pädagogik“

Naturkenntnisse sollten in der Schulen eine größere Rolle spielen, findet Kultusministerin Susanne Eisenmann bei ihrem Besuch bei den Wasserbüffeln.Foto: Andreas Becker
Naturkenntnisse sollten in der Schulen eine größere Rolle spielen, findet Kultusministerin Susanne Eisenmann bei ihrem Besuch bei den Wasserbüffeln. Foto: Andreas Becker

Großbottwar. Mit dem Büffeln als Synonym für das Lernen kennt sich die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann schon von Amts wegen aus. Am Samstag besuchte sie nun die Wasserbüffel im Bottwartal und warb für Lernorte in der Natur, um mehr Kenntnisse über Tier- und Pflanzenarten zu erlangen. „Digitalisierung allein wird uns nicht weiterhelfen“, sagte Eisenmann.

Auf Einladung der Umweltstiftung NatureLife-International mit ihrem Präsidenten Claus-Peter Hutter und des Vereins für Landschaftspflege und Naturschutz durch Beweidung im Bottwartal war Susanne Eisenmann nach Großbottwar gekommen, um sich über das im vergangenen Jahr realisierte und inzwischen vielbeachtete Wasserbüffelprojekt zu informieren.

Es war ein kleiner Kreis, der sich hier traf und sich nach einer kurzen Projekt-Präsentation im Weideunterstand schließlich auf den Weg zu den Büffeln auf der Weide machte. Der Leitbüffel stellte sich schon einmal eindrucksvoll in Position, während die anderen Tiere mit einer Mischung aus Neugierde und Vorsicht auf die Besucher reagierten.

Kein Kind vom Land

Und Eisenmann zeigte sich sichtlich beeindruckt. Sie sei zwar als Stuttgarterin kein Kind vom Land, aber habe mit Mitte 20 schon den Jagdschein gemacht, berichtete sie. Geschehen sei das zum einen aus Familientradition, aber auch um zu wissen, wovon sie spreche. „Ich habe die Jagd früher abgelehnt“, gestand Eisenmann und berichtete über die geballten Naturkenntnisse, die sie vermittelt bekommen habe und die nun laut ihrem Bekunden auch an den Schulen vor dem Hintergrund massiver Wissenslücken eine größere Rolle spielen sollten. „Schulkinder können nicht mal mehr drei Bäume voneinander unterscheiden“, sagte sie und verwies darauf, dass gerade das Wissen über die Natur und die ökologischen Zusammenhänge wichtige Voraussetzungen für deren Schutz seien. Hier vor Ort in der Natur könne das gelernt werden. Aus diesem Grund begrüßte Eisenmann auch den Vorstoß von Hutter und dem Großbottwarer Bürgermeister Ralf Zimmermann, im nächsten Jahr einen Natur-, Kultur- und Weinerlebnispfad einzurichten, der nicht nur die Büffelweide, sondern auch angrenzende Biotope wie Obstwiesen, Weinberge und den Wald einbezieht. Internetgestützte Infomodule sollen dann nicht nur vor Ort, sondern auch von zu Hause abrufbar sein. Insofern war der Bogen von der Natur zum Digitalen wieder geschlagen, auch wenn Eisenmann deutlich machte, dass der Einsatz eines Laptops noch keine Pädagogik sei.

Weidetiere als Landschaftsgestalter

Das vergangenes Jahr realisierte Büffelprojekt im Bottwartal hat sich laut Claus-Peter Hutter etabliert und es zeige sich bereits, dass sich die Beweidung der 15 Hektar großen Fläche positiv auf die Artenvielfalt auswirke. „Weidetiere sind wichtige Landschaftsgestalter, Naturschutzkonzepte sollten deshalb neu gedacht werden“, sagte Dr. Alois Kapfer, Vorsitzender des Vereins zur Förderung naturnaher Weidelandschaften. „Ein entscheidender Faktor für den Verlust an biologischer Vielfalt ist das zunehmende Fehlen von Weidetieren in naturverträglicher Haltung, man denke an den Rückgang der Insekten“, betonte Professor Rainer Luick von der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg. „Durch die Weidetiere beschleunigen sich biologische Prozesse, viele Pflanzenarten brauchen die Passage durch den Tiermagen, um keimfähig zu werden“, machte Büffelmanager Gerhard Fahr als Vorsitzender des Vereins für Landschaftspflege und Naturschutz durch Beweidung im Bottwartal deutlich. „Unsere Wasserbüffel sind akzeptiert“, betonte Bürgermeister Ralf Zimmermann und überreichte der Kultusministerin nicht nur einen kuscheligen Plüschbüffel, sondern auch einen Brief von seiner Frau. Die hatte eine Umfrage gestartet, um der Ministerin zu berichten, was Eltern von Schulkindern derzeit bewegt. Eisenmann versprach zu antworten.

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