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Silvesterfeuerwerk

Feinstaubrekord nach Mitternacht

Böllert Greta? Auch ohne mit der Klimaschutz-Ikone gesprochen zu haben, ist die Antwort klar: Selbst wenn sie wollte, dürfte sie nicht – eine Feuerwerksrakete in den Händen des Teenagers würde von Anhängern wie Gegnern skandalisiert. Denn Böllern verschmutzt die Luft. Manche Umweltschützer fordern deshalb Verbote – die es im Kreis vielfach bereits gibt. Nicht des Klimas oder der Umwelt zuliebe, sondern des Brandschutzes für historische Gebäudebestände wegen.

Der Glanz des Feuerwerks ist rasch verflogen, es bleiben Müll und Ruß. Foto: Clemens Heidrich/dpa
Der Glanz des Feuerwerks ist rasch verflogen, es bleiben Müll und Ruß. Foto: Clemens Heidrich/dpa

Kreis Ludwigsburg. Einen Feuerwerksstopp hat beispielsweise die Deutsche Umwelthilfe (DUH) von den 98 nach ihren Angaben besonders von Feinstaub belasteten Städten der Republik gefordert, darunter von Ludwigsburg und Markgröningen. Doch die Kreisstadt hat derzeit brisantere Auseinandersetzungen mit der Umwelthilfe auszufechten, Stichwort Fahrverbote. Und Markgröningen fühlt sich nicht (mehr) wirklich betroffen: Die Stadt gehöre dank vielerlei Vorkehrungen – vom Tempolimit über Lkw-Durchfahrtsverbote bis zur grünen Plakette – nicht mehr zu den Orten mit herausragender Feinstaubproblematik, sagt Bürgermeister Rudolf Kürner. Tatsächlich ist die Grabenstraße aus dem Messstellen-Netz verschwunden, das auf der Homepage der Landesanstalt für Umwelt rund um die Uhr einsehbar ist. Außerdem: Für die Markgröninger Altstadt gilt aus Brandschutzgründen schon seit Jahren ein Feuerwerksverbot, so wie – unter anderem – für die historischen Quartiere in Asperg, Bietigheim, Großbottwar, Marbach, Rielingshausen oder Münchingen.

Dabei hätten auch Luftkurorte durchaus Anlass dazu, über einen Böllerstopp nachzudenken – selbst wenn man nicht von den Werten der ebenso streitbaren wie umstrittenen DUH ausgeht, sondern von den gewissermaßen regierungsamtlichen des Umweltbundesamtes. Demnach kann die Feinstaubbelastung in Städten in der ersten Stunde des neuen Jahres die Marke von 1000 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschreiten. Die 98 von der DUH angeschriebenen Kommunen weisen Jahresmittelwerte von 20 bis 30 Mikrogramm pro Kubikmeter auf, im Bundesdurchschnitt werden im Jahresmittel etwa 18 Mikrogramm gemessen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, dass Tagesmittelwerte von 50 Mikrogramm aus gesundheitlichen Gründen höchstens dreimal im Jahr überschritten werden sollten.

Anteil an CO-Belastung relativ gering

„In der Silvesternacht messen wir die höchsten Feinstaubwerte, die wir im ganzen Jahr feststellen“, resümiert Meteorologin Ute Dauert vom Bundesumweltamt. Jährlich würden 4200 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt, der bei weitem größte Teil zum Jahreswechsel. Diese entspricht in etwa 25 Prozent der jährlich durch Holzfeuerungen und etwa zwei Prozent der insgesamt freigesetzten Feinstaubmenge. Dabei beruhen die Schätzungen auf der in Deutschland verkauften Zahl der Feuerwerkskörper – wobei sich Umweltbundesamt und DUH darin einig sind, dass ein beträchtlicher Teil der in der Neujahrsnacht verballerten Pyrotechnik im Ausland erworben wurde. Die DUH geht deshalb von 5000 Tonnen Feinstaub zu Silvester aus. Wie „haltbar“ diese Belastung ist, entscheidet wesentlich das Wetter.

Deutlich geringer ist der Beitrag des Silvesterfeuerwerks zur Belastung durch Kohlendioxid und andere Treibhausgase. Die Landwirtschaftliche Versuchsanstalt Münster hat eine Belastung mit 2300 Tonnen CO errechnet – und verdeutlicht, dass es dabei um eine Menge geht, die 550 Flügen von München nach New York entspräche. Das Umweltbundesamt kommt sogar auf 7200 Tonnen CO, relativiert aber, dass dies nur 0,0008 Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen gleichkomme. Der CO-Fußabdruck des Durchschnittsdeutschen lag 2018 bei 8,6 Tonnen. Doch es gibt auch andere Gründe gegen die Feuerwerkerei: Der Naturschutzbund ruft zur Rücksichtnahme auf Vögel und Wildtiere auf, und das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt bittet seit 1981 um „Brot statt Böller“.

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