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Sommerferienprogramme

Hoffen auf ein Notprogramm

Viele Vereine tun sich schwer mit Angeboten und Jugendhäuser warten auf Richtlinien

Ferien wie hier im Marbacher Jugendhaus Planet-X wird es in diesem Jahr nicht geben, aber alle arbeiten an Ersatzlösungen. Archivfoto: Ramona Theiss
Ferien wie hier im Marbacher Jugendhaus Planet-X wird es in diesem Jahr nicht geben, aber alle arbeiten an Ersatzlösungen. Foto: Ramona Theiss

Kreis Ludwigsburg. Meerjungfrauen-Schwimmen, Schnupper-Tennistraining, ein Ausflug nach Tripsdrill, Pizzabacken und Stockbrot am Lagerfeuer – die Angebote der kommunalen Kinderferienprogramme waren immer attraktiv und zahlreich. Vereine, Kirchen, Parteien und Jugendhäuser haben sich jedes Jahr wieder eine Menge einfallen lassen, um während der Sommerferien keine Langeweile aufkommen zu lassen. In diesem Jahr ist das anders; die Corona-Pandemie zeigt auch hier ihre Wirkung.

„Wir haben gerade mal die Hälfte der Angebote wie in normalen Jahren“, sagt Großbottwars Bürgermeister Ralf Zimmermann. Aber immerhin findet in der Bottwartalkommune überhaupt irgendetwas statt. Manche Städte und Gemeinden haben das Programm gleich ganz abgesagt oder warten noch auf weitere Verordnungen und Lockerungen, ehe sie sich entscheiden.

Großbottwar hat die Deadline, bis zu der Angebote für Veranstaltungen abgegeben werden können, bis zu den Pfingstferien verlängert. Einige Attraktionen werden in diesem Jahr nicht dabei sein, wie zum Beispiel alles, was im Wasser stattfindet. 30 bis 40 Kinder drängten sich in den vergangenen Jahren an manchen Tagen bei den Angeboten. Das – so viel steht fest – wird es in diesem Jahr nicht geben. „Aber in Kleingruppen geht es“, sagt Bürgermeister Zimmermann, „es wäre doch schade, wenn gar nichts stattfände. “ Sollten allerdings die Corona-Fallzahlen wieder nach oben gehen, müsste kurzfristig alles abgesagt werden. Zimmermann hofft das nicht, denn: „Ich glaube, die Kinder brauchen ein Angebot.“

Bereits abgesagt ist dagegen die Dorffreizeit der beiden Kirchengemeinden in Hemmingen. Wie die Hemminger Ferienspiele des Jugendhauses Astergarten aussehen werden, ist noch offen, Genaues könne man erst Mitte Juni sagen. In Freiberg wurde alles abgesagt. In Oberriexingen wartet man auf weitere Lockerungen des Landes, „sofern es das Infektionsgeschehen zulässt“. Deshalb könne man zwar noch nicht konkret planen, wolle aber aktuell auch nicht pauschal alles absagen. Geduld und dann entsprechend schnelle Reaktionen seien in dieser Situation sinnvoll, heißt es aus Oberriexingen.

Legendär sind seit Jahren die „Verrückten Ferien“, die sich das Marbacher Jugendhaus-Team um Georg Stenkamp einfallen lässt. Mit rund 150 Kindern bietet das Jugendhaus Planet-X eines der großen Ferienprogramm-Events. Bisher. Denn in diesem Jahr „wird es nur ein Notprogramm geben“, sagt Jugendhausleiter Georg Stenkamp. Und auch anderes, was die „Verrückten Ferien“ so reizvoll gemacht hat, wird es nicht geben: Morgens einfach kommen und mitmachen, zum Beispiel. In diesem Jahr werden die Kinder nur nach Voranmeldung teilnehmen können. Auch Mittagessen wird es nicht geben und zwei Wochen das gleiche Programm, damit wenigstens zweimal 50 oder – maximal – zweimal 75 Kinder von dem Ferienangebot profitieren können.

Denn die Not der Kinder und ihrer Eltern sei groß, sagt Georg Stenkamp. Täglich erreichen ihn Anrufe von Eltern, die auf diese Art der Ferienbetreuung angewiesen sind, zumal sie bereits jetzt einen Teil ihres Urlaubskontingents für die Kinderbetreuung angeknabbert haben. „Es tut einem in der Seele weh!“, sagt Stenkamp. Immerhin darf das Marbacher Jugendhaus von dieser Woche an überhaupt wieder etwas anbieten: Beim „Terrassentreff“ donnerstags und freitags dürfen zweimal vier Jugendliche und jeweils ein Jugendhausmitarbeiter zusammenkommen – auf Sesseln unterm Sonnensegel. Ein paar Sonnenliegen könnten sie übrigens noch brauchen.

Wie es weitergeht? Jugendhausmitarbeiter, Vereine und Verwaltungen warten darauf, dass die Landesregierung endlich Rahmenbedingungen nennt, um Planungssicherheit zu haben. Aber: „Am 30. Juni ist Deadline!“, sagt Georg Stenkamp, „ich muss mindestens einen Monat Vorlauf haben.“

Die neuesten Entwicklungen stehen auf den jeweiligen Internetseiten der Jugendhäuser und Kommunen.

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