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Natur

Kleindenkmal Gronauer Aquädukt: Der Kampf geht weiter

Der Kampf um das Gronauer Aquädukt und den Mini-Urwald drumherum geht weiter: Naturschützer bemängeln Fehler bei der Auswahl des Standorts für das Rückhaltebecken Prevorster Tal und erst recht bei den geplanten Ausgleichsmaßnahmen. Sie wollen eine Unterschriftenliste erstellen und haben zudem Alternativen ausgearbeitet.

Auffällig viel Totholz findet man rund um die Wasserbrücke mit Mühlkanal an der Kurzach. Am Wehr wurde Wasser für das Naturfreibad gestaut.Fotos: Ramona Theiss
Auffällig viel Totholz findet man rund um die Wasserbrücke mit Mühlkanal an der Kurzach. Am Wehr wurde Wasser für das Naturfreibad gestaut. Foto: Ramona Theiss
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Oberstenfeld. Für den Bau der beiden Hochwasserrückhaltebecken Prevorster und Kurzacher Tal sollen das Aquädukt und der dazugehörige Mühlkanal, der die beiden Gronauer Mühlen versorgte, abgerissen werden. Nach dem Abriss kann als Ausgleichsmaßnahme für den Eingriff in die Natur das Betonrohr im Bach beseitigt werden und Fische laut EU-Gewässerrichtlinie freien Durchlauf in Richtung Quelle erhalten. Naturschützer und Historiker gehen nun auf die Barrikaden, um den Abriss zu verhindern.

„Ein Eingriff hier ist widersinnig.“

Andrea Hohlweck
BUND Beilstein

Der Mühlkanal, der das von Prevorst kommende Wasser der Bottwar über die Kurzach führte, wurde wahrscheinlich zwar erst Ende des 19. Jahrhunderts betoniert, das Aquädukt aus Sandstein aber ist laut Hans-Wolfgang Bock vom Historischen Verein Bottwartal wesentlich älter. Seit 2005 ist es von Heimatkundlern als Kleindenkmal ausgewiesen. „Die Mühlen in Gronau lagen höher als die Bottwar, deshalb brauchte man den Zufluss“, erklärt Manfred Schäfer vom Historischen Verein. Das Wasser wurde während der Weltkriege zudem genutzt, um Gemüse gegen die Hungersnot anbauen zu können. Später wurde die Kurzach am sogenannten „Mönch“, also Wehr, für das Gronauer Naturfreibad gestaut.

Die Historiker kämpfen nun für eine Ausweisung des Aquädukts mitsamt Mühlkanälen und Wehren als Kulturdenkmal, dann dürfte die Wasserbrücke nicht abgerissen werden. Diese Ausweisung sei auch gerechtfertigt, findet Bock, da durch die Vereine und auch die Bürger, die sich jetzt engagieren, ein öffentliches Interesse bestehe. Eine Unterschriftenaktion könnte dies untermauern, sie soll über den BUND initiiert werden. Auch eine Aktion im örtlichen Supermarkt hielte Andrea Hohlweck vom BUND Beilstein für denkbar. „Auch der Ortschaftsrat und der Gemeinderat wussten bei der Abstimmung über den Abriss 2019 nicht, dass es um das Aquädukt geht, es war immer nur die Rede vom Mühlkanal“, ist sich Manfred Schäfer sicher. Der BUND sei erst jetzt zur Stellungnahme aufgerufen worden, entgegnen die Beteiligten auf Vorwürfe, dass man erst jetzt tätig werde. Die Argumentation des Landesdenkmalamtes, das den Abbruch genehmigte, sei nicht nachvollziehbar: Nicht nur Kenner der Ortsgeschichte wüssten um das Kleinod, sondern auch die Gronauer Bürger. Auch gebe es, so Bock, seines Wissens kein vergleichbares Bauwerk im Kreis Ludwigsburg.

„Das ist einer der wenigen wilden Winkel im dicht bebauten Landkreis Ludwigsburg“, argumentiert Gottfried May-Stürmer vom BUND Regionalverband Heilbronn-Franken. Es gebe auffallend viele alte Bäume, stehendes und liegendes Totholz mit Käfern als Bewohnern, die wiederum seltenen Vögeln wie Eisvogel und Wasseramsel als Nahrung dienten. Das Gebiet ist als Naturdenkmal ausgewiesen, auch wenn das Schild, das darauf hinweist, verschwunden ist. Es gilt als offenes Biotop und Teil des Biotopverbundes. „Ein Eingriff hier ist widersinnig, da er selbst erheblich in die Natur eingreift“, findet Andrea Hohlweck. Die Durchgängigkeit der Kurzach sei zwar ein hehres Ziel, aber nur auf einer Strecke von rund 150 Metern möglich, da dann ein Wehr folge.

May-Stürmer hegt große Hoffnungen mit dem Widerspruch zum Planfeststellungsverfahren auch Erfolg zu haben. Das Argument, man müsse den Verlust im Bereich Wasser auch dort wieder ausgleichen, sei rechtlich nicht mehr notwendig. Auch gebe es Mängel bei der Auswahl des Standortes für das Hochwasserbecken Prevorster Tal. Beim Schutzgut Boden erscheine der Variantenvergleich nicht schlüssig, zum Beispiel beim Verlust von landwirtschaftlichen Nutzflächen. Die jetzt gewählte Variante sei dann ungünstiger in Bezug auf die Auswirkungen auf die Schutzgüter. Zudem haben der BUND Beilstein und der Nabu Oberstenfeld einen „großen Strauß“ an Maßnahmen zusammengestellt. Auf Gemarkung Oberstenfeld seien als Ausgleichsmaßnahmen die Ausbaggerung des Biotops Heubachtümpel möglich, zudem eine Sanierung des Beckens Vogeltränke, der Erhalt des Laichgewässers am Waldbiotop, die Durchgängigkeit der Kurzach oberhalb der Fischteiche, die Aufwertung der Wiesen im Kurzacher Tal und die Reparatur der Trockenmauer Eichhälde. Auf Gemarkung Beilstein wären denkbar: der Erhalt der Laichgewässer Öltal oder Brudertal, der Umbau der Quelle im Bernbachtal zum Quelltümpel oder eine Aufwertung des Steinriegels Bernbach. Mit diesen Maßnahmen und der breiten Unterstützung aus der Bevölkerung soll der Abriss noch verhindert werden. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Gottfried May-Stürmer.

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