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Materialmangel macht Bauen teurer

Holz gilt mittlerweile als knappes und teures Gut.Foto: Jan Woitas/dpa
Holz gilt mittlerweile als knappes und teures Gut. Foto: Jan Woitas/dpa

Stuttgart/Ludwigsburg. Die Bauwirtschaft schlägt Alarm: Die Handwerksbetriebe haben derzeit mit massivem Materialmangel und hohen Preissteigerungen zu kämpfen. „Es gibt extreme Lieferengpässe“, sagt der Bauunternehmer Hermann Lorenz aus Großbottwar, der auch Obermeister der „Bau-Innung Stuttgart. Ludwigsburg. Rems-Murr“ ist – die größte in Baden-Württemberg. Es gebe beispielsweise so gut wie keine Dämmstoffe mehr. Wegen der Knappheit hätten sich für dieses Material die Preise zwischen 40 und 50 Prozent erhöht. An manchen Baustellen sei es schon zu einer Unterbrechung der Arbeiten gekommen oder es hätte nur weitergearbeitet werden können, weil die Unternehmen sich gegenseitig mit Material ausgeholfen haben.

Auch Leimholz, das zum Bau von Dachstühlen benötigt werde, sei besonders rar, berichtet Lorenz. Mancher Zimmererbetrieb hätte deswegen schon in Kurzarbeit gehen müssen. Dramatische Engpässe gebe es auch bei Kunststoffrohren, Betonstahl oder Gipskartonplatten. „Was gerade passiert, das gab es noch nie“, beschreibt Lorenz die Lage auf dem Bau in der Region. Zwar sei die Nachfrage auch nicht höher als vor einem Jahr, dennoch seien die Materialpreise drastisch gestiegen. Der Innungsobermeister, der für 130 Mitgliedsunternehmen spricht – davon gut 40 Betriebe aus dem Landkreis Ludwigsburg –, appelliert an die Unternehmen, das knappe Material nicht zu horten, sondern sich gegenseitig auszuhelfen, um die Lage zu entspannen.

Für den Materialmangel und die damit einhergehenden Preissteigerungen macht Lorenz die steigende Nachfrage auf dem Weltmarkt verantwortlich und vor allem die USA und China. Beide Länder kauften inzwischen verstärkt Holz in Europa ein. Im Baustoffhandel sei inzwischen so gut wie alles knapp, sagt Lorenz. Kunden müssten deshalb damit rechnen, dass die hohen Materialpreise auch die Baukosten nach oben treiben. Für die Region Stuttgart, Ludwigsburg, Rems-Murr erwartet der Obermeister beim Rohbau eine Preiserhöhung zwischen 15 und 20 Prozent.

Die Bauwirtschaft Baden-Württemberg, der Landesverband Holzbau Baden-Württemberg und der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) haben unterdessen die Kunden aufgerufen, Aufträge nicht vorschnell zu stornieren. Sie baten um Verständnis für die schwierige Materiallage. Kostensteigerungen oder Verzögerungen würden nicht in der Hand der Betriebe liegen, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

„Der Rohstoff Holz ist mittlerweile eine wertvolle und weltweit begehrte Handelsware, das wird uns derzeit schmerzlich bewusst“, sagt der Präsident des Landesverbands Holzbau Baden-Württemberg, Gerd Renz. Der stark gestiegene Bedarf an Rundholz in China und an wertvollem Schnittholz in den USA führe zu Lieferengpässen bei den heimischen Holzbaubetrieben. Die Folge sei, dass Lieferfristen von den Sägern und dem Holzhandel nicht zugesagt werden könnten und Preise bei längerfristigen Bestellungen nicht genannt werden könnten. „Das macht eine Kalkulation für unsere Mitgliedsbetriebe derzeit extrem schwierig.“

Coronabedingte Werksschließungen in Ländern, die viele Baustoffe produzierten, machten sich nun bemerkbar, erklärt Markus Böll, der Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Die Lieferkette vom europäischen Ausland funktioniere nur schleppend. „Dadurch ist kein Ende der Preissteigerungen abzusehen“, sagt Böll. „Auf Dauer können unsere Betriebe diese nicht selbst tragen.“

Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold sagte, dass die Handwerksbetriebe nicht mehr kostendeckend arbeiten könnten. Wie dramatisch die Lage sei, zeige der hohe Beratungsbedarf von Betrieben, die über die Handwerksorganisationen die Krisenberatung des Landes in Anspruch nehmen.

Nach Einschätzung von Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, müssen die Verbraucher damit rechnen, dass sich im Südwesten ein klassischer Massivbau im Schnitt um bis zu fünf Prozent und ein Holzbau um bis zu zehn Prozent verteuere. „Wir erwarten, dass sich die Preisspirale für Baumaterialien noch mindestens ein halbes Jahr weiter drehen wird“, sagt Möller. Gunnar Seitz, Geschäftsführer der Ludwigsburger Seitz Immobilien GmbH, rechnet auch damit, dass es unterm Strich zu einem Preisanstieg kommt. Er schließt einen Durchschnittspreis von 8000 Euro pro Quadratmeter in guter Lage in Ludwigsburg nicht mehr aus. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren waren es noch 6000 Euro. Der Kostendruck, dem die Immobranche ausgesetzt sei, schlage sich auf die Preise nieder.

Der Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen verweist darauf, dass in manchen Fällen mit erheblichen Verzögerungen bei der Fertigstellung zu rechnen ist.

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