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Mehr als reine Landschaftspflege

19. Schafwoll-Festival lockt zahlreiche Besucher aus Nah und Fern nach Gronau – Neue Stellplätze entlasten Parksituation

Das Schafwoll-Festival in Gronau ist bei den Besuchern ebenso beliebt wie bei den Ausstellern. Esther Schneller (rechts) spinnt Wolle. Fotos: Holm Wolschendorf
Das Schafwoll-Festival in Gronau ist bei den Besuchern ebenso beliebt wie bei den Ausstellern. Esther Schneller (rechts) spinnt Wolle. Foto: Holm Wolschendorf
Interessierte blicken dem Weber neugierig über die Schulter.
Interessierte blicken dem Weber neugierig über die Schulter.
Buntes Angebot bei Andrea Markowitsch aus Neckarbischofsheim.
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Das Schafwoll-Festival in Gronau ist bei den Besuchern ebenso beliebt wie bei den Ausstellern. Esther Schneller (rechts) spinnt Wolle. Fotos: Holm Wolschendorf
Das Schafwoll-Festival in Gronau ist bei den Besuchern ebenso beliebt wie bei den Ausstellern. Esther Schneller (rechts) spinnt Wolle. Foto: Holm Wolschendorf

Oberstenfeld. Das Schaf an sich ist ein wenig zu kurz gekommen, meint Franz Theiss. Jeder weiß, dass Schafe wichtige Landschaftspfleger sind. „Aber sie sind eben auch viel mehr“, betont Theiss und verweist auf die vielen Vorzüge der wolligen Vierbeiner. Schließlich lässt sich nicht behaupten, dass die Wiederkäuer trotz ihrer ausdauernden Dienstleistungen für die menschliche Spezies bei dieser übermäßig beliebt oder angesehen wären.

Zu Unrecht, findet Theiss. Um Abhilfe zu schaffen, rief er vor mittlerweile fast 20 Jahren das Schafwoll-Festival im Oberstenfelder Ortsteil Gronau ins Leben. Ihm sei es dabei immer um die Wolle gegangen. Immerhin gebe es auch im Bottwartal und den angrenzenden Gebieten viele Schafhalter. „Man lobt die Tiere für ihre Landschaftspflege, aber um die Wolle kümmert sich niemand“, sagt Theiss. „Dieser Zwiespalt war mir zuwider, deshalb habe ich auch das Schafwoll-Festival gegründet.“

Mittlerweile kommen etwa 100 Aussteller nach Gronau. „Wir sind hier nicht durch die Platzverhältnisse begrenzt“, sagt der Organisator. Andererseits will er aber auch nicht, dass sein Festival zu groß wird. Bei etwa 100 Ausstellern sei deshalb Schluss, er lege stattdessen mehr Gewicht auf die Auswahl. „Wir wollen keine Schausteller, sondern Schäfer, Kunsthandwerker und Leute, die einen Bezug zur Natur haben.“

Die Schäfer stellen auch Tiere aus. Nicht nur Hausschafe, sondern auch exotische Pack- und Nutztiere wie Alpakas, Lamas und Mufflons, den nicht domestizierten Vorläufer des Hausschafs. „So kann man den Festivalbetrieb ein bisschen auflockern“, erklärt Theiss. Dazu tragen auch Vorführungen auf der grünen Wiese bei, die veranschaulichen, wie die Wolle zum fertigen Produkt wird.

Mehrere Tausend Besucher

Nicht nur bei den Ausstellern, auch bei den Besuchern ist das Schafwoll-Festival beliebt. Bei der 19. Auflage strömt das Publikum schon kurz nach der Eröffnung am Samstagvormittag bei strahlendem Sonnenschein in Scharen auf das Festivalgelände an der Bottwar. Der Veranstalter schätzt, dass es am gesamten Wochenende mehrere Tausend sein werden. Genau kann er das nicht wissen, weil der Eintritt frei ist und somit keine genauen Besucherzahlen erhoben werden. Ein neuer Parkplatz mit mehreren Hundert Stellflächen auf einem südlich der Bottwar gelegenen Feld soll die in den Vorjahren angespannte Parksituation entlasten. „Zum Glück spielen die ansässigen Landwirte mit“, freut sich Theiss.

Er erinnert sich daran, dass er und seine ehrenamtlichen Unterstützer vor dem Start des Festivals Bedenken hatten, ob dieses Format in Gronau funktionieren würde. Bei Gesprächen mit Ortsbewohnern hatte Theiss herausgefunden, dass der Genuss von Lammfleisch damals nicht praktiziert wurde. „Man aß einfach kein Lamm auf Festen.“

Auf dem Schafwoll-Festival aber kommen Köstlichkeiten wie der Lamm-Burger und andere Zubereitungsformen von Lammfleisch auf den Teller. Gleich bei der Premiere konnte Theiss die Zweifler überzeugen. Eine Gronauerin etwa, die sich im Vorfeld besonders skeptisch gezeigt hatte, orderte einen Lamm-Burger nach dem anderen. „Am Ende waren es drei Burger, das war schon ein toller Erfolg.“

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