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Neue Heizzentrale: Weißer Rauch sorgt für Unfrieden in Korntal-Münchingen

Diskussion über Dampfschwaden aus neuer Heizzentrale – Kaminverlängerung würde 40000 Euro kosten

Aktuell ist der Kamin der Heizzentrale in Korntal zwei Meter hoch, er soll nach dem Willen der Verwaltung durch eine 13 Meter hohe, aber nicht mehr glänzende Alternative ersetzt werden. Foto: Andreas Becker
Aktuell ist der Kamin der Heizzentrale in Korntal zwei Meter hoch, er soll nach dem Willen der Verwaltung durch eine 13 Meter hohe, aber nicht mehr glänzende Alternative ersetzt werden. Foto: Andreas Becker

Korntal-Münchingen. Man hätte meinen können, der Ärger um die neue Heizzentrale an der Korntaler Stadthalle sei längst verraucht, schließlich ist es nun ein Dreivierteljahr her, dass im Gemeinderat die Probleme öffentlich bekanntwurden und die Verwaltung sagte, man sei an einer Lösung dran. Doch Volldampf in der Sache macht nach wie vor vor allem der Kamin der Anlage, zum Leidwesen der Anwohner. Denn gerade bei kalter Witterung wird der Abgasaustritt, der bei der Verbrennung von Erdgas entsteht, eben doch sichtbar, die Rede ist von regelrechten Wasserdampfschwaden. Und das wollte die Korntal-Münchinger Stadtverwaltung beheben, indem sie den Kamin von derzeit zwei um elf Meter erhöhen lässt.

Doch nicht nur im Ort gab es nach Bekanntwerden der Pläne ersten Protest, diesmal aus optischen („Schandfleck“) und finanziellen Gründen, schließlich würde das Ganze rund 40000 Euro kosten. Auch im Gemeinderat gab es Kritik, der deshalb mit großer Mehrheit die Entscheidung über das Vorhaben vertagte.

Stattdessen soll, auf Antrag der CDU-Fraktion, zunächst ein Gutachten über die Gesundheitsgefahr erstellt werden. Die Stadtverwaltung hatte zwar darauf hingewiesen, dass laut Bezirksschornsteinfeger der Ausstoß großteils aus Wasserdampf bestehe und ungefährlich sei, Anwohner hingegen sprechen von giftigen Stickoxiden, die bei der Verbrennung des Erdgases entstünden, was man auch riechen könne.

Die Kaminverlängerung ist für Bürgermeister Joachim Wolf zwar nur die „zweitbeste Lösung“, weil dann alles eben über die Häuser hinweggetragen werde. Aber es gebe nach langer und intensiver Suche und Absprache mit Experten keine Alternative, wenn man die im Februar 2020 in Betrieb genommene Anlage nicht stilllegen wolle, die Stadthalle, Sporthalle, Jugendtreff und Musikschule mit Wärme und Strom versorgt. Auch könne nicht, wie Harald Wagner (Grüne) gefragt hatte, der Kaminstandort so einfach verlegt werden. Deshalb wollte Wolf lieber mit der zweitbesten Lösung loslegen, um die Arbeiten vor der nächsten Heizperiode umsetzen zu können. Und nicht noch ein Gutachten bezahlen und Ergebnisse abwarten – allein bis zur Vorlage eines Angebots eines Büros vergeht ein Monat. Denn was sei die Folge, wenn dann auch von dieser Seite bestätigt werde, dass keine Gefahr bestehe – „es einfach lassen“? Der Ärger der Anwohner bestünde dennoch weiter, sagte Wolf, es gebe ja auch eine subjektive Belästigung.

Und den Ärger gibt es auch unter den Stadträten. Denn das sei, nachdem zuvor schon die Sanierung der Brücke der Weil-imdorfer Straße thematisiert wurde, das nächste Projekt mit Problemen und Verteuerung, so Marianne Neuffer (FW). Dabei habe man sich beraten lassen, und auf Experten müsste man sich ja eigentlich verlassen können. Um nun zumindest die Optik zu verbessern, schlug sie eine Fassadenbegrünung vor.

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