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Auftragslage

Noch läuft die Arbeit am Bau normal

Innungsobermeister erwartet in zwei bis drei Wochen einen starken Rückgang – Handwerk reduziert direkte Kundenkontakte

Auf den Baustellen in der Region wird trotz Coronakrise nahezu ohne Einschränkungen gearbeitet.Foto: Jürgen Schmidt
Auf den Baustellen in der Region wird trotz Coronakrise nahezu ohne Einschränkungen gearbeitet. Foto: Jürgen Schmidt

Ludwigsburg/Bietigheim-Bissingen/Großbottwar. Auf den mehr als zehn Baustellen der Bietigheimer Wohnbau läuft derzeit die Arbeit fast normal, ebenso beim Ludwigsburger Bauträger und Immobilienunternehmen Pflugfelder.

Und auch der Bauinnung Ludwigsburg-Stuttgart ist aktuell noch kein Unternehmen bekannt, das wegen der Corona-krise eine Baustelle dichtgemacht hat. Doch deren Obermeister Hermann Lorenz glaubt nicht, dass dies dauerhaft so bleibt. „Das Baugeschehen wird in zwei bis drei Wochen stark zurückgehen“, erwartet der Großbottwarer Bauunternehmer.

Subunternehmer bleiben weg

Erste Anzeichen, dass das Virus auch die seit Jahren erfolgsverwöhnte Baubranche einschließlich des Ausbaugewerbes negativ beeinflussen wird, gibt es bereits. Einige größere Baufirmen hätte Probleme mit Subunternehmern aus dem EU-Ausland, die ihre Leute abgezogen oder gar nicht mehr nach Deutschland geschickt hätten, erklärt Lorenz gegenüber unserer Zeitung. So fehlten auf manchen Baustellen Spezialisten wie Stahlbieger und -flechter.

In einigen Handwerksbetrieben schlägt wiederum die Schließung der Kindergärten und Schulen auf die Personaldecke durch. In manchen größeren Mitgliedsunternehmen müssten sechs bis sieben Mitarbeiter zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu betreuen, sagt der Geschäftsführer des Arbeitskreises Ludwigsburger Bauhandwerker (ALB), Enrico Finn. „Handwerk lässt sich leider noch nicht im Homeoffice erledigen.“ Der ALB vernetzt zehn selbstständige Meisterbetreibe aus verschiedenen Bau- und Ausbaugewerken.

Die Zusammenarbeit soll auch in der momentanen Krisenzeit ungeschmälert weitergehen, gegenüber dem Kunden aber aufgeteilt werden. Zu Besprechungen mit Kunden für Sanierungs- und Renovierungsarbeiten werden künftig die Mitarbeiter verschiedener Unternehmen nicht mehr miteinander, sondern nacheinander gehen, erläutert Finn. „Unser Prinzip ist: Ein Handwerker, ein Kunde, um die notwendigen Abstände zwischen den Beteiligten auf jeden Fall einhalten zu können.“

Generell versuchten die ALB-Mitgliedsbetriebe für die Kundenberatung derzeit so wenig Vor-Ort-Termine wie möglich zu vereinbaren, erklärt Finn. In Zukunft werde man versuchen, die Baustellen zu entzerren. Das bedeutet, dass nur noch ein Gewerk jeweils vor Ort ist, um die Zahl der Mitarbeiter und damit auch das Infektionsrisiko für Kunden und Handwerker zu verringern.

Aufträge werden storniert

Erste Stornierungen von privaten Kunden hat man auch beim ALB bereits registriert, eine große Welle sei das aber noch nicht, meint Finn. „Die Kunden wollen ja meist, dass es vorangeht“, ist seine aktuelle Erfahrung. Andere Handwerksbranchen spüren die Folgen der Pandemie dagegen schon deutlicher.

Vor allem Gebäudereiniger seien wegen geschlossener Schulen und anderer Institutionen betroffen, teilte der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) gestern mit. Aber auch Altenheime, Krankenhäuser und die Industrie stoppten ihre Aufträge. Die Coronakrise sei mittlerweile im gesamten Land in fast allen Branchen angekommen, habe eine Blitzumfrage des BWHT unter seinen Mitgliedsbetrieben ergeben.

Gebremst werden könnte das Baugeschehen im Landkreis Ludwigsburg in den kommenden Wochen auch durch Engpässe beim Material. Obermeister Hermann Lorenz hat dies schon selbst erlebt, als größere Kalksteine nicht fristgerecht geliefert wurden. Das Unternehmen aus der Nähe von Rastatt habe Probleme, weil viele seiner Beschäftigten aus dem Elsass kämen und wegen Coronaverdacht nicht zur Arbeit gehen konnten.

Dass durch die Coronakrise Wohnungen und Häuser billiger werden, glauben Branchenkenner nicht. „Die Krise wird sich langfristig nicht auf die Preise auswirken“, prognostiziert Jürgen Pflugfelder, Seniorchef der gleichnamigen Ludwigsburger Immobiliengruppe. Denn der Bedarf an Wohnraum in der Region bleibe unverändert groß. Und Pflugfelder erwartet, dass der Bau von allen Branchen am besten durch die Krise kommt.

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