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S-Bahn Pünktlicher durch die Pandemie

Die Coronakrise beschert der S-Bahn in der Region deutlich weniger Fahrgäste. Doch dafür waren 2020 viele Züge offenbar pünktlicher unterwegs.

Passagiere sitzen in einer S-Bahn: Die Züge sind in der Krise so pünktlich unterwegs wie seit 2013 nicht mehr. Allerdings sind die Fahrgastzahlen im Coronajahr 2020 auch um mehr als 40 Prozent eingebrochen.Foto: Marijan Murat/dpa
Passagiere sitzen in einer S-Bahn: Die Züge sind in der Krise so pünktlich unterwegs wie seit 2013 nicht mehr. Allerdings sind die Fahrgastzahlen im Coronajahr 2020 auch um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Foto: Marijan Murat/dpa
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Kreis Ludwigsburg. Der Ton hat sich verändert. Es ist erst wenige Jahre her, da wurden die Zusammenkünfte der regionalen Verkehrspolitiker mit den Managern der Bahntochter DB Regio als S-Bahn-Gipfel hochgejazzt. Meistens geriet der Stuttgarter S-Bahn-Chef Dirk Rothenstein angesichts chronisch unpünktlicher Züge schnell in die Defensive und unter Rechtfertigungsdruck. „Mittlerweile ist es ruhiger geworden“, sagte der Freie Wähler und ehemalige Böblinger Landrat Bernhard Maier am Mittwoch im regionalen Verkehrsausschuss.

Das liegt aber nicht daran, dass die S-Bahn wieder in der Spur wäre. Auch im Coronajahr 2020 fuhr sie ihren selbst auferlegten Pünktlichkeitszielen hinterher, wenn auch weniger dramatisch. Laut Rothenstein waren im vergangenen Jahr 90,7 Prozent der S-Bahnen weniger als drei Minuten verspätet (plus 6,3 Prozent). Bezogen auf die Sechs-Minuten-Pünktlichkeit erreichten 97,3 Prozent (plus zwei Prozent) der Züge ihren Zielbahnhof. Schlechter sieht es in der Rushhour mit 85,8 Prozent beziehungsweise 96,1 Prozent aus. Unter dem Strich sieht Rothenstein die S-Bahn in der Region dennoch so gut wie seit 2013 nicht mehr unterwegs. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte der Bahnmanager im Verkehrsausschuss. „Doch es bleibt einiges zu tun.“

Denn die Zahlen hinken ganz offensichtlich. Weil 2020 wegen Corona rund 41 Prozent weniger Fahrgäste die S-Bahnen nutzten – statt 133 Millionen Menschen 2019, eine Rekordmarke, waren es im vergangenen Jahr nur noch 78,6 Millionen. Auf der unterirdischen Stammstrecke zwischen Hauptbahnhof und Schwabstraße ging es gar um 44 Prozent in den Keller. Rothenstein sprach im Ausschuss daher von einem „sehr speziellen und besonderen Jahr“, was auch für die ausgefallenen Zugkilometer gelten würde. Hier stehen rund 397000 Kilometer in der Bilanz zu Buche.

Obendrauf kommen noch Ausfälle, für die im Februar 2020 das Sturmtief Sabine und ein Kabelbrand im Hauptbahnhof sorgten. Im Oktober führte die Pandemie zudem zu einem hohen Krankenstand bei den Lokführern.

Mit Blick auf die Pünktlichkeitswerte sprach der CDU-Regionalrat Rainer Ganske am Mittwoch von einer „erklärungsbedürftigen Diskrepanz“ – trotz geringerer Auslastung der Züge werden die vereinbarten Zielwerte immer noch nicht erreicht. Die Freien Wähler sehen wenig Perspektiven, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern könnte. Die FDP führte ins Feld, dass immerhin ein positiver Trend erkennbar sei.

Die Stuttgarter Grüne Heike Schiller findet unterdessen „bemerkenswert“: Je weniger Fahrgäste unterwegs seien, desto höher würden die Zufriedenheitswerte der verbliebenen Kunde steigen. Dennoch „hoffen wir alle, dass die Fahrgastzahlen nach der Pandemie schnell wieder nach oben zeigen“, rief die Sozialdemokratin Ines Schmidt im Ausschuss.

Der S-Bahn-Chef Rothenstein verwies darauf, dass der Ausbau der Flotte trotz Krise konsequent fortgeführt werden soll. Von 6 bis 21 Uhr sind die Züge jetzt im 15-Minuten-Takt unterwegs. Mobile Reinigungsteams und automatisches Türöffnen an den Stationen sollen für Sicherheit sorgen. Demnächst kommen offenbar auch die seit Langem bestellten 58 neue Züge in Stuttgart an. Für Luft soll darüber hinaus der elektronische Lotse ETCS sorgen, der die S-Bahnen auf der Stammstrecke enger takten werde – wenn Stuttgart21 in Betrieb geht.

„Kaum Hoffnung“ hat Rothenstein jedoch, dass die S-Bahnen in der Rushhour jemals eine Drei-Minuten-Pünktlichkeit von 91,5 Prozent erreichen werden. „Dieser Zielwert ist extrem anspruchsvoll.“

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