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Schnelltests sparen wertvolle Zeit

Betreiber von Alten- und Pflegeheimen begrüßen neue Möglichkeit – Einrichtungen müssen eigene Konzepte erstellen

Das Ergebnis eines Schnelltests liegt in der Regel nach 20 Minuten vor.Archivfoto: Bodo Schackow/dpa
Das Ergebnis eines Schnelltests liegt in der Regel nach 20 Minuten vor. Foto: Bodo Schackow/dpa

Kreis Ludwigsburg. Wenn sich Stefan Ebert am Telefon meldet, schwingt in seiner Stimme mehr als nur eine Spur Erschöpfung mit. Der Geschäftsführer der Kleeblatt gGmbH, die im Landkreis 26 Alten- und Pflegeheime mit rund 730 Plätzen betreibt, hat schon in „normalen“ Zeiten keinen einfachen Job, doch die Coronapandemie stellt alle Einrichtungen der Altenhilfe vor große zusätzliche Herausforderungen. Was der Ausbruch von Covid-19 bedeuten kann, hat Ebert jetzt mit den Infektionen im Kompetenzzentrum Demenz in Freudental erlebt. Und so blickt der Chef der Kleeblattheime mit Sorge auf die Entwicklung der Fallzahlen im Landkreis und auf die möglichen Folgen für die Bewohner seiner Einrichtungen.

„Bei uns schrillen die Alarmglocken inzwischen sehr schnell“, beschreibt Ebert die auch bei den Mitarbeitern wachsende Anspannung. Zwar ist es bislang außer in Freudental in keinem weiteren Kleeblatt-Heim zu einem Corona-Ausbruch gekommen, aber als es in Hemmingen sechs Verdachtsfälle gab, wurde sofort ein Besuchsverbot verhängt, bis die negativen Testergebnisse vorlagen. Als nicht ganz unproblematisch haben sich laut Ebert auch die Grippeimpfungen erwiesen, die viele Heimbewohner zurzeit erhalten. Einige zeigten daraufhin Symptome, und auch hier konnten erst Tests klären, dass es sich um Impfreaktionen und nicht um eine Infektion mit dem Coronavirus handelte.

Insofern ist der Kleeblatt-Geschäftsführer froh, dass seit vergangener Woche die Testverordnung der Bundesregierung gilt, die es ermöglicht, in Alten- und Pflegeheime Schnelltests zu machen. „Das ist sinnvoll und hätte zum Beispiel geholfen, die Situation in Freudental schneller einzudämmen“, sagt Ebert. Allerdings vermisst er auch so etwas wie einen Handlungsleitfaden für die Schnelltests. Da würden die Pflegeeinrichtungen mit der Erarbeitung von Konzepten alleingelassen, noch dazu würde der personelle Aufwand auf die Heime abgewälzt. Denn nur speziell geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfen die sogenannten Antigen-Schnelltests vornehmen, deren Ergebnis in der Regel nach 15 bis 20 Minuten vorliegt und die bei einem positiven Resultat den üblichen PZR-Test nach sich ziehen.

Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung hat auch die Evangelische Heimstiftung (EHS) ihre Strategie überprüft und ist laut Pressesprecherin Alexandra Heizereder „zuversichtlich“, die Krise weiterhin zu meistern. Der Träger, der im Landkreis elf Einrichtungen betreibt – zum Beispiel das Walter-und-Emilie-Räuchle-Stift in Poppenweiler oder das Haus am Remsufer in Remseck – hat Schnelltests für drei Pilothäuser bestellt, dort werde erprobt, welches Produkt für die Mitarbeiter am praktikabelsten sei, so Heizereder. Getestet werde dann aber nur mit Anlass, sprich, wenn ein Bewohner oder ein Mitarbeiter Symptome zeige, ein Bewohner aus dem Krankenhaus zurückkomme oder bei Neuaufnahmen. Auch noch die Besucher zu testen, sei eine „größere Herausforderung“, das sei logistisch und personell fast nicht zu leisten.

Seit Mai hat es laut Alexandra Heizereder in den Einrichtungen der landesweit agierenden EHS keine Infektionen mehr gegeben, „wir haben mit der Einhaltung der AHA-Regeln sehr gute Erfahrungen gemacht“.

„Alles, was Zeit spart, ist hilfreich“, mit diesem Satz bewertet Daniel Groß, Regionalgeschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) die Einführung der Schnelltests, auch wenn er mit Blick auf die noch zu erstellenden Konzepte mit „drei bis vier Wochen rechnet, bis die Schnelltests in den Einrichtungen rundlaufen“. Wie Stefan Ebert von den Kleeblatt-Heimen, so beklagt auch Groß (zu) lange Wartezeiten, bis das Ergebnis der bislang üblichen PZR-Tests aus den Laboren vorliegt. In Einzelfällen habe es sechs Tage gedauert, das sei für Pflegeeinrichtungen viel zu lang.

Der ASB beschafft für seine Einrichtungen die Schnelltests zentral, die Schulungen der Mitarbeiter laufen jetzt an. Doch auch die Lieferzeiten der Tests, „die eher bei Tagen als bei Stunden liegen“ legten nahe, dass es mit dem flächendeckenden Einsatz noch etwas dauere, so Groß.

Aktuell gibt es in den ASB-Heimen in Benningen, Großbottwar und Ludwigsburg keine Coronafälle, „wir hatten im September in Benningen einen Infizierten, der aus dem Krankenhaus zurückkam. Nach zwei Wochen Quarantäne war aber Corona für ihn und für die Einrichtung ohne weitere Infektionen ausgestanden“.

Heimstiftung würde gegen Besuchsverbot klagen

Seit die Zahl der Corona-Infektionen wieder sprunghaft ansteigt, wird auch erneut über ein Besuchsverbot in Alten- und Pflegeheimen diskutiert. Das soll zwar die ob ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen besonders gefährdeten Bewohner vor einer Ansteckung schützen, die Erfahrungen des Frühjahrs haben aber auch gezeigt, dass die Isolation durch fehlende Besuche die alten Menschen psychisch schwer belastet.

Vor diesem Hintergrund hat sich inzwischen Bernhard Schneider, Hauptgeschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung, sehr eindeutig positioniert: Sollten erneut Besuchsverbote verhängt werden, werde die Heimstiftung dagegen klagen. In den zurückliegenden Monaten gab es in den Einrichtungen der EHS kein Besuchermanagement, es wurden lediglich die Kontaktdaten erhoben, so Pressesprecherin Alexandra Heizereder. Liegt in einem Landkreis die 7-Tage-Inzidenz bei mehr als 50 – also so hoch, wie im Landkreis Ludwigsburg – wird bei den Besuchern Fieber gemessen und nach Symptomen gefragt. Sollte es in einem Heim zum Ausbruch kommen, müssten die Besucher FFP-2-Masken tragen. Die Zuteilung von Besuchsterminen wäre dann erst ein weiterer Schritt, „das wäre auch personell ein riesiger Aufwand“, so Heizereder.

Ein Besuchsverbot wäre aus Sicht von Stefan Ebert, dem Geschäftsführer der Kleeblatt-Heime im Kreis Ludwigsburg, „absolut nicht gut“. Die Bewohner hätten im Frühjahr gelitten, „es gibt einfach keinen adäquaten Ersatz für soziale Kontakte“. Auch als es jetzt zu den zahlreichen Infektionen im Freudentaler Kleeblatt gekommen sei, habe man den Angehörigen von Sterbenden Besuche gestattet – „dick verpackt in Schutzkleidung“.

Daniel Groß, Regionalgeschäftsführer beim ASB, würde sich dagegen wünschen, dass „wir Einrichtungen großzügig abriegeln können, wenn es erforderlich sein sollte“. Nur so ließe sich seiner Einschätzung nach ein Ausbruch von Covid-19 schnell eindämmen. Bislang gibt es in den ASB-Heimen keine Einschränkungen für die Besucher, während in den Kleeblättern pro Bewohner zwei Besucher am Tag erlaubt sind. (fri)

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