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Gardetanz

Spagat auf höchstem Niveau

Die Crème de la Crème des deutschen Garde- und Schautanzsports gab sich am Wochenende ein Stelldichein im Bottwartal, als der TSC Dance Inspiration Großbottwar-Oberstenfeld sein Ranglistenturnier in der Gronauer Mehrzweckhalle ausrichtete. Dabei wurde deutlich: Garde- und Schautanz ist echter Hochleistungssport.

Es sieht so einfach aus, doch Garde- und Schautanz ist echter Hochleistungssport.Fotos: Holm Wolschendorf
Es sieht so einfach aus, doch Garde- und Schautanz ist echter Hochleistungssport. Foto: Holm Wolschendorf
Die Veranstaltung lockt hauptsächlich Mädchen und Frauen an.
Die Veranstaltung lockt hauptsächlich Mädchen und Frauen an.

Oberstenfeld. Rund um die Mehrzweckhalle im Oberstenfelder Ortsteil Gronau herrschen schon am Samstagvormittag recht beengte Parkverhältnisse. Der Grund: Das Ranglistenturnier des Deutschen Verbands für Garde- und Schautanz, das der TSC Dance Inspiration Großbottwar-Oberstenfeld ausrichtet. Alljährlich finden im gesamten Bundesgebiet mehrere solcher Großturniere statt, die den Teilnehmern nicht zuletzt die Möglichkeit bieten, sich für die Deutschen Meisterschaften am Saisonende zu qualifizieren.

Etwa 800 Tänzerinnen und Tänzer aus verschiedenen Bundesländern sind nach Gronau gekommen. „Wir haben einen straffen Zeitplan aufgestellt“, sagt der TSC-Vorsitzende Peter Vosseler, zeigt sich aber zuversichtlich. „Wir kriegen das hin.“ Auf dem Programm stehen verschiedene Disziplinen wie „Marschtanz“, „Polka“, „Modern“ oder „Freestyle“. Am Samstag sind die Schüler und Jugendlichen an der Reihe, am Sonntag folgt die Hauptklasse.

Getanzt wird solo, in der Gruppe, als Paar oder als Duo. Auffallend: Die 800 Sportler sind fast ausschließlich Mädchen und junge Frauen. „Männer sind im Garde- und Schautanz rar gesät, das ist schon ein großes Manko“, meint Vosseler. „Dabei brauchen wir sie unbedingt, zum Beispiel für den Paartanz oder für die Hebefiguren.“ Dass Mädchen Fußball spielten, sei längst völlig normal, so der Vereinsvorsitzende. „Und das ist auch gut so. Aber das Klischee, dass Tanzen ein Sport für Frauen ist, hält sich immer noch hartnäckig – leider.“

Derweil versuchen die Sportlerinnen, mit Sprüngen, Rädern und Spagaten auf höchstem Niveau zu überzeugen und vor allem bei der aufmerksam spähenden Jury zu punkten. „300 Punkte sind die absolute Höchstleistung“, erklärt Vosseler, während TSC-Tänzerin Ylenia Kleinknecht im Schülerinnenwettbewerb startet. Sie legt einen flotten Solotanz auf die Bühne. Auch unkundigen Laien wird bei diesem energiegeladenen Auftritt schnell und unmissverständlich klar, dass Garde- und Schautanz echter Hochleistungssport ist.

Zu Beginn ist Kleinknechts Vereinsvorsitzender, der das Spektakel aus einiger Entfernung verfolgt, noch nicht ganz zufrieden. „Mehr lachen, Ylenia, das wirkt noch zu steif“, mäkelt Vosseler, auch wenn ihn die Tänzerin nicht hören kann. Doch sie gibt alles, kann im weiteren Verlauf die Jury überzeugen und wird mit satten 260 Punkten belohnt. Jetzt strahlt auch der TSC-Chef. „Im Schülerbereich ist das ein absolutes Top-Ergebnis, mehr geht fast nicht.“

Die Großveranstaltung ist nicht nur für die dick geschminkten Sportlerinnen, sondern auch für die Organisatoren eine echte Herausforderung. Von Donnerstag bis Montagabend gebe es jede Menge zu tun, erzählt Vosseler. Und während der Saison besuche man von November bis Anfang Mai ja auch noch Turniere im gesamten Bundesgebiet. „Langweilig wird’s auf jeden Fall nicht“, schmunzelt der Vorsitzende.

Vosseler ist im Dauerstress, kann sich im Gegenzug aber immer wieder über herausragende Leistungens seiner Schützlinge freuen. Im vergangenen Jahr etwa belegte Fabienne Hoffmann bei den deutschen Meisterschaften den dritten Platz in der Kategorie „Garde solo“, auch andere TSC-Mitglieder überzeugten mit guten Leistungen auf Bundesebene. Hoffmann startete ihre Tanzkarriere im Murrer Karnevalsverein, vor 13 Jahren wechselte sie in den Garde- und Schautanzsport.

Weil sie beim damals neu gegründeten TSC die erste Tänzerin überhaupt war, stand sie zunächst nur solo auf der Bühne. Schon bald stießen weitere Kolleginnen und einige wenige Kollegen dazu, heute sind etwa 50 Sportler im TSC aktiv. Sie möge die Akrobatik des Tanzsports, erzählt Hoffmann, und die vielen verschiedenen Disziplinen böten viel Abwechslung. Zudem sei der Zusammenhalt im Team wichtig. „Das alles macht Garde- und Schautanz zu einem einzigartigen Sport.“

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