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„Wir brauchen alles – Geld und Sachspenden“

Tafelläden im Landkreis Ludwigsburg benötigen dringend Ware und Hilfe von jüngeren Ehrenamtlichen

In Corona-Zeiten werden im Strohgäuladen in Ditzingen nur noch Tüten gepackt und vor dem Laden verkauft.Archivfoto: Benjamin Stollenberg
In Corona-Zeiten werden im Strohgäuladen in Ditzingen nur noch Tüten gepackt und vor dem Laden verkauft. Foto: Benjamin Stollenberg

Kreis Ludwigsburg. Die Tafelläden im Landkreis reagieren auf die Corona-Pandemie: Manche schließen komplett, andere verkaufen vor der Tür. Diejenigen, die noch weiter aufhaben, brauchen dringend (Lebensmittel-)spenden und (jüngere) ehrenamtliche Helfer.

„Solange ich da bin, hat der Laden geöffnet!“, sagt Tanja Rapp vom Marbacher Tafelladen, in dem Menschen mit wenig Geld zu einem symbolischen Preis einkaufen können. Aber ihr gehen langsam Mitarbeiter und Lebensmittel aus.

Viele der ehrenamtlichen Helfer in den Tafelläden sind über 60, gehören damit zur Risikogruppe und sagen nach und nach ab. Auch an Lebensmitteln wird es in den nächsten Tagen fehlen: „Diese Woche ging’s noch, nächste Woche – mal sehen“, sagt Tanja Rapp und freut sich, dass vor kurzem jemand Sauerkraut in Dosen und Essigflaschen vorbeigebracht hat, „dafür bin ich sehr dankbar“.

Denn zurzeit kaufen die Menschen in den regulären Supermärkten verstärkt haltbare Lebensmittel ein, so dass für die Tafeln wenig übrig bleibt. Gebraucht wird alles, auch Papiertaschentücher und Schokolade. „Vielleicht haben Bauern noch Kartoffeln übrig“, überlegt Tanja Rapp und erzählt von einem Mann, der von seinem Einkauf im Supermarkt eine Palette mit zwölf Bechern Joghurt beim Tafelladen vorbeigebracht hat. „Das war wunderbar, wir können das lagern, wir haben Kühlschränke“, sagt sie, „uns hilft alles: Jede Sachspende und jeder Euro.“

Woran es auch fehlt, sind Mitarbeiter im Verkauf, aber auch in der Stunde davor, wenn die Helfer zwischen 10 und 11 Uhr die Ware herrichten. Neulich habe ein junges Mädchen vom Friedrich-Schiller-Gymnasium spontan ihre Hilfe angeboten und sei sofort angelernt worden. Tanja Rapp: Wir haben Mundschutz, Desinfektionsmittel und Handschuhe, selbstverständlich schützen wir unsere Mitarbeiter.“

Im Strohgäuladen in Ditzingen packen Martina Holler und ihre beiden Mitarbeiterinnen jeden Tag rund 50 Tüten zum Preis von einem Euro, die aus Hygienegründen vor dem Laden abgegeben werden. Obst, Gemüse, Kartoffeln stecken in den Tüten. Auch Nudeln, Mehl und Zucker, gibt es noch, aber die Vorräte schrumpfen, die Läden sind leergekauft.

Bei der Ludwigstafel in Ludwigsburg verkaufen Margit Handler und ihre verbliebenen Helfer „von innen nach außen“, um eine mögliche Ansteckung zu vermeiden. Die Kunden nehmen die Ware vor dem Laden in Empfang. Dank zahlreicher Spenden gibt es auch noch etwas zu verkaufen. „Das ist so toll“, freut sich Margit Handler, „die Leute rufen an und fragen, was gebraucht wird, oder bringen einfach etwas vorbei – das ist das Positive bei der ganzen Dramatik.“

Die Mobile Tafel, die einmal in der Woche das Bottwartal bedient, hat ihren Betrieb eingestellt, zunächst bis die Schule wieder beginnt. „Wir brauchen für die Fahrt mindesten vier Mitarbeiter“, sagt Diakonin Margarethe Herter-Scheck, am Mittwoch waren sie gerade mal zu zweit. Auch der Tafelladen in Vaihingen ist seit Montag geschlossen. „Schweren Herzens hat sich das Team dazu entschlossen“, sagt Michaela Siems, aber der Schutz der vielen älteren Mitarbeiter gehe vor. Geschlossen hat auch der Tafeladen in Bietigheim.

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