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Jubiläum

102 Menschen leisten Hilfe für die Seele

Seit 20 Jahren ist die Notfallseelsorge im Landkreis Ludwigsburg im Einsatz – Großer Festakt in der Kirche des Residenzschlosses

Prälatin Gabriele Arnold.Foto: Oliver Bürkle
Prälatin Gabriele Arnold. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Die Kirchenbänke waren dicht gefüllt, die Atmosphäre festlich, als der Kreisspielmannszug die Veranstaltung mit einem musikalischen Beitrag eröffnete. Ulrich Gratz, der Leiter der Notfallseelsorge, und Moderator Dietmar Müller konnten zahlreiche Gäste aus den Reihen von Polizei und Feuerwehr, Kirchen, Hilfsorganisationen und Politik begrüßen. Steffen Bilger, heimischer CDU-Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär, war ebenso wie Kreisräte und Landtagsabgeordnete der Einladung gefolgt. Landrat Dr. Rainer Haas hatte die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen. Die Notfallseelsorge bedeute für den Landkreis und für ihn ganz persönlich, dass in einem Notfall die Betroffenen und Angehörigen nicht allein seien, sondern Hilfe und Unterstützung erhielten.

„So wie man keinen Menschen ertrinken lassen kann, lassen wir keinen Menschen mit seinem Leid und seiner Angst allein“, sagte Prälatin Gabriele Arnold. Vor 20 Jahren habe man eine gute Entscheidung getroffen, als sich die Kirchen gemeinsam mit dem Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) dazu entschlossen hätten, auf diesem Feld Verantwortung zu übernehmen. „Die besten Strukturen wären nichts wert, wenn sie nicht mit Herzblut gefüllt wären“, so die Theologin, die selbst in der Notfallseelsorge tätig war. „Ich weiß, wie belastend, aber auch wie lebensnotwendig dieser Dienst ist“, sagte sie. Der Einsatz jedes Einzelnen sei geprägt von der Liebe zu ganz unterschiedlichen Menschen.

Unter dem Eindruck schlimmer Unglücke, unter anderen handelte es sich dabei um ein schweres Busunglück in Donaueschingen mit 21 Toten, hatte die Landeskirche sogenannte Katastrophenpfarrer berufen. Im Laufe der Jahre ist der Kreis der Ehrenamtlichen im Landkreis Ludwigsburg stetig erweitert und die Tätigkeit professionalisiert worden.

Heute verfügt die Notfallseelsorge hier über 102 Mitarbeiter. Prälatin Arnold hob besonders den Bereich der interkulturellen Seelsorge hervor: So sind derzeit 15 muslimische Notfallhelfer im Einsatz. „Die Erste Hilfe für die Seele ist unabhängig von der Religion und der Weltanschauung“. Dahinter stehe die Einstellung, dass jeder Fremde, der plötzlich in Not gerate, zum Nächsten werde. „Sie setzen damit ein Zeichen der Menschlichkeit“, richtete sie sich an die anwesenden Notfallseelsorger.

„Wir können Ihren Einsatz nicht hoch genug schätzen“, sagte Franz Spitzmüller, der als stellvertretender Präsident des Polizeipräsidiums Ludwigsburg das Wort für die sogenannten Blaulichtfraktionen ergriff. Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte erleben täglich Situationen mit schlimmen Folgen für die Betroffenen, deren Angehörige, aber auch für die Rettungskräfte. Die Notfallseelsorge mit ihren geschulten Mitarbeitern biete hier eine professionelle Betreuung. So begleiten sie Polizeibeamte, wenn diese Todesnachrichten überbringen müssen, betreuen Unfallopfer oder helfen den Einsatzkräften bei der Bewältigung schwieriger Situationen. „Die Betreuung der Notfallseelsorger hört auch dann nicht auf, wenn die der Rettungskräfte beendet ist“, so Franz Spitzmüller.

Die Ehrung langjähriger Notfallseelsorger durch Ulrich Enders, Beauftragter für Notfallseelsorge in der Evangelischen Landeskirche, bildete den Höhepunkt der Veranstaltung. Die Urkunden und Auszeichnungen in Gold, Silber und Bronze überreichte Renate Kottke, Vizepräsidentin des DRK-Landesverbandes. In sehr persönlichen Worten würdigte Ulrich Enders das Wirken und den Einsatz jedes Geehrten. Ganz besonders hob er den Einsatz von Ulrich Gratz hervor, der als Katastrophenpfarrer der evangelischen Kirche begonnen habe und jetzt die Arbeit der Notfallseelsorge im Landkreis Ludwigsburg koordiniert. Enders bezeichnete ihn als „Integrationsgestalt und Brückenbauer“.

Auch die Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes im Landkreis Ludwigsburg feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Und so zogen vier Vierbeiner in Begleitung von einem Dutzend zweibeinigen Mitgliedern der Hundestaffel durch die Schlosskirche in Richtung Altarraum. Hier ließen die Ehrenamtlichen in kurzen Wortbeiträgen die vergangenen 20 Jahre Revue passieren. Zuvor hatte Renate Kottke vom DRK-Landesverband darauf aufmerksam gemacht, dass dieses Engagement mit „hohem Zeitaufwand und viel Leidenschaft“ verbunden sei.

350 Einsätze und 10 000 Übungsstunden sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten absolviert worden. Bei den Übungen in der freien Natur wurden nicht nur unzählige Liter Kaffee und kiloweise Gummibärchen verzehrt, sondern auch circa 60 Kilo Babypulver verstreut, um die Windrichtung zu überprüfen. „Wir trainieren viel und hart, um Menschen zu retten“, so eine Ehrenamtliche. Für ihr besonderes Engagement geehrt wurden Carlo Rasi, Tanja Freund, Ute Höfer und Günter Brucks.

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