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Nahverkehr

1,3 Kilometer mehr für Busse

Verwaltung will auf einfache Weise Busspuren in der Schorndorfer Straße und Schlossstraße einrichten

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Ludwigsburg. Als noch vom BRT (Bus Rapid Transitz) die Rede war, glaubten manche, dass die Straßen komplett für neue Trassen umgekrempelt werden. Inzwischen kämpft sich die Stadt Meter für Meter voran, um den Bussen etwas mehr freie Fahrt zu verschaffen. Ein Vorgehen, das der Gemeinderat unterstützt – und das vergleichsweise fast nichts kostet.

1,3 Kilometer Strecke sind es etwa, auf denen jetzt Busspuren neu abmarkiert werden. Beide Straßen – die Schorndorfer Straße und die Schlossstraße, die eine aus dem Osten und die andere vom Norden – führen auf die Sternkreuzung zu, die die Busse auf dem Weg zur Innenstadt und zum Bahnhof passieren müssen. Bereits im März sollen erste Arbeiten erfolgen, in der Schlossstraße will man ab 20. April ran.

Abgeteilt wird eine eigene Busspur in der Schorndorfer Straße von der Haltestelle Harteneckstraße bis vor zur Fußgängerampel beim Blühenden Barock, wo der Bus wieder auf die Normalspur Richtung Innenstadt wechseln muss. Er darf vor den Autos losfahren. In der Schlossstraße wird, wie bereits berichtet, eine Busspur von der Einmündung der Marbacher Straße bis hoch zur Sternkreuzung abmarkiert. Die Bushaltestelle wird auf die Höhe des Eingangs zum Schloss und zum Marstall verlegt.

Dass die schlichte Variante nochmals vereinfacht worden ist, zeigt die diese Woche vorgelegte Planung im zuständigen Ausschuss für Mobilität, Tiefbau und Umwelt. Statt die Busspur wie bisher propagiert auf die mittlere Fahrspur zu verlegen, wo später auch die Stadtbahntrasse verläuft, bleibt der Bus stadteinwärts am rechten Fahrbahnrand. Mit dem Nachteil, so hieß es vor Wochen, dass der Bus dort von einparkenden Autos oder – so FDP-Stadträtin Stefanie Knecht im Ausschuss – von Mülltonnen, die an den Straßenrand gestellt werden, aufgehalten wird. Fast täglich parken dort auch Fahrzeuge in der zweiten Reihe und damit auf der Spur, die künftig Busspur werden soll.

Den Vorteil sieht die Stadt darin, dass diese Busspur ohne großen Aufwand und kostengünstig hergestellt werden kann. Beide Maßnahmen mit 20.000 Euro können aus dem laufenden Unterhalt heraus finanziert werden. „Es ist eine schnelle und kostengünstige Übergangslösung“, so Christoph Hubberten vom Fachbereich Nachhaltige Mobilität. „Eine Spur auf der späteren Stadtbahntrasse geht nur mit Umbauten, das wollten wir jetzt vermeiden“, so Bürgermeister Michael Ilk. Fahrgäste sollen nicht auf einer Verkehrsinsel auf den Bus warten müssen. Auch haben die Busse ihre Türen rechts – also wären sie auf der falschen Seite, müssten die Leute von der Straßenmitte aus einsteigen.

Die Stadträte begrüßen die Maßnahme durchweg, SPD und Grüne mit großem Hallo, die CDU und Freien Wähler mit leichten Bedenken wegen Staus in der Schlossstraße. Allein die FDP klagt, dass dem Autoverkehr eine Spur weggenommen wird. Der Bus bekomme exklusiv eine eigene Spur, so Stefanie Knecht, zum Nachteil aller anderen Verkehrsteilnehmer.

Sie attackierte die Umweltspur, die nun doch plötzlich Bussen und Radfahrern den Weg frei mache. Denn auf der Busspur dürfen auch Radfahrer fahren, nicht aber Autos. Das funktioniere nicht, meint sie, ganz im Gegensatz zu den anderen, die darin kein Problem sehen. Auch Ludwigsburgs Busbetreiber, die Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL), können damit umgehen. Der Bus, heißt es, dürfe schließlich auch überholen.

Die Grünen stehen hinter der Busbeschleunigung, Silke Gericke erinnert aber daran, dass die Busse nur eine Ergänzung zur Stadtbahn sein können. CDU-Stadtrat Armin Klotz warnt vor dem „kleinen Chaos“ in der Schlossstraße, jeden Morgen staue sich dort der Verkehr, der nun auf eine Spur verengt werde. So auch Andreas Rothacker (Freie Wähler), der auf eine entsprechende Ampelschaltung setzt. Die Stadt will das Verkehrsaufkommen beobachten und gegebenenfalls reagieren.

Lob kommt von Nathanael Maier (SPD), der lediglich verlangt, zügiger den Nahverkehr voranzubringen. „Die Planung ist schlüssig“, befand er. Als Schritt in die richtige Richtung sieht es Jürgen Müller (Linke). Auch die LVL ist, so deren Betriebsleiter, froh über jeden Meter, den die Busse zugesprochen bekommen.

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