Logo

Bahnhof

Barrierefrei, freundlicher und sauberer

15 ehrenamtliche Bürger bilden seit November 2019 den neuen Bahnhofsrat Ludwigsburg. Sie haben sich auf die Fahne geschrieben, zu allen Themen rund um den Bahnhof Stellung zu nehmen. Wir haben mit zweien von ihnen über Pläne, Zusammenarbeit und Herausforderungen gesprochen.

Wollen etwas verändern: Stephan Farrenkopf und Meike Riley setzen sich gemeinsam mit dem neuen Bahnhofsrat für die Belange am und im Bahnhof ein. Foto: Andreas Becker
Wollen etwas verändern: Stephan Farrenkopf und Meike Riley setzen sich gemeinsam mit dem neuen Bahnhofsrat für die Belange am und im Bahnhof ein. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Im Grunde sind Meike Riley und Stephan Farrenkopf zwei alte Hasen, wenn es um die Belange rund um den Ludwigsburger Bahnhof geht. Für beide ist es bereits die zweite „Amtszeit“ im Bahnhofsrat. Denn auch unter Ex-Oberbürgermeister Werner Spec gehörten sie dem Rat an. Der hatte immer wieder von einem „Wohlfühlbahnhof“ gesprochen. Doch davon scheint Ludwigsburg auch 2020 noch weit entfernt. Nichtsdestotrotz wehe unter Oberbürgermeister Matthias Knecht und in Zusammenarbeit mit Bahnhofsmanager Axel Müller ein neuer Wind, wie die beiden gebürtigen Ludwigsburger erzählen. „Dieses Mal verspreche ich mir mehr davon“, sagt Meike Riley mit Hinblick auf ihr Engagement im neuen Bahnhofsrat.

Doch was genau versteckt sich hinter diesem „mehr“? Im Grunde hat der neue Bahnhofsrat den Fokus seiner Arbeit auf drei große Eckpfeiler gelegt: die Barrierefreiheit, die Sicherheit und die Sauberkeit. „Die Barrierefreiheit ist sicherlich das Nonplusultra“, sagt Stephan Farrenkopf. „Doch dieses Ziel erreichen wir nicht von heute auf morgen und auch nicht innerhalb eines Jahres.“ Es sei alles auch immer eine Frage der Größenordnung, der Zuständigkeit und des Geldes.

Fest steht für Riley und Farrenkopf, dass der Bahnhof einfach zu viele Treppen hat, die komplette Infrastruktur sei nicht optimal. Auch die Aufzüge seien zu häufig defekt. Und wenn sie funktionieren, dann dauere alles einfach zu lange. „Der Bahnhof ist einfach in die Jahre gekommen“, so die 52-jährige Riley. Ein großes Thema, welches der Bahnhofsrat ebenfalls nicht aus den Augen verlieren will, sind die Bahnsteighöhen. „Wie kann man auch da einwirken? Genau diese Frage stellen wir uns“, sagt Farrenkopf. Dass ein barrierefreies Ein- und Aussteigen in Ludwigsburg nicht einfach umzusetzen ist, das wissen beide. Dennoch wolle der Bahnhofsrat den Kopf nicht in den Sand stecken.

Es seien aber auch die kleinen Schritte, die der Bahnhof brauche, um eine bessere Atmosphäre zu schaffen, um nutzerfreundlicher zu werden. Dabei regen Riley und Farrenkopf beispielsweise Hinweise für Blinde an, die die Orientierung am und im Gebäude und vor allem zu den Gleisen erleichtern. Oder auch ein neues Wegesystem, um leichter von A nach B zu kommen. „Immer nur zu schimpfen ist keine Alternative“, sagt der 49-jährige Farrenkopf.

Bewusstsein der Reisenden schärfen

Auch wenn seit der Zusammenkunft im November aufgrund der Coronakrise erst drei Treffen haben stattfinden können, sieht sich der Bahnhofsrat seinen Aufgaben gewachsen – und freut sich auf die kommenden Herausforderungen. „Es ist viel mehr Zug dahinter. Im wahrsten Sinne des Wortes“, so Riley. Auch in dieser kurzen Zeit – das erste Treffen fand am 6.Juli statt – habe sich schon etwas getan. Erst Anfang August haben Spezialisten von Kärcher kostenlos Teile des Bahnhofs gereinigt. Auch wenn die Treppenaufgänge aufgrund des zu hohen Fahrgastaufkommens zunächst auf der Strecke blieben (wir berichteten), habe diese Aktion einen positiven Eindruck hinterlassen. „So etwas müsste es eigentlich viel öfter geben“, sagt Riley, die selbst fast täglich am oder im Ludwigsburger Bahnhof ist.

Doch beim Thema Sauberkeit müsse zusätzlich viel mehr das Bewusstsein der Reisenden geschärft und Befindlichkeiten geschaffen werden. Dies könne beispielsweise durch verschiedene Plakataktionen geschehen, wie Farrenkopf anmerkt. Denn eine Reinigung bekämpfe schließlich nur die Ursache, nicht aber das Problem.

Ein Problem für viele ist auch die Sicherheit am Ludwigsburger Bahnhof. Während sich Riley und Farrenkopf laut eigenen Aussagen sicher fühlen, haben viele der Reisenden eine andere Meinung. „Die ist aber subjektiv“, sagt Riley. Deshalb sei das Thema Sicherheit auch ein so schwieriges. Beide geben allerdings zu, dass „viele Ecken nicht optimal ausgeleuchtet“ sind, es hier und da Verbesserungsbedarf gebe. „Doch die Beleuchtung ist sicherlich das geringste Problem“, sind sich beide einig. Denn auch das hohe Fahrgastaufkommen trage dazu bei, dass man sich vielleicht nicht immer ganz so sicher fühle. „Wenn ich mit der Masse, die aus der Bahn steigt, die Treppe hinuntergespült werde, dann halte ich meine Tasche automatisch fester“, sagt Riley. „Denn dafür sind die Treppen einfach zu schmal.“

Im Fokus des neuen Bahnhofsrates stehe, die verschiedenen Schwachstellen zu lokalisieren und zu bündeln, sie inhaltlich zu füllen und dann in einzelnen Schritten zu beheben. „Dazu schauen wir auch, wen wir mit ins Boot holen können, von welchen Meinungen wir profitieren“, sagt Farrenkopf. „Der Bahnhof ist für eine Stadt ein Stück weit auch Aushängeschild. Der erste Eindruck ist ein bleibender.“ Deshalb wolle der Bahnhofsrat alles tun, um diesen ersten Eindruck aufzupolieren.

Arbeiten, bis alle Ziele erreicht sind

Zukünftig solle ungefähr alle zwei Monate ein Treffen in großer Runde mit allen 15 ehrenamtlichen Mitgliedern des Bahnhofsrates stattfinden. „Die Arbeit intensiviert sich jetzt“, sagt Farrenkopf, der selbst täglich mit der Bahn unterwegs ist. Dennoch setzt der Rat auch auf Treffen in kleineren Gruppen. „Die Gruppe ist sehr homogen. Doch jedes Mitglied hat seinen Bereich gefunden“, so Riley. Um die Arbeit des Rates publik zu machen, wolle man zudem vermehrt auf das Internet und die sozialen Medien zurückgreifen. Meike Riley sagt: „Wir wollen so lange arbeiten, bis wir nicht mehr gebraucht werden. Das heißt, bis alle Ziele erreicht sind.“

Autor: