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Ludwigsburg

Deutliches Minus bei Zahl der Einwohner in Ludwigsburg

Es sind ungewohnte Zahlen für eine Stadt, die noch vor wenigen Jahren stark gewachsen ist und sich auf dem Weg zur Großstadt mit 100000 Einwohnern wähnte. 2020 hat Ludwigsburg mit einem Minus von 432 Einwohnern nach vielen Jahren erstmals wieder deutlich Einwohner verloren.

Im Ludwigsburger Rathaus fällt die Bilanz 2020 bei der Zahl der Einwohner negativ aus. Foto: Holm Wolschendorf
Im Ludwigsburger Rathaus fällt die Bilanz 2020 bei der Zahl der Einwohner negativ aus. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Es war ein steiles und im Rathaus gefeiertes Wachstum, als Ludwigsburg in den Jahren von 2010 bis 2015 um weit über 7000 Einwohner zulegte. Danach hat sich mangels Wohnbau die Großstadt-Stimmung jener Jahre zwar deutlich eingetrübt, aber mit einem Minus, wie es jetzt die aktuelle Bilanz für das Jahr 2020 ausweist, hat kaum jemand gerechnet. Die Entwicklung spricht gegen alles, was man sich im Ludwigsburger Rathaus in all den Jahren vorgenommen hat.

Auf Anfrage unserer Zeitung hat die Stadtverwaltung die aktuellen Zahlen mitgeteilt und weitere statistische Auswertungen geliefert. In der Stadt Ludwigsburg lebten demnach zum 31. Dezember 2020 genau 93140 Menschen. Das sind 432 Einwohner weniger im Vergleich zum Beginn des Jahres 2020, als es noch 93572 Einwohner waren.

Sichtbar wird das Minus in zwei Bereichen. Im Jahr 2020 gab es 991 Geburten und 1047 Sterbefälle. Zudem sind zwar 6809 Personen nach Ludwigsburg zugezogen, aber gleichzeitig 7185 Menschen aus Ludwigsburg weggezogen. Somit fiel sowohl der sogenannte natürliche Saldo von Geburten und Sterbefällen als auch der Saldo von Zu- und Wegzügen für die Stadt negativ aus.

Da die Geburten nahezu auf Vorjahresniveau blieben (2019: 997), ist der negative natürliche Bevölkerungssaldo auf den Anstieg der Sterbefälle auf erstmals über 1000 zurückzuführen. Auch die Zahl der Sterbefälle je 1000 Einwohner war 2020 mit 11,2 deutlich höher als in den vorangehenden zehn Jahren.

Nach Beurteilung der Stadtverwaltung liegt diese Quote, auf ein ganzes Kalenderjahr gesehen, noch innerhalb einer normalen Schwankungsbreite – es lässt sich also nicht eindeutig sagen, dass dieser Anstieg bei den Sterbefällen sich auf die Coronapandemie zurückführen lässt. Die Statistiker im Rathaus haben aber auch registriert, dass die Sterbefälle im November und Dezember 2020 merklich angestiegen sind. Und dies könne durchaus auf eine pandemiebedingte Übersterblichkeit hinweisen. Und noch ein Hinweis auf die Auswirkungen der Pandemie: Einen überdurchschnittlich starken Anstieg bei den Todesfällen gibt es bei der Gruppe der Einwohner, die 85 Jahre und älter sind.

Die Wanderungen haben im Jahr 2020 gegenüber den Vorjahren insgesamt abgenommen, besonders aber die Zuzüge mit einem Minus um zehn Prozent. Zudem ist der Wanderungssaldo von minus 376 Einwohnern der signifikanteste seit mindestens 2006.

Dabei ist der direkte Austausch mit dem Ausland besonders stark zurückgegangen, um 27 Prozent sowohl bei den Zu- als auch den Wegzügen. Auch dies könnte nach Einschätzung im Rathaus eine Auswirkung der Pandemie sein: Es liege nahe, dass die Einschränkungen durch die weltweite Pandemie-Bekämpfung und der wirtschaftliche Slow-Down zu einer geringeren grenzüberschreitenden Mobilität geführt haben.

Die Statistiker haben sich den Wanderungssaldo auch nach Altersgruppen angeschaut. Besonders bei den 18- bis 25-Jährigen fanden 2020 deutlich weniger Wanderungen statt als im Vorjahr – seien es Zuzüge (minus 16 Prozent) oder Wegzüge ( minus 15 Prozent). Eventuell schlugen sich hier pandemiebedingte Verzögerungen beim Studien- oder Ausbildungsbeginn sowie das Online-Studium in einer geringeren Mobilität nieder.

Die Gruppe der 30- bis 40-Jährigen zeigt eine besonders starke Abnahme des Wanderungssaldos (von minus 40 im Jahr 2019 auf minus 269 im Jahr 2020). Sie stellt damit auch den größten Negativsaldo aller Altersgruppen. Diese Gruppe beinhaltet sowohl die jungen Berufstätigen als auch Jungeltern in der Familiengründungsphase. Es sei daher schwer zu sagen, welche Einflussfaktoren hinter dieser Entwicklung stecken, heißt es im Rathaus. „Es könnte der coronabedingte Trend der Stadtflucht eine Rolle spielen.“ Die Auswirkungen indes sind greifbar: Im Jahr 2020 zogen 202 Kinder mehr aus der Stadt weg, als zuzogen. Frühere Analysen deuteten auf einen Mangel an neuem Wohnraum als Ursache für den schmerzhaften Verlust junger Familien hin.

Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass auch Stuttgart einen negativen Wanderungssaldo von minus 7146 Personen verzeichnete. Der natürliche Bevölkerungssaldo war mit plus 807 jedoch positiv. Weitere Zahlen für die Region gebe es noch nicht. (red/map)