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Schorndorfer Straße

Pseudo-Busspur anstatt Parkplätze

Die Parkplätze vor dem Alten Friedhof werden komplett verschwinden. Das hat der Bauausschuss jetzt einstimmig beschlossen. Vieles an der Entscheidung ist erstaunlich.

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Die Parkplätze vor dem Alten Friedhof in der Schorndorfer Straße (links). Die komplette Reihe der Stellplätze stadteinwärts auf der rechten Seite (rechts) wird wegfallen.Fotos: Holm Wolschendorf
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Ludwigsburg. Ist jetzt das Ende des Autozeitalters in Ludwigsburg gekommen? Wohl nicht. Trotzdem ist die Entscheidung, die am Donnerstag einhellig von den Stadträten im Bauausschuss getroffen wurde, historisch. Auf einen Antrag von Freien Wählern und CDU werden die gut 25 Parkplätze auf der Nordseite der Schorndorfer Straße (vor dem alten Friedhof) zwischen Meierei- und Vischerstraße komplett und ersatzlos gestrichen. Die beiden Parteien verfolgten mit dem Schritt eigentlich das Ziel, auf diesem Abschnitt eine durchgängige Busspur bis zur Kreuzung mit der Harteneckstraße zu ermöglichen. Das ist allerdings nicht möglich.

Eigene Busspur nicht möglich

Laut Christoph Hubberten von der Stadtverwaltung müssten dafür auf beiden Seiten der Schorndorfer Straße die Parkplätze aufgegeben werden. Der Straßenraum ist schlichtweg zu klein, um auf anderem Weg eine „vollwertige Busspur“ einzurichten.

Da der Schritt, alle Parkplätze abzuschaffen, – derzeit – keine Mehrheit findet, brachte die Stadt einen Kompromiss ins Spiel. Statt einer eigenen Busspur schlug sie eine gemeinsame, überbreite Spur für Autos und Busse vor – vergleichbar mit denen in der Wilhelmstraße. Auf der rechten Seite, dort, wo heute die Parkplätze liegen, sollen auf dem Asphalt Busmarkierungen angebracht werden. „Das könnte eine Verbesserung auch ohne eigene Busspur bringen“, vermutet Hubberten. Wenn sich die Autofahrer an der Straßenmitte orientieren, kann der Bus bei Stau rechts an ihnen auf der Pseudo-Busspur vorbeifahren – zumindest theoretisch.

„Diese Kompromisslösung entspricht ungefähr dem, was wir beantragt haben“, zeigte sich Andreas Rothacker (Freie Wähler) zufrieden. Auch Reinhold Noz (CDU) war einverstanden, plädierte aber weiter für den Bau von Quartiersgaragen, um die wegfallenden Parkplätze zu ersetzen.

Für Elfriede Steinwand ist klar, dass die Parkplätze in diesem Abschnitt der Schorndorfer Straße komplett wegfallen müssen. „Anders funktioniert es nicht.“ Mit den dort Parkenden hat sie kein Mitleid. Die beanspruchten einen Platz für sich, der allen gehört. Margit Liepins (SPD) hat zwar ihre Zweifel, dass der Vorschlag der Stadt funktioniert, aber versuchen könne man es ja. Außer ein paar Fahrbahnmarkierungen müsse die Verwaltung ja nichts investieren.

Einstimmige Entscheidung

Auch bei den Ludwigsburger Verkehrslinien ist man zwar eher skeptisch, trotzdem sagte die Geschäftsführerin Carry Buchholz im Ausschuss: „Jeder Meter tut uns gut. Wir würden das gerne probieren.“ Die anschließende Abstimmung fiel dann auch einstimmig aus. Damit gehören jetzt auch die CDU und die Freien Wähler zu den politischen Kräften, die den Auto-Individualverkehr zugunsten des öffentlichen Personennahverkehrs einschränken – zumindest in der Schorndorfer Straße.

Bereits Mitte Oktober war über die Verlängerung, der heute schon existierenden kurzen Busspur Richtung Kreuzung Harteneckstraße entschieden worden. Diese Spur soll um 50 Meter verlängert werden, da die Busse vor der Kreuzung oft im Stau stehen. Die CDU stimmte damals dagegen, weil für diesen Schritt schon auf etwa 15 Parkplätze verzichtet werden muss.

Interessant ist die Schorndorfer Straße auch deshalb, weil sie als zentrale Achse der BRT-Schnellbus-Pläne der Stadtverwaltung gilt. Spätestens beim Bau dieser Trasse zwischen dem Bahnhof und Oßweil müssten wohl die Parkplätze auf beiden Seiten beseitigt werden. Die Diskussionen werden also weitergehen.