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Mobilität

Rad und Bus sollen auf eine Spur

Freie Wähler und FDP wollen in der Marbacher Straße eine Umweltspur – Laut Stadtverwaltung ist eine solche kaum möglich

Bisher ist es nur ein Radweg. Doch einige Stadträte fordern nun eine Umweltspur, die sich Busse und Radfahrer teilen. Foto: Holm Wolschendorf
Bisher ist es nur ein Radweg. Doch einige Stadträte fordern nun eine Umweltspur, die sich Busse und Radfahrer teilen. Foto: Holm Wolschendorf

Es klingt, als würde etwas nicht ganz recht zusammenpassen, wenn man von der Idee einer Umweltspur hört: Radfahrer mit ihren kleinen Fahrrädern und große Busse, die viele Menschen transportieren, sollen sich eine Spur teilen – das passt doch nicht zusammen. Doch beide Fortbewegungsmittel stehen nun mal für die Verkehrswende, und genau deshalb passen sie doch auf die Umweltspur.

Mit einem interfraktionellen Antrag wollen Freie Wähler und FDP erreichen, dass die Stadtverwaltung prüft, ob eine Umwandlung des Radwegs in der Marbacher Straße zur Umweltspur möglich wäre. Begründung: Der öffentliche Nahverkehr müsse flüssiger laufen, wenn mehr Autofahrer auf diesen umsteigen sollen. Die Attraktivität der Busse könnte gesteigert werden, wenn man mit diesen am Individualverkehr vorbeifahren könnte, so die Fraktionen. Außerdem werde der Radweg sowieso nur von wenigen Radfahrern genutzt.

Scheint also alles für eine Umweltspur zu sprechen. Mitnichten, so der Radwegeplaner Michael Ptock, der die Prüfung einer Umweltspur im Mobilitätsausschuss erläuterte. Weil bestimmte Anforderungen an die Breite einer solchen Spur gelten (siehe Text rechts unten), sei eine Umweltspur in der Marbacher Straße nur in Abschnitten und überhaupt nur entweder stadteinwärts oder -auswärts möglich. Grund dafür seien die Mindestbreiten, die für Umweltspuren vorgegeben sind. Eine breite Spur sei deshalb im Bereich von Schutzstreifen, die beim Abbiegen benötigt werden, und Fußgängerübergängen auf keinen Fall möglich.

„Bergab brauchen wir keine Umweltspur“, so Andreas Rothacker (Freie Wähler). Bergauf, also stadteinwärts, stehe man im Stau, nur da würde eine eigene Spur für Busse Sinn machen. Doch auch da sei eine Realisierung schwierig, erläuterte Ptock. Bergauf geben die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) vor, dass die Umweltspur mindestens 4,75 Meter breit sein muss. Das soll sicherstellen, dass Busse einen Radfahrer auch dann überholen können, wenn er bergauf etwas ausholen muss, um Schwung zu bekommen.

„Bergauf hätten wir etwa gestückelte 200 Meter, auf denen wir eine Umweltspur realisieren könnten“, so Ptock. Die Fahrstreifen wären dann an diesen Stellen zwischen drei und 3,25 Meter breit, bergab gäbe es einen Radstreifen mit zwei Metern Breite. Das Ergebnis des Radwegeplaners: Eine Umweltspur sei in der Marbacher Straße nicht möglich. „Möglich ist es schon“, widersprach da Andreas Rothacker. „Man müsste halt umbauen.“ Das alarmierte wiederum die Grünen. „Wir dürfen die Verkehrsinseln für Fußgänger auf keinen Fall auflösen“, sagte Frank Handel. Auf der viel befahrenen Straße gewährleisten diese eine sichere Querung für Fußgänger, so der Grünen-Stadtrat.

Ein Umbau sei noch aus einem anderen Grund schwierig, kam es vonseiten der Stadtverwaltung. Da das Land den Bau der Radroute entlang der Marbacher Straße gefördert hat, müssten Veränderungen mit dem Land abgestimmt werden. Würden diese als förderschädlich eingestuft, müsste die Stadt die Fördermittel anteilig der veränderten Abschnitte zurückzahlen.

„Wir wollen keine 100 Prozent-Lösung“, so Jochen Zeltwanger (Freie Wähler). Das, was möglich ist, soll umgesetzt werden. Auch wenn es keine durchgängige Spur sei, würde das den Bus beschleunigen. Das sah Armin Klotz (CDU) anders: „Wenn, dann brauchen wir eine durchgängige Busspur.“

Nathanael Maier (SPD) plädierte dafür, sich zuerst auf weitere Radwege in Ludwigsburg zu konzentrieren, bevor bereits die nächste Idee umgesetzt wird. „Wir müssen aber weiter darüber nachdenken, wie wir mehr Leute auf den ÖPNV umlenken können“, so Stefanie Knecht (FDP). Dem stimmte Andreas Rothacker im Grundsatz zu: „Zum Radfahren kriegen wir sie sowieso nicht.“

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