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Frühlings Erwachen

Der Osten kommt, holt auf. Ganz deutlich spür- und erlebbar wird dies bei der Wiederholung einer Rundreise, die der Verfasser dieser Zeilen bereits vor 13 Jahren unternahm, einer Reise dem Morgenrot entgegen. Für die einhundert LKZ-Leser ist der Weg das Ziel. Der führt über Meißen, Dresden und Görlitz, Breslau und Oppeln bis ins mehr als tausend Kilometer entfernte Krakau und zurück über Novy Jicin und Prag.

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Meißens weißes Gold – die Ludwigsburger kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ohne die kunstfertigen Objekte aus der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur schmälern zu wollen: Meißen spielt in einer anderen Liga. Weitläufig und hypermodern präsentiert sich die Keimzelle europäischer Porzellanherstellung ihren Besuchern. Da gäbe es zu Hause viel zu tun, um auch nur annäherndnachzuziehen. Bastei oder Fledermaus? Ganz gleich, ob sich die Ludwigsburger für das Elbsandsteingebirge oder die Semper-Oper entscheiden, Dresdens Waldschlösschenbrücke bleibt ein Unesco-Welterbe- Schildbürgerstreich. Selten fügt sich ein Bauwerk harmonischer in die Landschaft ein als dieses. Bleibt abzuwarten, wann Dresden sein Welterbeprädikat zurückerhält. „Oglaublich, was die do elles hend. G’hört han i ja scho davo, abbr do kommsch ja sonscht net no“, meint ein Mitreisender aus Großbottwar. Die Rede ist von Görlitz, Deutschlands östlichster Stadt an der Grenze zu Polen. Mehr als 4000 restaurierte Baudenkmäler erwarten die gänzlich überraschten schwäbischen Besucher. Und weiter geht die wilde Fahrt: Breslau an einem Montagabend im Juni. Das bunte Treiben auf seinem Rynek, dem Marktplatz, lässt sich nicht in Worte fassen. Flanieren, einkaufen, ausspannen, ausgehen, umgeben von zahlreichen Straßenkünstlern, Tauben, Kindern und Touristen – sicher mehr als tausend Menschen sind auch zu später Stunde noch auf den Beinen. Man wähnt sich im Süden Europas, nicht im Osten. Auch in Krakau und Prag wird das lebendige Bespielen innerstädtischer Plätze extrem forciert. Ludwigsburg rückt im Vergleich dazu in die tiefste Provinz. Erstaunlich, wie die Polen mit ihrem Einkommen, das nur einem Drittel des unseren entspricht, zurechtkommen. Autos, Elektroartikel und modische Kleidung kosten ebenso viel wie in Deutschland. Gastronomiepreise sind zwar etwas günstiger, nicht aber an touristisch frequentierten Orten. Umgerechnet fünf Euro zahlt man auf den Marktplätzen Breslaus und Krakaus für einGlasWein. Teile Krakaus, insbesondere das historische jüdische Viertel Kasimierz, versprühen noch den morbiden Charme des Vergänglichen, erwachen aber Haus um Haus, Straßenzug um Straßenzug aus ihrem Dornröschenschlaf jahrzehntelanger Vernachlässigung. Als regelrechtes Kleinod entpuppt sich Novy Jicin, Ludwigsburgs jüngste Partnerstadt. Sie liegt in der historischen Region Kuhländchen im Osten der Tschechischen Republik. Pavel Bartek, stellvertretender Bürgermeister, begrüßt die Ludwigsburger in einer erfrischend knappen, 40 Sekunden währenden Rede. Hört, hört. Was die mitfahrenden Reiseleiter Pia Pfähler, Charly Maschke und Günther Merkt über Land und Leute zu erzählen wissen, ist schon viel genug. Hinzu kommen die Ausführungen der örtlichen Fremdenführer. „Die isch zwar guat, abbr die schwätzt dir ja d’Ohrwatschle ab“, meldet sich diesmal einer aus Asperg. Ja, der Weg ist das Ziel. Die drei neuen, äußerst bequemen Busse des Reiseveranstalters Schlienz Reisen lassen deshalb die in acht Tagen zurückgelegten 2600 Kilometer vergehen wie im Fluge.

4. Tag z.Krakau.02
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8-tägige Busrundreise