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„Da musste man schwer anpacken“

Hans Baur arbeitet seit 60 Jahren beim Großbottwarer Bauunternehmen Rast – Firmengeschichte entscheidend geprägt

Zu seinem 60-Jährigen hat Hans Baur gleich drei Ehrungen erhalten: So hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann dem Jubilar in der Urkunde des Landes Baden-Württemberg gratuliert. Auch die Handwerkskammer und die Bauinnung Stuttgart-Ludwigsburg habe
Zu seinem 60-Jährigen hat Hans Baur gleich drei Ehrungen erhalten: So hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann dem Jubilar in der Urkunde des Landes Baden-Württemberg gratuliert. Auch die Handwerkskammer und die Bauinnung Stuttgart-Ludwigsburg haben ihn ausgezeichnet. Unser Foto zeigt Hans Baur (rechts) mit Alexander Rast, dem Chef von Rast-Bau. Foto: Rast/p

Großbottwar. „Ich bin mit dem Fahrrad auf die Baustelle in Winzerhausen gefahren“, erinnert sich Hans Baur an seinen ersten Arbeitstag und den Beginn seiner Maurerlehre Anfang April 1961 beim jungen Bauunternehmen Rudolf Rast in Großbottwar – und somit an den Start seiner Karriere. Heute, 60 Jahre später, arbeitet der Großbottwarer Architekt mit 74 Jahren noch immer in derselben Firma und blickt damit auf eine berufliche Biografie zurück, die in heutigen Zeiten nahezu ausgeschlossen erscheint. Denn im schnelllebigen 21. Jahrhundert sind 30-jährige oder gar 40-jährige Arbeitsjubiläen bei einem einzigen Arbeitgeber eher die große Ausnahme. Nicht so bei Hans Baur. Der Prokurist der Firma Rast kann auf den größten Teil der fast 70-jährigen Unternehmensgeschichte zurückblicken: Jahre und Jahrzehnte, die er selbst entscheidend mitgeprägt und gestaltet hat und in denen er so manchen technischen Umbruch auf den Baustellen und im Büroalltag erlebt hat. Das Planen und Bauen von Gebäuden bestimmte sein Arbeitsleben.

Doch zurück in den April 1961. „Ich war mit 14 Jahren ein schmächtiger junger Mann“, sagt Hans Baur. Er schmunzelt. „Die Wasserwaage war länger als ich.“ Er habe zu der Zeit nur 63 Kilo gewogen – die Zementsäcke dagegen 50 Kilo. „Das war für mich eine schwere Sache“, sagt der Architekt. „Da war Muskelkraft angesagt.“ Eine Gewichtsbeschränkung, so wie heute auf 35 Kilo, habe es nicht gegeben. Gearbeitet habe man früher mit der Hand am Arm. „Früher, da musste man schwer anpacken.“ Ein Kran, heute Standard auf Baustellen, sei damals reiner Luxus gewesen. Baur erinnert sich, dass seine Kollegen und er auch mal an einem 24. Dezember auf einem Dach Schnee abgeräumt und dieses dann eingedeckt hatten. Im Winter habe man oft mehrere Wochen nicht arbeiten können. „Mein Chef hat dann alle heimgeschickt und zu mir gesagt: ,Komm ins Büro.‘“ Im zweiten Lehrjahr habe er dann schon einfache Zeichnungen als Arbeit erhalten und mit den Rechnungen zu tun gehabt.

Hans Baur legte 1964 seine Maurer-Gesellenprüfung ab und begann unmittelbar danach bei seinem Lehrmeister, dem Architekten Rudolf Rast, eine Lehre als Bauzeichner. Diese schloss er schon 1966 erfolgreich ab. So hatte er zwei Gesellenbriefe in der Hand. „Mein Chef hat gefordert, aber auch gefördert“, sagt Baur anerkennend über seine Anfangszeit. Bis Mitte der 70er Jahre arbeitete er als Bauzeichner und übernahm dann die Leitung des Architekturbüros. In der Folge wurde sein Aufgabengebiet auch auf die selbstständige Bauleitung ausgeweitet. Hinzu kam sein Engagement in dem 1971 von Regine Rast gegründeten Wohnbauunternehmen. Der Baufachmann wurde schließlich als Mitglied in die Kammerliste der Architektenkammer Baden-Württemberg eingetragen. Baur blickt auf die Urkunde an der Wand: „Das war am 19. Oktober 1990“, sagt er.

Wichtige Gebäude sind unter Baurs Leitung entstanden, so das Ärztehaus an der Großbottwarer Stadtmauer oder die Kinderhäuser ltzebitz in Großbottwar, Murr und Besigheim. Auch die Betreuung von Baumaßnahmen an städtischen Kindergärten gehörten zu seinem Aufgabengebiet als Architekt und Projektleiter. Baur ist außerdem für viele Umbauten und Erweiterungen im Therapie- und Reha-Zentrum Bottwartal verantwortlich gewesen, ebenso wie für Maßnahmen im Schloss Heutingsheim, für dessen Sanierung er die Auszeichnung für „Beispielhaftes Bauen“ erhalten hat. Auch für viele private Kunden ist er Ansprechpartner beim Bau von Häusern, Anbauten, Umbauten und energetischen Sanierungen. Für die Wohnbau Rast hat Baur federführend die schlüsselfertige Erstellung vieler Bauprojekte geleitet – zuletzt Mehrfamilienhausprojekte in Oberstenfeld, Remseck-Hochdorf und Steinheim.

Hans Baur ist auch stets im Ehrenamt aktiv gewesen. Beim Bund der Selbstständigen Großbottwar war er als Ausschussmitglied jahrelang Organisator des früher vom BDS organisierten örtlichen Weihnachtsmarkts. In der Lokalpolitik konnte er von 1984 bis 2009 als Großbottwarer Gemeinderat, CDU-Fraktionschef und stellvertretender Bürgermeister wesentliche Projekte auf den Weg bringen und sein Fachwissen in den Gutachterausschuss der Stadt einfließen lassen. Auch heute ist Hans Baur noch ehrenamtlich als Vorstandsmitglied der Bauinnung Ludwigsburg-Stuttgart-Rems-Murr und im Stiftungsrat der Bürgerstiftung Großbottwar aktiv. Entspannung findet der Architekt im Kreise seiner Familie und der drei Enkelkinder. In seinen Urlauben hat es den begeisterten Bergwanderer und Skifahrer vor allem immer nach Österreich und Südtirol gezogen.

Firmenchef Alexander Rast bedankte sich beim Jubilar für seinen außergewöhnlichen Einsatz in dieser langen Zeit und die Treue gegenüber dem Unternehmen. Er betonte, dass er sich „äußerst glücklich schätzt, auch weiterhin auf einen so erfahrenen, engagierten und mit der Firma verbundenen Fachmann zurückgreifen zu können“ – wenngleich dies ab dem „Tag der Arbeit“ in einer zeitlich reduzierten Form der Fall sein wird. „Ab 1. Mai will ich kürzertreten und nur noch zweieinhalb Tage die Woche arbeiten“, erklärt der 74-Jährige. Sofern ihm die Arbeit Zeit lässt.

Info: Das Bauunternehmen Rudolf Rast in Großbottwar beschäftigt derzeit 27 Mitarbeiter. Die Geschäfte laufen auch in Coronazeiten gut. „Wir sind voll ausgelastet“, betont Firmenchef Alexander Rast. Auch insgesamt sei die Branche bisher gut durch die Krise gekommen. Es gibt aber auch Probleme: Baumaterialien seien international derzeit relativ knapp, dazu teuer. Und sie haben häufig lange Lieferzeiten.

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