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Marbacher Labag will fusionieren

Zusammenschluss mit dem Kraichgau Raiffeisen Zentrum und der BAG Franken zu einer Agro Raiffeisen geplant

Die Labag will ihre Kräfte mit zwei weiteren Genossenschaften bündeln. Foto: Andreas Becker
Die Labag will ihre Kräfte mit zwei weiteren Genossenschaften bündeln. Foto: Andreas Becker

Marbach. Den stetigen Strukturwandel in der Landwirtschaft bekommt auch der Agrarhandel zu spüren. Darauf wollen drei Absatzgenossenschaften aus den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn reagieren und sich zusammenschließen. Eine davon ist die Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft (Labag) in Marbach.

Die Labag strebt eine Fusion mit dem Kraichgau Raiffeisen Zentrum (KRZ) mit Sitz in Eppingen und der Bezugs- und Absatzgenossenschaft (BAG) Franken in Bad Friedrichshall an. Am vergangenen Mittwoch haben die drei künftigen geschäftsführende Vorstände, Jürgen Freudenberger (Vorstandssprecher KRZ), Jürgen Häußermann (Geschäftsführer Labag) und Stephan Buchholz (Vorstand KRZ), ihre Überlegungen in einer gemeinsamen virtuellen Versammlung den Mitgliedern vorgestellt.

Nun soll bis zum Sommer der Fusionsvertrag ausgearbeitet und im Herbst dann in Mitgliederversammlungen über die Fusion entschieden werden. „Es geht um eine Perspektivsicherung für die Zukunft“, begründet Häußermann den Schritt im Gespräch mit unserer Zeitung.

Eine größere Genossenschaft könne auf die Anforderungen in einem zunehmend schwierigen landwirtschaftlichen Umfeld besser reagieren. „Wir werden in Zukunft weniger Wachstum haben“, sagt Häußermann. In der Landwirtschaft beispielsweise durch veränderte Anwendung im Pflanzenschutz und in der Tierhaltung, bei den Haus- und Gärtenmärkten durch die Konkurrenz von Discountern und im Energiebereich würden durch Elektroautos auch das Geschäftsfeld Tankstellen nicht mehr so wachsen und beim Heizölhandel sei auch ein Rückgang zu erwarten, weil etwa immer mehr Ölheizungen beispielsweise durch Pelletheizungen ersetzt werden, da diese stark bezuschusst würden, erklärt Häußermann.

Unter dem geplanten Namen Agro Raiffeisen wollen die drei Genossenschaften ihre Kräfte bündeln, wobei der Agrarsektor weiter die dominierende Rolle spielen soll: mit der Getreide-und Ölsaaterfassung sowie der Belieferung der Bauern mit Betriebsmitteln wie Futter, Saatgut, Dünger oder Pflanzenschutzmittel. Weitere Geschäftsfelder sind beispielsweise die Agrartechnik-Werkstätten, der Heizölhandel, Tankstellen sowie die Raiffeisenmärkte, zum Teil mit integrierten Baumärkten. In einer Dreierkonstellation sehen sich diese Genossenschaften weiterhin breit aufgestellt und versprechen sich positive Effekte in der Auslastung der Ressourcen wie Fuhrpark, Siloraum, Trocknungsanlagen, EDV oder eines gemeinsamen Onlineshops.

Und eine Verschmelzung der drei unterschiedlich großen Unternehmen würde auch wirtschaftlich aus der neuen Genossenschaft mit dann 3193 Mitgliedern, deren Sitz wahrscheinlich Eppingen sein wird, ein Schwergewicht machen: Insgesamt 442 Mitarbeiter sollen dann etwa 235 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. Das gemeinsame Eigenkapital läge bei 41 Millionen Euro. Den größten Teil steuert die KRZ bei (165 Millionen Umsatz, 300 Mitarbeiter, 1800 Mitglieder), gefolgt von der BAG Franken (66 Millionen Euro Umsatz, 140 Beschäftigte und 900 Mitglieder) sowie die Labag mit 26 Millionen Euro Erlösen, 50 Mitarbeitern und 500 Mitgliedern. Die Verantwortlichen sehen durch eine Fusion Einsparungs- und Verbesserungspotenzial von rund vier Millionen Euro. Die Labag sei zwar der kleinste Partner, könne sich aber mit ihrer guten Bilanz und schwarzen Zahlen ebenso sehen lassen wie die große KRZ, sagt Häußermann selbstbewusst. „Es wurde immer auf Augenhöhe gesprochen.“ Anders sieht es bei der BAG Franken aus, sie musste aufgrund von Fehlinvestitionen in der Vergangenheit unter kommissarischer Führung des KRZ-Vorstandes erst einmal eine Sanierung durchlaufen, die nun weitgehend abgeschlossen sei. Wie Häußermann weiter erklärte, bleiben auch nach einem Zusammenschluss die Standorte der 101 Jahre alten Labag erhalten: Marbach, Großbottwar, Affalterbach und Aldingen sowie der Schiffsumschlagplatz in Benningen.

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